Ganz leise über Nacht

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50 Liebes-Sonette für Freyja:

 

ist sommer gegangen

unaufhörlich weiter

aus grünen blättern

verfremdet  gelb in

weiteren distanzen

*

an der bushaltestelle

stehen menschen

griesgrämig grau

gedrückt klein

unbeweglich im regen

*

kommen nebelzeiten

kommt überzeitiges

in  neue traumsaison

still wartet will

worte fließen

richtung oktobergold

suchende gedanken:

herz zieh dich wärmer an!

*

komm an…

leise über nacht

in zärtlichem

gibt nur zu verlieren

was noch nicht einmal war

*

ganz leise über nacht

bleibt frühling treu

an nächstjährigem

dieses versprechen

lockt süß verlangend

im letzten sommerheu

*

kommt tod

sperrt was vorher begehbar

leert was voll

ernüchtert was toll

flüchtet ausleben

um haaresbreite

zoll um zoll

bricht augen

tötet  blind

bis immerdunkel

lang novemberschatten

abendsonnenstrahlen

ein letztes mal atmen

*

ganz leise über nacht

not sich wiegend

mit  zweifel

haut an haut

um das gewicht

von tautropfen

aus dunkleren gründen

pfuhlt sich ein

stellt uhren

gemächlich

schon mal

eine stunde nach

fragt sich wie lange

wie oft die zeiger

noch unruhig um ihre mitte

wandernd

schatten kreisen tanzen werfen

zusammen mit dem andern

 

fragt: wie tief wird wann mein eigenes grab

ausgehoben werden um alles was ich war

zutiefst mit scham und erde zu bedecken?

aschener november dämmert asphalten

am gestrigen horizont herauf

*

ganz leise über nacht

in verschlafenem grau

zusammengerafft was geliebt blieb

überschrieben mit

edelrotem blutblau

bis zum nächsten großen übermut

im sprung anlanden

im ungewissen

nichts für verzagte

dauernd nur

um ihr ständig sterbendes behakt

wird der herbst lang?

wer erkennt seiner

morbider schönheit

wehen klang in

seinem welken unterschwang

*

noch zu lebendig für ein requiem

doch schon zu tot für

hoffnungsvollen frühlingsklang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8 thoughts on “Ganz leise über Nacht

  1. autopict sagt:

    Ja, ich freu mich aufs Oktobergold…🙂

  2. karfunkelfee sagt:

    Da hast Du Dir mit analytischer Treffsicherheit doch glatt das schönste Wort aus dem eher vor sich hin fisselnden Poem herausgepolkt…
    Eins plus sumo comma laudatio, Mr. Magicpict✨👌

  3. gkazakou sagt:

    immer muss ich suchen, um zu deinen Gedichten und Texten zu gelangen (bei mir erscheint nur die Musik), drum lese ich sie so selten. aber wenn, wie jetzt, berühren sie mich. („Noch zu lebendig für ein Requiem“)

    • karfunkelfee sagt:

      Wie kommt das denn, Gerda? Du hast bis jetzt als Einzige davon berichtet. Ich würde das gern ändern wenn ich wüsste wo und wie.
      Einige Seiten meiner blogfreunde muss auch ich aus unerfindlichen Gründen via Computer ansurfen. Da schaffe ich es nicht so oft hin und brauch mehr Zeit. Wenn ich weiß, dass jemand dennoch kommt um zu kommentieren, zu lesen, sich berühren zu lassen, ist das etwas Schönes für mich. Dafür danke ich und freue mich besonders.
      Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag, Gerda.
      Viele liebe Grüße von Stefanie

      • gkazakou sagt:

        Keine Ahnung, Stefanie, was der Grund ist. Ich habe schon mal bei meinen Einstellungen nachgesehen, aber nichts gefunden. Ich komme jetzt aber bestimmt öfter vorbei, egal auf welchen Umwegen. Auch dir einen schönen Sonntag wünschend Gerda

      • karfunkelfee sagt:

        Du bist jederzeit herzlich willkommen. Ich freu mich, fein…
        Hier bei uns sammeln sich die Wildgänse…bald werden sie ziehen…

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