Frey’jas Sonett

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50 Liebes-Sonette für Frey’ja

Numero 9

 

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vanadis,
wanengöttin,
schwanhalsige nordin,
deine kultur und lebenslehre suchte ich oben auf dem drachenrücken der bergkämme. ich fand dich ausreichend rauschend in den heiligen waldhallen.

du bist die erde meiner moose, das herztamtam meiner rose, die gläserne luft zarter gräser, das leuchtfeuernde birkengrün in buntem herbstlaub und lichtstrukturen in  wipfeln. der filigrane grashalmgezupfte zarte laut genauso wie die narbige aufgebrochene haut rissiger baumrinden, der letzte todeshauch in meinem wiederfinden wie mein erster lebendiger atemzug im suchen zugleich. in mir fühle ich dein reich-thum, meine augen strahlen den unendlichen menschheitstraum des ganzen vertrauens in deinen spiegelraum.

gesicht zu gesicht gewandt bist du mir ein prachtweib, lieblich frauform, sinn voll -innen,
treibst du dein gesammelt voll in deine töchter,
kindlich korrekt teilst du hälftig mit deinem mann odin gerecht milde dein herz in ein zellgebilde.
unbegreiflich viel bist…

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du…

wilde walkürenführerin, du bist die entscheidung aus dem bauch heraus als martialische kriegerin im falkengewand
stehst du von waldkatzen gezogen im stand deines archaischen wagens
ziehst über dein land vom frühweh gebärenden blutigrot zum tagalternden sterbenden übergang, die dunkelheit allerwelt birgst du in deinem geduldigen schoß. du bringst den zauber der morgenröte wie die magie der nachtschatten zwischen menschliche nöte. dein warmbunt errötet noch um jeden fremden schmerz, nichts und niemand ist dir fremd. nicht der edelste zwirn noch das letzte hemd…

 

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mein…

frühlingskind
glücksmädchen
du uralt über wiesen springende
unvergängliche
überdauerst mir in frieden und ruh.
radebrichst mich in junger eile, spornst mich in zeitig sprießenden fußnoten, fließt in blühfrischen rainweilen, stillst mich süßreif in starkstromzeiten, schlägst mich waidwund bis mich meine ganze spreu vom weizen trennt und schlichtet, aufgeschichtet in langen quälenden weißwandweisen, bist du das blutgefäß, das meine verlassene wunde gerinnt und benennt, die linderung meiner schmerzen, der muttertrost in meinem wissenden verlust, die sammetgeduld in meinem zeitweise untröstlichem frust, die pur pralle sinnenfreude am fleisch meiner lust, herzvolle

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du…

bist ein mischlingsblut
in den kriegen  verschwand deine familie, dein geschlecht
schwächelte sich von der bildfläche, wurdest du zu schmückender asenglut, legtest dir ans herz ihre kunst, ihre kultur, nahmst die rauen göttergesellen im sturm an die hand, gerade als hätten sie niemals den zauber gekannt, den du, mutige magierin, ihnen brachtest als dein heimlich heimatliches ahnengeschenk wie du ehrlich und frey dir am rande dachtest.
oben auf asgards hügel ehrten die asen den schwung deiner nasenflügel als eine vom ehemaligen volk der wanen – ohne jedoch näher nachzufragen, deinen ältesten ursprung ganz zu erfassen.

verloren versprengte und verwaiste. es grenzt an das glück im licht aller liebe, dass dich missgunst, eifersucht,der hass niederer triebe nicht in niflheims tiefsten eisgründen versenkten und auf ewig entliebten. du duldest und verwaltest, verzeihst und weihst im sengenden fegeflammenbrand aller eitelkeiten die fruchtbare leichte asche zerfallener rosenherzen, bedeckst sie mit deiner glut bis alle flecken zergingen in der reinigenden flammenwut.

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mein…

syr, wild und kühn reitest du eber hildesvyn in schnellem lauf. nie schmückte das schweinethyr eine frau ehrenvoller. eigenschaftlich verquickt, verkauft und verglichen mit dir,  klang dies respektvoll aus asenvolkes reckenmaul. wer anders denkt hat sein gewissen im dreck zu lange gesuhlt, sich selbst an sich schlecht vermarktet, versenkt und verschenkt im schwärzesten schweinepfuhl des eigenen herzens. niemand, der das besser wüsste als du, verfemte.
du wurdest mehr als einmal verhärmt im ewigen warten auf eine absolution die nur du dir selbst  erteillen durftest. in deines bruders augen spiegelte sich dein wesen im manne wider. ein zwitter bist du, mit acht gliedern und ihr ward eins,

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herz, hirn und seele…

warst gezwungen forderungsgemäß zu herrschen und zu strafen bis sie dich mit steinen bewarfen. du warst in aller schärfe berufen zu schlichten und nachzufahren. schlangst gelenkig schmückend göttliche geringschätzung für die früchte der erde und des himmels um deinen hals. von brisingsamen gebrandmarkt, in klischees stigmatisiert, deines freiwildzaubers beraubt, verbrannte dein zu sehr behütetes vollkommenes dein geschlecht bis es sich vor scham tief bückte, vermummte, verstummte und die augen wie gebrochene schwerter im namen der liebe zu boden warf. gekennzeichnet von chaos und anarchie gerann dein blut auf der strecke der befangenen. für deinen guten zweck gabst du dich hin als käuflich kalkül im reinen licht verklärten gefühls. zu sehr verlangt und begehrt, vergeblich abgewehrt, davon aufgezehrt, trug dein gewissen schwerstlasten, verpflichtete sich jedwedes glückes charmanter fuß zu sein. vielstimmig vergnügt lachst du im walkürenchoral, stimmst dich in ihre kraftvollen seelen mit ein, singst dich rein.

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doch nur ein einzig samenkorn wäre in der lage dich ganz und gar aufzusprechen.

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spielerisch entschlüsselst du mir in seltsamen liebesliedern den augeschlossenenen weg deiner blumen wie ein offenes lächeln auf eine frage ohne antwort. diese blieb sich selbst in helheims dunkelsten hallen treu in maienliedern so unbegreiflich wie süßes locken im sommerheu, berge ich meinen spiegel in dein weites weises trag ich mein fleiß in mein stilles streben, verinnerliche ich zacken, dein außen hingegen lege ich eben, in sinn in welt will ich frey mich in dein ja eingeben, Frey’ja, weltlich weib, du bist grundsätzlich geben. dein zauber liebt das glück im leben.

—-

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18 thoughts on “Frey’jas Sonett

  1. Arabella sagt:

    Der Regenbogen hat bis zu mir gereicht.

  2. finbarsgift sagt:

    Ps:
    Mein Doppel-Regenbögen-Geschenk an dich als kleiner virtueller Lorbeerkranz für deine fänomenal poetische Leistung:
    https://finbarsgift.wordpress.com/2013/03/08/doppelregenbogen/

  3. Ulli sagt:

    Liebe Fee, ich bin ganz hin und weg … du bringst mir Freya näher und das mag ich sehr, wie den Norden und den Regenbogen und die Frau in mir, die, so will es mir scheinen all das auch kennt und am Ende hier steht mit einem grossen Gelächter und Gesang!
    herzliche Grüsse
    Ulli

  4. Ulli sagt:

    Jetzt isser futsch, mein Kommentar, selbst schuld, musste ja erstmal beim Lu schauen😉
    aber ich krieg ihn noch zusammen:
    Liebe Fee, ich bin ganz hin und weg, du bringst mir Freya näher, was ich mag, wie den Norden und den Regenbogen, wie die Frau in mir, die, so will es mir scheinen, alles Benannte so gut in sich spürt und kennt und nun hier steht mit einem leisen Gesang und einem lauten Gelächter …
    herzliche Grüsse
    Ulli

    • karfunkelfee sagt:

      Ich moderiere die Kommis…:)
      Ist nichts weg, geht nicht verloren, ich hinkte nur mit dem Freischalten hinterher…
      Doch ich freue mich sehr über Deine Worte, Danke Dir!
      Genau das ist mein Wunsch: es näher bringen, das alte mythologische Wissen. Es zeitgenössisch, doch dabei auch mit aller Schönheit auch der alten Sprache zu verbinden und in die Gegenwart zu tragen. Und ja, es ist ein fröhlicher Gesang. Ein Chor von vielen Frey’jas und Freyrs…wie ich hoffe…
      Herzliche Grüße zurück,
      von Stefanie✨

  5. bruni8wortbehagen sagt:

    Wunderworte, liebe Fee!

    Herzliche Grüße von mir

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