Smoke Fairies – After the rain

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Haiku: 憧れakogare – sehnsucht 

um regensegen
rauscht wald umsonst trocken sich
blatt um blatt tropft ab

Aus den Dialogübungen: Fiese Freyja…

lektionen in seidr

(was außer liebes-sonetten sonst weiter ferner liefen geschah)…

Freyja: Okay, Fee, wir beginnen mit seidr, aufbauend auf den Resultaten und erarbeiten Ergebnissen aus den vergangenen Lehrstunden. Dein letztes Liebes-Sonett schönte meine Eitelkeit bis in sonnigste Gefilde. Hast du deine Vokabeln auswändig gelernt?
Fee ächzt und macht mhm.
Freyja: Gut, fangen wir an: Ich verlange ein Opfer von dir!
Fee: wie bitte was? schon wieder? boah ey….
Freyja: Haare abschneiden. Raspelkurz, neongrün einfärben!
Fee: Nee!!!!!
Freyja: Dann ein Auge ausstechen? In delikater Jelly mit Petersilichensträußchen zum Mittagessen. Bis morgen dann…
Fee: Nee!!!!!!
Freyja: Also gut, weil Du es bist, Fee. Etwas Milderes, weniger Archaischeres für Dich: Kein einziger ernst gemeinter Widerspruch zu irgendwem für die nächsten Monate bis zur Wintersonnenwendfeier!
Fee: NIEMALS!
Freyja: Ist ja schon gut. Dann ein Auftrag: Dem listigen Loki einen Nagelpilz und dem Riesen Thrymr Syphilis anzaubern!
Fee: Träum weiter, sowas mach ich nicht. Loki ist ein blöder Affe und hinterfotzig obendrein, aber Nagelpilz? Der arme Loki….und einem Riesen Syphilis anzuzaubern kann nicht dein Ernst sein! Frag mal Russlands Hexe Baba Jaga. Weißt schon, die mit dem Hühnerbeinhaus. Das ist eine echte richtige Hexe, die kann so etwas viel besser als ich. Ich bin eine Fee! Ich steh mit Lichtkräften im Bunde. Ich kann Loki aber Tugend anzaubern. Soll ich, darf ich? Büddebüdde….ich zaubere ihm ehrenvolle Ehrlichkeit an den Hals, dann kann er endlich nicht mehr herumflunkern und intiridirigieren! Das wäre wirklich mal ein Fluch vom hellsten Schein, der könnte glatt ein Segen sein!
Freyja: Du bist aufständisch und rebellisch und du weigerst dich also rundheraus, mir zu opfern.
Fee: Das ist mir zu absolut, zu wenig korrekt und konkret, zu verdreht und außerdem ist dieser Satz eine generalisierende vorwurfsvolle, völlig realitätsentzogene polemisch platte Plattitüte! Natürlich bringe ich dir Opfer: Blümchen im Topf, einen Eichhörnchenbesuch mit Locknüssen auf dem Altar, meine Zuneigung und meine allerliebsten Lockenwickler, mein Zauberfeenhaar-Öl, meine Schnurrbartschmiere, meinen Schamhaarrasierer alles das schenkte ich dir zum Liebesopfer, alles was du mir nur aus meinem krachenden Kreuz leiern konntest. Du bist kleinkariert und aufoktruhent, wenn es das irgendwie gibt. Vielwillerisch und zum Kotzen dogmatisch! Ich bin eine Freiformfee!
Freyja: Also gut. Mein letztes Angebot! Du lässt dir freiwillig eine Rose auf den Hintern tätowieren und gehst heute Abend im Wald für meine Liebe in den Nebeln nackend tanzen, frieren und jubilieren!
Fee: Du verlangst, dass ich mich selbst verstümmele? Meine Haut stigmatisiere? Mir eine Erkältung einfange, von der ich bis Beltanefrühling noch was habe??? Never! Vergiss es! Geh und nimm bloß diesen seidr-Zauber mit! Ich schreib dir auch lieber keine Liebes-Sonette mehr. Sowas fieses, Freyja…bäh…
Freyja: Warum gibst du mir nicht, was ich verlange?
Fee: Weil es mir selbst und anderen Schaden zufügen würde. Darum.
Freyja: Entschränke mal deine Armblockade, liebstes Feenfleuchviech, ich will dir weniger als du denken magst. Ich bin Freyja, denk immer dran!
Fee: Mir reicht wie ich bin. Solche Opfer sind mir der Liebeslust zu viel. Wenn das Liebe sein soll, tragen Fische nachts Gummistiefel zum Schlafen und schnarchen Luftblasen in ihren Träumen.
Liebe ist Glück und Licht. Nicht Schmerz, nicht Verbiegen, nicht Leiden. Dann ist sie was anderes.
Freyja: Mir scheint, du hast heimlich vorgearbeitet? Sag schon, wo hast du gespickert? Auf dieser komischen Wikinger-Plattform im blauen Nichts?
Fee: Nö. Das ist der pure Selbsterhaltungstrieb. In dem Moment, in dem jemand ein Opfer von mir zu erbringen verlangt oder für sich als sein vermeintlich gutes Recht einfordert, meint der wen anders als mich. Zumindest, wenn wer behauptet, dass er mich liebt…
Opfer sind löcherige frömmlerische Lügenbrote, es sei denn, sie werden freiwillig und aus Liebe für den anderen erbracht. Opfer sind der Neid der Lust.
Freyja: Mehr brauchst du über diese Lektion nicht zu lernen. Sie ist für dich hiermit abgeschlossen.
Fee: Moment! War da noch was Kleingedrucktes, Umentschlüsseltes im praktischen Mittelteil oder waren alle Klarheiten erfolgreich beseitigt?
Freyja: Alles klar wie Kloßbrühe und richtig gemacht, Schülerin des großen mächtigen seidr!
Fee: Bekomme ich eine Hausaufgabe?
Freyja: Ja, ein Sonett über mich selbst wünsche ich mir. Doch es soll kein Opfer sein, sonst misslingt es dir. Nimm dir also Zeit, der Minnensang muss meiner würdig sein, ich habe repräsentative Göttinnenpflichten, weißt du ja…
Fee: Au backe, da wackelt Asgard in den Grundfesten! Kann ich mir Sleipnir ausleihen? Ich muss unbedingt wo wohin damit und möglichst achtbeinig, denn die Zeit eilt. Wer rostet, weilt zu lange….
Freyja: Schon herbeigepfiffen, der treue Zossen. Wo willst du damit hin? Niflheim? Baldur hat Magen-Darm und träumt dauernd kryptisches Zeug, das niemand wirklich versteht! Er braucht dringend Feen-Medizin! Geh und hilf ihm!
Fee: Gut, okay, ich galoppe bei ihm vorbei, wenn Sleipnir nicht wieder mal seiner selbst überdrüssig ist. Er frisst entschieden viel zu viel junges Trend-Gemüse, der olle Asengaul und dann bekommt er wieder kreative Blähungen wegen verirrter synaptischer Strömungen…
Freyja: Wo willst du denn noch hin? Bloß nicht zu Odin! Lass den bloß in Ruhe! Der hängt in den Ästen Yggdrasils an einem Bein und flucht über kaum noch entzifferbaren Runen über seiner hochhypotetischen Herbsthausaufgabe! Und wieso grinst du jetzt so geheimnisvoll? Fee, versuch mir nicht, ihn wieder mit lukullisch lüsternen Urdinkeltörtchen an Qinoa-Basis mit Amaranthflöckchen oder noch viel schlimmer …mit Hilfe der Alben und Sylphen zu verführen und becircen! Er bekommt davon schäbiges Schnarchen und diskutiert dauernd nur noch mit mir über das Jungbleiben und die Geburt der vergangenen Stunden! Zu dem Ringelschwänzchen will ich mich jetzt überhaupt gar nicht näher äußern, wer weiß, was du letztes Mal mit diesem komisch koketten Kleinkonfekt angestellt hast….
Fee: …übrinx hab ich Osteria nach dem Geheimnis deiner unvergänglichen gelben Frühlingsblumen gefragt…
Freyja: Du lenkst ab, Holde!
Fee: willst du das denn nicht wissen…?
Freyja: hör sofort auf zu kichern!
Fee: na dann nicht…
Freyja: Ungnädige!
Fee: Pardon?
Freyja: …du…und…seidr…???? Ha! Nach fest kommt ab!
Fee: fiese Frey’ja! Lach du nur! Was lange währt wird endlich treu…nee…neu…oder: Wer zuletzt kommt, lacht am längsten. Oder so ähnlich…

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Landesleid

Schlafarm seit zwei Nächten, auch heute weckte ich den Wecker vor der frühesten Stunde. Dann Sonnenaufgang im Frühmorgengesumse und ersten Nachrichten vom nächtlichen Duell der Monster. Sie haben beide gewonnen, einer etwas weniger als die andere. Die Sonne geht schon seit fünf Stunden auf, vorher nur etwas dunkler als hinterher. Ein Stern hängt, übrig geblieben von der Nacht, über meinem Bett. Klar. Kunst. Leuchtet auf Befehl rötlich und tut ansonsten wie Mars auf Rotlicht. 

Träume waren auch noch zugegen. Lämmer schächten ist in ihnen archaisch rudimentär verboten, genauso wie jede Art von vorsätzlicher und manipulativer Vermummung und Verschleierung. Es sei denn, es wütet gerade ein akuter Sand- Abgas- oder Feinstaubsturm. Smog sowie bestialischer Gestank seien die Ausnahme von der Enthüllungsregel. Meine Träume wissen, dass es unhöflich ist, sich zu verdecken wie ein schwarzes Tuch einen Karfreitagsspiegel, ungesund ist es obendrein. An Haut und Haare gehören Liebe, Luft und Licht. An Träume ebenfalls. Ich konnte die Sonne beinahe überzeugen. Ein paar ihrer Feuerhaare zeigte sie mir schüchtern, aber dabei stolz auf ihre Schönheit. Ich dankte ihr für ihre Achtung und den Freimut mir gegenüber und lachte sie freundlich an. Dann zauberte ich ihren traurigen düsteren Wolkenschleiern noch etwas Rosafrisch an den Wangensaum. Auf einem hohlen Ahornblatt streichelte ich einen Chor Stimmen in die Trockenheit, Tropfen für Tropfen Durstqualideit, jeder auflösende Akkord ein erlösender Wassertrank in die waldige Glut. Heute schreien die allzu frühbunten Bäume besonders laut nach Leben. Doch meine Gießkanne fasst nur drei Liter voll, also welchen soll ich zuerst gießen?

Ich fang bei der Wiese an, sie leidet dürre unter der rottenden Koalition der Grashalme. Viel zu viele braune für diese Zeit. Wir brauchen Regen, Wasser und eine Lösung gegen Platzregen. Er ist so polemisch, er kann nur, wie immer schlecht vorbereitet, auf heiße Blechdächer knallen und zetern, mehr nicht. Er ist schlicht viel zu theatralisch und zu wenig katzenhaft für den aufgesprungenen rissigen Sand im Land.

Ein sanfter ausdauernder, gleichmäßig starker wie auch intensiver Landregen wird dringend vom Leben erbeten. Die Erde weint statisches Rauschen Beben in Bäume, der Wind kommt von weither, mitten aus dem wilden Westen heraus, schießt er eiskalt zielend aus der Hüfte. Der Wind ist heute weder männlich noch weiblich, es kann sein, dass er seine wahre Identität einfach unterwegs verloren hat, auf seiner weiten Reise, wer weiß?

Auch der alte große Teich führt verlandendes Niedrigwasser, ist veralgt, hilflos springen die Fische an die Oberfläche auf der Suche nach irgendeiner kiembar kallibrierbaren Luft in Arkadenbögen der Wünsche nach dem Atem der Gischt.

Das Patchwork-Quilt-Blau des Himmels verwebt sich zynisch verwässernd mit Wolken, wer hält solch schadenfrohen Humor auf billige Kosten allgemeinen Leides aus? Die Wetterprognose meldet endlich Regen im Herbstgesang einer Amsel. Ich sah sie zu lange an, da wollte sie schnell ein Rabe werden und krächzte prächtig in auswärts. Bist du einer? fragte ich sie. Heute mal ja, denn eine Amsel bin ich doch sonst schon immer, war ihre kluge Antwort.