alma’s ros

starkfrequentes gleichstromrauschen
wasser mäßig
rinnt vom dach  dunkel

es donnert          der baum da

weint sich in düstergrau hinab

in strömen

auch das
trübe
fensterlicht  sprich –

tränen sind der reine tau der seele
in der gosse vergangener liebe.

Dr. House und das Gute an der Blogroll

Liebe blogfreunde,

Letzte Woche Sonntag richtete ich in meiner Küche ein lustiges Schlachtfest an. Mein Hals entkam dem mir Richtung Körper ausrutschenden Messer um Haaresbreite, mein wackerer Handy-Daumen hielt das hintertückische Schnitzelding vom Schlimmsten ab. Was die Sache nicht viel besser machte, denn das zersäbelte Fingerglied spritzte mit Lebenssaft um sich wie Michael Schumacher einst mit der Schampuspulle. Obwohl mir höchst blümerant zumute war, weil ich zu schnell auslief, gelang es mir einen erstklassigen Druckverband einhändig anzulegen: meine Hand schlief schon nach fünf Minute ein und lief erst in der Notaufnahme blau an, weil sie langsam begann abzusterben. In welchem Krankenhaus Dr. House arbeitet, weiß ich jetzt auch, nämlich in unserem. Der flickte meinen Daumen wieder an und als die Betäubung nicht richtig wirkte und ich deshalb herummeckerte, merkte er nur konzentriert die Flicknadel mit einem schönen Ruck hochziehend an, dass er selber gar nix merken würde. Toll…Wenn ich mich nicht so dermaßen über meine ungeschickte Dämlichkeit geärgert hätte, könnte ich über diese Art knochentrockenen Humor in uferloses Schwärmen entarten.
Nun habe ich Zeit, die ich eigentlich laut meinem Cheffe gar nicht hätte. Fahrradfahren und in die Sauna kann ich auch nicht und nun bin ich äußerst ungehalten und von positivem Denken so weit entfernt wie Mars von Jupiter. Allerdings mag ich Seneca, der behauptet, dass in allem Übel immer noch einen Gewinn zu suchen, Schule macht und dies ja auch tat.

Also nehme ich das Gute im Übel, nämlich meine verwahrloste blogroll und versuche mich in administrativer Technik. Was eine Herausforderung darstellt und heute Morgen jede Menge lästerliches Fuhrkutschergefluche nach sich zog. Doch dann kam ich WordPress druff! Jawoll, ich durchblickte endlich diesen administrativen Button-Wust, der so gar nicht in mein intuitiv glatt und gediegen auf Edelkrimskrams gebürstetes Technikgefühl einpassen wollte. Die Sache begann Spaß zu machen. Leider werden nur fünfzig blogs angezeigt. Ich lese aber noch viel mehr blogs. Nun habe ich schweren Herzens die blogs herausgenommen, die nur sehr wenig posten oder gar nicht mehr und denen Vorzug gegeben, die fleißig Beiträge fabrizieren.

Auf die Idee, meine blogroll zu überholen, neu einzupflegen kam ich, weil ich beobachtete, dass ich die blogrolls anderer blogger gern benutze. Darum möchte ich Euch diese Möglichkeit auch weiterhin zur Verfügung stellen. Es gab auch Stimmen, die meine blogroll vermissten. Manchmal brauche ich eine Weile, um in mich zu gehen und etwas in eine neue Form zu verändern. Darin bin ich so entschleunigte slow motion wie ansonsten hochgehypter speedy gonzales.
Wenn ich nicht gerade versuche im Partisanensystem (jeden Tag einen Anschlag!) einhändig administrative Befehle in die Tastatur zu kloppen.

Meine Bitte ist: Schaut doch bitte bei Gelegenheit mal nach, ob alles passt und ob die Linkwinkdingse zu Euren blog-behausungen funktionieren.

Weil das Wetter hier im Augenblick total bekloppt tut und statt dem notwendigen Regen nur jede Menge kalter Luft produziert, suche ich nachher noch eine schöne Musike.

Liebe Grüße aus dem Windkanal,

Eure Karfunkelfee

50 Liebes-Sonette für Frey’ja: Alban Hevin

50 Liebes-Sonette für Frey’ja

Numero 22

Noch brennen narbige Fußsohlen vom letzten Sprung über die Glut.
Meine Kinder werfe ich über das Feuer
damit sie stark und noch viel stärker werden.
Verbrenne einen Haufen alter Geldwörter um die Ahnen mit dem Kapitalismus ihrer Nachfahren zu versöhnen, ahne letztes Grün aus verblühtem Waldmeister und zähle unendlich rückwärts bis zum nächsten Überschwang
wollen
fette saftige Wiesenbäuche vor Blumen schier platzen und

kopflose Vögel bevölkern den blauesten Himmel der Saison
Wie Indiacas werfen sich Federbäusche in die Luft, knallen zuweilen zusammen
und stürzen ab
wie winzige Sonnenkönige

Beifuß und Gundermann klären mein trübes Mondwasser von weltlichen Dingen
Der Sporenstaub des Bärlapps explodiert in meinem Feuer
Ihr Bilwis segnet Felder mit Regen und Sonne
verleiht Arnika Wohl wie Eberesche Stärke und
Schwellenhüter Christopherus säumt aktäisch Feldraine
bannt den Kornwolf in die wachsenden Halme
Heute Nacht sprechen die Tiere
Feen und Zwischenwesen werden sichtbar an der Nahtstelle der Welten

weht noch sonnenhöchster Stand
blickdichten Tagen einen Hauch Unvergänglichkeit um die Nase
und die Welt scheint voller lachender altersloser Kinder

Im kleinsten Abstand zum gefühlten Mittelpunkt der Erde
kaue ich wilde Kräuter
heute heilen sie am besten
Morgen schon ist die Sonne tot
vor ihrem Wiedergang bürstet sich mein Fell gegen den Strich auf

selbst die schweren Einsamen tanzen wie Springteufelchen in der längsten heulenden Wolfsnacht
Johannis’ abgetrennter Kopf lacht schaurig
denn der alte Kreis wendet sich erneut
Le roi est morte. Vive le roi.
Blumen unterm Kopfkissen
Bitten um Baldurs Nähe, geliebter Alpträumer

Zwölf Tage will ich
meinen warmen großen Sommerleib hellauf halten
Klebrig süße Eistropfen von der Haut ablecken
nackt unterm Mond sitzen und ihn anbellen
als gäbe es nichts Wichtigeres zu tun

—-

Kitze

Liebe blogfreunde,

Immer noch ist Frühling und nicht Sommer. Bald ist Sommersonnenwende, ich sitze wie jedes Jahr in den milden Nächten auf dem Balkon und würde am liebsten zu schlafen vergessen, weil ich keine Jacke brauche, weil es mir endlich mal warm genug für bloße Haut ist. Alles im Leben vergeht, lerne ich und umso mehr mit jedem Tag, den ich altere. Genauso unumstößlich wie das Leben mich immer wieder darauf hinweist, dass Endlichkeit natürlich ist, begreife ich den hohen Wert der Beständigkeit im Wandel aller Dinge. Es sind nur sehr wenige wechselvolle Gefühle, die über viele Jahre in eine Tiefe zu wurzeln schaffen, das Sterben überwinden und dabei eine Intensität entwickeln, die sie unverändert Höhen und Tiefen des Lebens überstehen lässt, geradewegs so, als seien sie die berühmte Ausnahme von einer Regel, die über mir steht.

Ich wünsche Euch einen schönen Feiertag.

Liebe Grüße von der Karfunkelfee

Diese Worte gebe ich niemandem.
Nur dir:

Mein rötliches Gewuchere
um dein Herz
– mein Gesicht an deinem pochenden Hals.

Dieses Gefühl gebe ich niemandem.
Nur dir.

—-

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