ABC-Etüden: Shodo – Übung

Liebe blogfreunde,

Frau Wildgans hat mich heute Morgen wieder mit was angeflämmt und dann schrieb das Ding in mir los und eh ich es mich versah, hatte ich obendrein (daran werkelte mein Hintergrundprogramm munter weiter während ich nach vorn raus so tat als sei ich fleißig und strebsam) Red  Skies over Paradises etüdelige Worte mit verbaut in den Text. Tja. Da hab ich den Salat mit Eurem ganzen Input und das hier veröffentliche ich jetzt mal. Arabella ist auch und überhaupt Schuld, denn sie hat die Welle mit Rio Reiser und Junimond erst richtig ins poetische Wogen gebracht. 
So fließt wieder vieles ineinander. Blumen wie Texte.

Lieben Dank auch den Impulsgebern und Initiatoren der ABC-Etüden Christiane und Ludwig Zeidler, Herrn Textstaub.

Noch eine kleine Anmerkung: Dieser Text ist vom ‚Shodo‘, dem ‚Weg des Schreibens‘, und meiner Bewunderung für japanische Kalligraphiekunst beseelt. 

In diesem Sinn,

Liebe Grüße von der Fee

🌱

Gibt so Tage, die laufen rund und glänzend wie ein blank geputzter Taler auf der Straße. Die langsam nur auf krummen Füßen stolpernden Alltage sind hierfür die Wegbereiter, sie machen die Zeit begehbar und ebnen alte Grabstellen ein. Auf den noch unbekannten Wegen blühen unerwartete Erinnerungen auf; streifen Ehemalige kurz ein Gedenkemein über Sommergräser und an Lattenzäunen wuchern wilde Wicken.
Zwitschert so durch die Finger wie das Echo eines Frühlingsschreis und die Bauruinen mit der verwegenen Idee eines Kellerdurchbruchs stehen in Schutt und Trümmern von jedem Idealismus verlassen da. Die eskapistischen Wirklichkeiten im Rot eines Mohns hingegen brandschatzen bunt die Wiesen. Vom Flusswasser werden Barfüße umschlossen, eine Imagination der Kühle erfasst die heiß gelaufene Haut und es ist ein weiterer Vagabundensommer unter dem Heumond herangewachsen. Das Leben findet Wege aus dem hermetischen Dunkel zwischen Mauerritzen hoch ins Licht, ein nackter weißer Keim, dessen Zähigkeit und Lebenswillen sich zuerst über Steine schlängelnd gleich feingezeichneten Blumenkalligraphien auf brüchigen Reispapieren zeigt. Das eindringliche Gefühl im Taumorgen des Grases trägt noch deinen blinden Nachtgeruch und die Heckenrose beabsichtigt noch eine Weile mitten in den Tag hinein zu blühen bevor sie wieder verduftet, so wie du.

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18 Kommentare zu “ABC-Etüden: Shodo – Übung

  1. Christiane sagt:

    Pralles Leben, von hermetischem Dunkel mit Nachtgeruch zum Lobpreis des (Er-) Lebens in all seinen Facetten! Wie bittersüß und wunderschön!
    Danke, schön, dass du dabei bist und das Fähnlein der Etüden mit flattern lässt.
    Liebe Grüße
    Christiane

  2. fraggle sagt:

    Sehr schöner Text!

  3. Arabella sagt:

    Blauregen:-) 🙂 🙂

  4. poesiegarage sagt:

    Sehr sehr wie schon geschrieben bittersüß und wohl zu lesen.

  5. autopict sagt:

    Dicht gedrängt und doch sehr lebendig, so lese ich deinen Text. Ich musste nochmal nach den Wörtern sehen, die schmiegen sich so schön ein-
    LG aus dem wilden Süden.

    • karfunkelfee sagt:

      Das hast Du schön gesagt mit dem Einschmiegen. Genauso wollte ich das nämlich haben. Aber so ein schönes Wort wie Deins da fiel mir doch wieder nicht ein. Sowas aber auch…
      Und Dank aus dem wilden (Nord-)westen.
      Yippieeeeh.

  6. Ulli sagt:

    zaubertraumhaft gut!
    liebe Abendgrüße an dich
    Ulli

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