50 Liebes-Sonette für Frey’ja: Alban Hevin

50 Liebes-Sonette für Frey’ja

Numero 22

Noch brennen narbige Fußsohlen vom letzten Sprung über die Glut.
Meine Kinder werfe ich über das Feuer
damit sie stark und noch viel stärker werden.
Verbrenne einen Haufen alter Geldwörter um die Ahnen mit dem Kapitalismus ihrer Nachfahren zu versöhnen, ahne letztes Grün aus verblühtem Waldmeister und zähle unendlich rückwärts bis zum nächsten Überschwang
wollen
fette saftige Wiesenbäuche vor Blumen schier platzen und

kopflose Vögel bevölkern den blauesten Himmel der Saison
Wie Indiacas werfen sich Federbäusche in die Luft, knallen zuweilen zusammen
und stürzen ab
wie winzige Sonnenkönige

Beifuß und Gundermann klären mein trübes Mondwasser von weltlichen Dingen
Der Sporenstaub des Bärlapps explodiert in meinem Feuer
Ihr Bilwis segnet Felder mit Regen und Sonne
verleiht Arnika Wohl wie Eberesche Stärke und
Schwellenhüter Christopherus säumt aktäisch Feldraine
bannt den Kornwolf in die wachsenden Halme
Heute Nacht sprechen die Tiere
Feen und Zwischenwesen werden sichtbar an der Nahtstelle der Welten

weht noch sonnenhöchster Stand
blickdichten Tagen einen Hauch Unvergänglichkeit um die Nase
und die Welt scheint voller lachender altersloser Kinder

Im kleinsten Abstand zum gefühlten Mittelpunkt der Erde
kaue ich wilde Kräuter
heute heilen sie am besten
Morgen schon ist die Sonne tot
vor ihrem Wiedergang bürstet sich mein Fell gegen den Strich auf

selbst die schweren Einsamen tanzen wie Springteufelchen in der längsten heulenden Wolfsnacht
Johannis’ abgetrennter Kopf lacht schaurig
denn der alte Kreis wendet sich erneut
Le roi est morte. Vive le roi.
Blumen unterm Kopfkissen
Bitten um Baldurs Nähe, geliebter Alpträumer

Zwölf Tage will ich
meinen warmen großen Sommerleib hellauf halten
Klebrig süße Eistropfen von der Haut ablecken
nackt unterm Mond sitzen und ihn anbellen
als gäbe es nichts Wichtigeres zu tun

—-

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8 Kommentare zu “50 Liebes-Sonette für Frey’ja: Alban Hevin

  1. Ulli sagt:

    Zwölf Tage und Nächte klingen gut, sehr gut sogar!
    herzliche Grüße auch hier an dich
    Ulli

    • karfunkelfee sagt:

      Danke Ulli, so lange dauern die keltischen Feierlichkeiten anlässlich Alban Hevin, dem Sommersonnenwendfest. Ich verquick das hier mit meinen Asen und alten Bräuchen. Es kann nicht schaden, sie zu pflegen. Sie machen ganz schön Spaß…:-)
      Herzliche Grüße auch zu Dir!

  2. oh, wie viel hier drin steckt! ein ganz und gar wunderbares gedicht. 🙂

  3. Mal ne, vermutlich dumme, Frage: Wer ist Frey’ja und wenn, warum?

    • karfunkelfee sagt:

      Keine dumme Frage, nur vielleicht die ungewöhnliche Schreibweise, die irritiert, weil man, wenn, dann meistens: Freya
      liest.
      Frey’ja ist eine weitere, nicht so geläufige Schreibweise der nordisch-germanischen Venus.
      Sie beherrscht den Zauber Seid’r: Glück und Liebe.
      Ich widme Frey’ja fünfzig Sonette – dafür lehrt sie mich zaubern.
      Das ist das Thema dahinter. Sie ist meine Lieblingsgöttin, seit gefühlt schon immer. Die Asen mag ich überhaupt sehr.
      Wobei Frey’ja eine Wanen-Prinzessin ist, also quasi angeheiratet von Odin.

      Ich hoffe, meine Antwort erklärt die seltsame Sonettsache. Ein Lyrikprojekt, könnte man sagen. 🙂

      • Verstanden jetzt 🙂 Es sind dann keine italienischen oder elisabethanische Sonette. Ich nenne deine mal freie Freya Sonette.

        Liebe Grüße

        Achim

  4. karfunkelfee sagt:

    Freie Freya-Sonette, – das würde ihr sogar sehr gefallen! Denn das Frei bejaht ihr Name.

    Liebe Grüße,

    Stefanie

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