In mehr als amicitia

…schrieb ich jenen besonderen Brief vor Jahren an einem regnerischen Sommerabend.

Opulente Lavendel- und Lilienfragmente stürzten mit dem Juliwind durch die offene Balkontür in mein Zimmer. Meine Haare noch feuchtkringelig und offen. Ich trug nichts weiter als diesen völlig verruchten Seidenkimono und diesen obendrein auch noch ohne Gürtel. An dem Gedicht schrieb ich eine Stunde lang sorgfältig bei Kerzenschein. Die lustvollen Verse klangen waidwund und blutig wie erlegtes Wild. Ich hatte die Idee wie ich die Faszination so steil wie einen erregenden Duft auf die Haut meiner Worte lege.

Dieser Brief, so nehme ich an, wurde später als feige Todsünde im Namen und auf dem Opferaltar von amicitia verbrannt oder noch viel profaner: einfach weggeworfen.

Er duftete noch schwach nach mir als ich ihn übergab. Alle folgenden gemailten oder dahin gesprochenen Worte verrieten die Bilder bis Pandora fest stellte, dass die Hoffnung längst mausetot gewesen war, sogar bereits dann als die Worte noch vor frisch geprägter Zuversicht so neu wie Falschgeld glänzten.

Wirklich und wahr bleibt als letzter greifbarer Beleg der Zuneigung in der Gegenwart nur der Abdruck einer deutlichen Erinnerung an das Schreiben der Worte wie Lippen über Haut streifen.

Wie hingegen der Empfänger mir später mit feierlicher Miene und Licht in den Augen versicherte meine Worte bei Kerzenschein in aller Stille lesen und beantworten zu wollen weiß ich nicht mehr und sein vor Freude glühendes Lächeln habe ich vergessen.

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2 Kommentare zu “In mehr als amicitia

  1. Noch so gut gewählte Worte können eine erkaltende Liebe nicht retten. Wer mit Sprache umzugehen versteht, neigt auch dazu, sie zu überschätzen. Das fiel mir ein zu deinem Text, und Worte überschätzt habe ich selbst mehr als einmal.
    Schön, dass du wieder was veröfffentlich hast, liebe Stefanie.

    • karfunkelfee sagt:

      Lieber Jules,
      Wer schätzt, verschätzt sich schnell, so meine Erfahrung mit Spekulation und Annahme. Diese Sache mit dem Brief war allerdings so eine, ganz ohne Schätzungen, eher eine allzu unbedarfte und naive Fühlerei, vielleicht auch kindliche Hoffnung weil eben genau diese damals jemand befeuerte. In solchen Angelegenheiten wie dieser braucht es mehr als einen für eine faszinierende Hoffnung.

      Wenn Hoffnungen erwachsen werden tut das manchmal geradezu tiefenmuskulär weh aber das sind nur Wachstumsschmerzen, noch aus der Körperkindheit in den sich dehnenden Gelenkknoten und Faszien als ein rheumaähnliches Streckbankgefühl erinnert und wenn die Hoffnungen flügge sind, sollte man sie auch frei lassen wie erwachsene Kinder. Ähnlich wie der eigenen Brut wünscht man ihnen nur das Liebevollste, einen geschulten und klaren Sinn für die wesentliche Wirklichkeit, Träume und Bewusstheit, Selbstvertrauen, vor allem darin, nie zu warten auf etwas, das man vielleicht sich wünschen kann, doch dies immer nur formlos und frei und vor allem ohne den Anspruch auf eine Erwiderung zu erheben.
      Ist seit langer Zeit das Erste was ich mal wieder blogge. Dein Kommi ist in vielseitiger Hinsicht klug. Meinen Feendank für Dich und Dir mit besten Grüßen ein schönes Wochenende wünschend…🧚‍♀️✨

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