Im Schnitterwind

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Liebe blogfreunde,

Heute ließ ich mich hier bei Ulli und Art of Arkis beeindrucken. Danke, Ulli und Arkis!

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag 

Wünscht die Karfunkelfee

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Noch kapriolieren Schwalben im Kunstflug, auch der Zilp-Zalp applaudiert noch. Die lustigen Stare verabschiedeten sich als Erste Richtung Süden. Im Licht fließt Schwarz, der Wald nach dem zu kurzen, zu wenigen Regen duftet stark und voll. Jeder Tropfen ein welkendes Blatt, gesammelt für den Wintertrost in verklebten Laubpfützen. Die Raben und Krähen, das ganze Jahr Normalbürgerliche verwandeln sich in Zauberer. Krächzend nehmen sie die nördlicheren Winde in ihre Pflicht zu wehen bis zum nächsten hell grünenden Frühlingsschrei.Eine schärfere Klinge führt der Schnitterwind, er senst durch goldene Felder, trennt Spreu vom Weizen, fegt um Häuserecken, fröstelt zu nackte Beine hoch, fühlt sich alleine.

Nachts bauscht er stöhnend, laut atmend vorm Fenster die Gardinen auf. Je früher er im Morgen tagt, desto früher jagt er den wilden Roland am Abend los. Es gleicht sich aus: Blauschaum mundet Rosigblut in Abendtot. 
Rote Äpfel und Pflaumen fallen mit hohem Stellenwert überreif von Bäumen. Überjähriges kühlt die Luft mit Raureife, in den Krügen schäumt der erste Wein des Jahres. Der Kauz verlässt jetzt jede Nacht seine Waldkirche um kleine abtrünnige Kirchenmäuse zu fangen und aufzufressen. Die Buchenlichtung bleibt ein mysteriöser Ort, die Sommerfedern, die er als Medizin gegen den Kater da ließ, sammelte dieses Mal der wirklich Hinterallerletzte der Mohikaner ein. 

Nur die Kiefern stehen unverändert in ihrem Frühlingsmädchenschein, sie tragen dicke Zapfenzöpfe. Noch Erntezeit, die schwarze Flamme Düsterleer bleckt noch weiter hinten, noch still die Sonnenzeit im tiefen Stand vor den Sturmräubern mit den Hauben über dem Kopf. 
Das kleine Blasshimmelblaue ist jetzt erwachsen geworden und trägt schon wilde Indigoseide, die Ozonlöcher werden mit Kondensnebelstreifen kaschiert. Ein langer Winterschatten wirft sich vor das Land, es ist zu müde zum Sprung darüber geworden, liegt ernteträchtig auf der Seite. Die Nabelschnüre der Drachen verbinden Himmel mit Erde, duftig leuchtet ihr Bunt an klaren Tagen über den Stoppeln gut rasierter Felder. Herbstkinder spielen mit dem Traum des Fliegens Ewigkeit. Sie werden ihn fangen und  festhalten wollen. Bald ist Oktober.

(Bildquelle: N. S.)

18 thoughts on “Im Schnitterwind

  1. Arabella sagt:

    Eine fabelhafte Herbstbeschreibung…macht Lust auf mehr.

  2. Ulli sagt:

    Einfach nur schön … da habe ich dich doch sehr gerne inspiriert😉
    liebe Grüsse und dann aber nix wie raus unter den blauen Septemberhimmel wandeln!
    Ulli

    • karfunkelfee sagt:

      Ich stehe hier mit Zeckenschutz eingeschmiert, 50+ präpariert und scharre mit den Reifen meines Mounties. Der Wald lockt schon beinah unseriös verrucht…
      Ich muss los…
      Danke! Du schreibst wunderschön, ich komme immer gern zum Trinken an Dein Wasserloch…✨

      • Ulli sagt:

        Immer Willkommen🙂

      • karfunkelfee sagt:

        …4 Stunden …Wald…besser geht nicht…Akkus sind voll mit Sonne geladen…es war eine sehr schöne Teuto-Tour…danke!✨

      • Ulli sagt:

        wir auch, der Wermutstropfen: ich habe meine neue, wirklich teure Sonnenbrille verloren, wir sind den Weg zweimal hin und hergelaufen, nun betrachte ich es als Opfer für was und wen auch immer noch …
        ich freue mich, dass du es rundum gut hattest und dass es eben auch wieder ging, nach langer Krankenzeit-
        herzliche Abendgrüsse Ulli

      • karfunkelfee sagt:

        Liebe Ulli, zum Verlust der Sonnenbrille schrieb ich dir ja schon in Deinem Blog etwas. Diese Augenversteck-Dinger können ein kleines Vermögen kosten. Die Sonne steht jetzt schon so tief, du brauchst die Sonnenbrille gar nicht mehr und wer weiß, vielleicht kehrt sie ja doch noch auf seltsamen Um-Wegen zu Dir zurück? Verlorene Dinge machen manchmal solche Sachen. Sollte sie hingegen verloren bleiben, ist es vielleicht ein Wink des Lebens, die Augen noch besser offen zu halten…
        Gestern war seit Wochen der erste Tag, an dem ich das Gefühl hatte, jetzt kommen 100 % Kraft zurück…Das war sehr schön… ich hätte immer weiter fahren können und wollen…
        Darum werde ich meinem Mountainbike ein Liebes-Gedicht schreiben, die rohe Form steht bereits ziemlich prosaisch herumschwärmend an anderer Stelle herum.
        Herzliche Tagesgrüße zu Dir✨

  3. Art of Arkis sagt:

    Du bist wunderbar und bringst uns Kunde aus der „Anderswelt“, der Naturelemente hinter der Welt :)). Dankeschön Karfunkelfee.

  4. Flowermaid sagt:

    … wie gerne bin ich Gast in dieser wortgeschöpften „Anderswelt“⭐

  5. karfunkelfee sagt:

    …Au weia…geh mir los mit Renovieren! Mein Handwerk ist Sprache und Schriftthum und das geht ganz gut, aber hau mir mal einen Hammer auf Nagel in die linkische Hand. Da wackelt die ganze Wand im Zimmer! Oder ausmessen…berechnen…Tapeten zum Bleistift, damit spiele ich vertikal Tetris an Zimmerwänden…😬
    Ich wünsche Dir Drahtseilnerven und gutes Gelingen. Ich zieh meinen Hut vor Handwerksgeschick erfordernden Dingen…✨👌

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