Silvester

Liebe blogfreunde,

die Spanier essen in der Silvesternacht mit den Glockenschlägen zur mitternächtlichen Stunde  12 Weintrauben und wünschen sich bei jeder Traube etwas. Dabei tragen sie optimalerweise rote Unterwäsche, die noch ungetragen ist und am ersten Januar weggeworfen werden muss. Die Sache mit der Unterwäsche kann ich nicht umsetzen. Einmal tragen und wegwerfen? In Zeiten von Kinderarbeit, Billiglöhnen und anderen schlimmen Sachen mache ich sowas Dekadentes nicht. Aber ich werde heute Nacht eine Tupperdose mit Weintrauben mitnehmen. Nach Möglichkeit springe ich dann obendrein wie in Dänemark üblich noch von einem Stuhl. Das wird eine heikle Geschichte, weil ich nebenbei spanische Weintrauben im Glockenschlagtakt in mich hineinstopfe und mir dabei lauter total unrealistische Sachen wünsche. Something’s rotten in the State of Denmark. Mein Lieblingszitat von Shakespeare, kommt sogar noch vor der Lerche. (Es war die Nachtigall und nicht die Lerche!) Nun die Frage: Wohin mit der Wunderkerze??? Turbonegro haben sie sich in den….aber nein! Das kann ich wirklich nicht bringen! Das würde doch die Öffentlichkeit zu sehr ärgern. Am Ende käme noch das Ordnungsamt und würde mich zurechtweisen. Meine armen Eltern. Sie müssten sich für ihre Tochter schämen. Also verzichte ich auf die Wunderkerze und bevorzuge spanische Trauben und den Stuhl.

Im jüdischen Glauben heißt das Neujahrsfest „Rosch ha-Schanah“ Davon leitet sich übrigens auch der Wunsch: Guten Rutsch! ab. Es hat nämlich mit Rutsch gar nichts zu tun, wie ich las. Sondern viel eher mit dem Wunsch nach einem guten „Rosch“ und damit ist das Fest selbst gemeint.

Ein Ritual der Karfunkelfee an Silvester ist es, Silvesterbräuche aus aller Welt zu lesen.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein gutes „Rosch ha-Schanah“,

Liebe Grüße von der Karfunkelfee

 

(Quellennachweis: http://www.unicum.de/de/archiv/die-zehn-skurrilsten-silvesterbraeuche-aus-anderen-laendern)

 

 

Der Dompfaff

Da sitzt er nun und hutscht nicht leise 
eine kleine Dompfaffweise.

Der Himmel blaut, 
der Dompfaff fraut
sein Minneständchen mit Plaisir.
Ich antwort‘ ihm so tütitüüü,
Und geb dabei viel Mühe mir.

Der Dompfaff blaut, 
der Himmel fraut mir Minneständchen 
tütitüüü.

Er zutscht mir treu
sein Vogelwort
dann ist er weg
im Nü.

Winterlicht

Nackt drängt sich nichts mehr hin verlieren zu wollen, Sinn zu opfern und zu schlachten, fürchten Bilder, schrecken plumpe Machten. Wie soll dieser Kampf enden? Geteert, gefedert hängt Schuld aus, wohlfeil der Moral dünkler Geringschätzung, eine jede noch um eine Herbsterfahrung töter. Seichte Welt hetzt umnachtet heuristisch viel versprechenden Lichtern hinterher.
Es späht, es naht.
Alles Annahme.
Geduld ist ein tiefes blaues Meer.

Im Prunk der Gutgläubigkeit stehen noch immer längst überholte Klischees, bejammern das hohe Niveau ihrer Verluste. Drachenblut macht verletzlich, das Kreuz ist immer ein Vernichtungsmal gewesen. Der Welt geschieht ein weiteres Blau. Trostlos bahren sich die Trümmer vormals Reicherer, jetzt Ärmerer auf. Schnell ein Halleluja getwittert, Anwesenheit dringend erwünscht.
Bis zur nächsten Nabelschau.

Liest sich wie Kaffeesatz Korn an Korn, folgt unbewusst zufälligen Prinzipien vorgeblicher Strukturen. Keine Wäsche spannt zwischen Jahren.
Schmaler Rauch in der Erinnerung Fluren, die vergangenen Bacchanale. Sie blößen Antarktikas wilde Nomaden gleißend unter einer stürmischen Sonne. Sich Fremde lagern nah beieinander. Ihre Haut leuchtend im Vollzug warmer Verblendung, die Gesichter voller Sterne. Salben sich in den Totmeeren der Lösungszwänge mit Bittersalzen zu Schaumgeborenen.

Blasses Winterlicht treibt Hamamelisblüten aus Gräbern wie delphischen Frieden. Doch, es liegen Blumen auf ihnen, die Lebenden bringen sie, sie wurden auf frischer Tat ertappt! Nur wahrhaft einsame Geister sind Zeugen. Dieweil die Lust zu leben dem Tod das Sterben immer noch nicht vergab, begleiten pythische Lieder den Wunsch nach Dialog. Sie streiten gerade wett im Hohlklang der Verluste.
Sie klingen noch nicht analog.

In den Feuerzwang tanzender Schatten legt sich müde verbrauchter Atem nieder. Der Opferkrug zerbrach zuletzt im stundenweisen Tausch von Nächten gegen abgeliebte Tage, die Augen stumpf vom Dauer-Takt, dem vielen Leben. Lippen schweigen Meere an, die Schultern hängen von der langen Last der Reise. Im Vertrauen liegt das Verneinen von Antipoden mit Zähnen und Klauen.
Im genaueren Hinschauen.

Das Winterbild noch namenlose Vision. Aus loht der Blick des Wanderers im Ozean vergeblichen Wollens.
Das kleine Wegeglück ist allerdings erwartungsfrei.
Es darf lieben bleiben weil es so schlecht lügen kann wie ein Wald zum Wachsen Bäume braucht.
Das Geheimnis eines Erkennens liegt im Vertrauen darauf, den anderen nicht alltäglich neu erraten zu müssen um sich finden zu können und in der Gewissheit, dass Vertrauen Sympathie in seinen Taten adelt.
Es braucht kein Beschreiben.
Es reicht, das Gegengewicht eines fremden Traums ohne Zeitmaß aufsprechen zu wollen und sich immer wieder neu darin zu bescheiden.
Dem Verlassen folgt Bleiben.

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