Ich hab‘ nix vernommen (an Mörike gekuschelt)

Danke, Ananda und Eduard Mörike für die Beflügelung 🧚‍♀️❣️

Winter lässt sein Streufahrzeug
wieder rattern wie durch Grüfte

Grüße dieser Abgasdüfte

wabern stinkend durch den Sand

denn sie räumen Schnee
soll der Rollsplit kommen

Schorsch, der Sperber, klagte schon!
Frühling – wo bist Du?

Ich hab nix vernommen.

(A.H.)

Bomba Esteréo – P‘a respirar

…Leutz, sollte etwas wie Werbung hier kommen…Entschuldigung dafür. Bomba Esteréo sind besonders und nicht in großer Auswahl zu erstöbern. Macht Euch warme Gedanken, auch wenn Luftholen zurzeit im Rachen klirrt und scheppert und der Rotz an der Nase fest friert.

Zum Wochenstart etwas Lachlürik.

Kommt gut rein und durch.

Vom Winde verweichlichte Grüße von der Karfunkelfee

-•-

Grühling

Frühling beginnt mit einem

G gleich Ghettoblaster

Grühling

Klingt komisch

(Amélie Hauser)

Seminar Theorie und Praxis der Handschrift – Finale

Liebe blogfreunde,

Seit Februar trainiere ich eine neue Handschrift, das wisst Ihr ja inzwischen. Dass ich als Grundschülerin dazu gezwungen wurde mit rechts schreiben, auch, irgendwann einmal erwähnte ich es. Ich zählte wahrscheinlich zu den letzten Schülern, an denen diese Art Gehirnwäsche verbrochen wurde.

Gestern nun fand ich ausreichend Ruhe, um die letzte, noch unerfüllte Aufgabe des Handschriften-Seminars von Jules van der Ley zu erledigen.

Die Frage stellte sich: Was wurde in dreißig Jahren zunehmender Digitalisierung und EDV, dem Schreiben auf Tastaturen, den Abhängigkeiten von Maschinen aus meiner Handschrift?

Notiere handschriftlich deine Erfahrungen, jetzt 30 Jahre später.

Und das tat ich. Den Text schrieb ich schon vor Wochen immer mal wieder anders und neu und um, druckte ihn mir dann aus und nahm mir Zeit. Zum Abschreiben mit der neuen Schrift benötigte ich insgesamt sechs Anläufe, die sich heute Morgen immer noch als unzufriedene Knüllbällchen auf dem Berber tummelten. Als ich zum siebten Mal Anlauf und ein neues Blatt Papier nahm, wünschte ich mir tiefinnig, dieses Mal endlich zufrieden sein zu können und meine kalligraphischen Latten nicht allzu hoch zu hängen. Es gibt ein besonderes Merkmal des Schreibens mit der Hand, weswegen es sich überhaupt nicht vergleichen lässt mit dem Schreiben auf der Computertastatur: Wenn ich mit der Hand schreibe, zwinge ich meinen Geist zu einer komprimierenden Sorgfalt. Ich überlege genauer und gehe langsamer vor, da ich Fehler im Schriftbild vermeiden will. Da ich noch nicht schnell schreibe mit der neuen Schrift und der linken Hand, fühlt sich das andauernd so an, als sei mein ungeduldiger Geist ein Drachen, den ich an einem Spinnwebfaden versuche in einem Wirbelsturm still und ruhig am Himmel stehen zu lassen.

Wenn ich mit dem Computer schreibe, ist das etwas völlig anderes. Während die Finger über die Tastatur tanzen und sie liebkosen, so schnell sie nur können, fliegen sie mit meinem Geist zusammen und auch dieses Gefühl liebe ich, denn es ist enthemmtes Schreiben und die Maschine macht es mir möglich.

Stellt Euch die Schriftsteller vor, mit ihren vielen Gedanken und den über tausend Seiten langen Erzählungen und Büchern, die sie in unzähligen langen Arbeitsstunden schufen, die all das mit der Hand mühselig schrieben, in langen Nächten  – was für eine unglaubliche geistige und körperliche  Leistung!

Schon nach der Betextung der zweiten Seite DIN-A-4  wurde meine Linke müde und begann Konzentrationsfehler zu produzieren. Daran spüre ich, wie wenig Durchhaltevermögen und Schreibpuste sie erst hat und das obwohl ich jeden Abend eine halbe Stunde lang die Fairbank-Schrift mit links übe und auch alles andere mit links in dieser Schrift schreibe. Meine Kinder finden sie toll und übrigens auch alle anderen Leutz, denen ich Schriftproben vorlege. Das gibt mir ein gutes Gefühl, mit dieser Schrift weiterzuarbeiten und sie weiter verbessern zu wollen.

Wenn ich allerdings in Interviews meine Stichpunkte notieren muss, schreibe ich mit rechts, denn diese Hand hat der linken rund 45 Jahre Schreibsporterfahrung und dementsprechende Schreibgeschwindigkeit voraus, sie ist ein alter Hase und konnte sogar vor dreißig Jahren fließend stenografieren.

Nach langen Interviews, in denen ich seitenweise Stichpunkte notieren muss, fühle ich mich anschließend krumm,schief und ganzheitlich verbogen. Die rechte Hand und die Muskulatur schmerzen, weil sie sich immer wieder beim Schreiben auf der falschen Seite verkrampfen. Beim Schnellschreiben wird das noch viel schlimmer. Herzlichen Dank auch, Frau Grundschullehrerin. Das hat diese Dame echt klasse hinbekommen. Danke für die Gehirnwäsche, den Drill, für die Schmerzen, für all das Verbogene, dass ich durch diese fleischgewordene Antithese aller Weiblichkeit nebst Rechnen und Lesen noch so vermittelt bekam. Darauf hätte ich gerne verzichtet.

Man kann wirklich von großem Glück sagen, wenn man  Lehrer in seinem Leben hat, die keine Flachwurzler sind und nur Interesse daran haben, eine Anerkennung für sich selbst zu finden oder ihre Schüler konform zu dressieren wie Affen im Zoo, denn genauso fühlte ich mich bei dieser Lehrerin in ihren Bäffchenblusen und mit der gräulich blondierten Atze-Schröder-Dauerwelle. Es ist noch viel Wut in mir, doch sie verraucht immer mehr. Mit jedem Buchstaben, den ich mit links schreibe, binde ich mir den linken Arm vom Rücken los, lasse mich gerne wegen meines Widerstands aus dem Klassenzimmer hinauswerfen und würde heute statt artig und beschämt im Gang zu warten, heute nach Hause gehen und so eine Lehrerin an der Schule fortan konsequent schwänzen. Doch Kinder sind eben hilflos ihren Familien und Lehrern ausgeliefert.

Meine Kinder hatten in der Grundschule mit ihren  Lehrern mehr Glück als ich. Auf die Händigkeit wurde geachtet, die Kinder immer wieder getestet, doch vor allem: sie wurden damit in Ruhe gelassen und nicht unter Druck gesetzt. Meine Tochter brauchte ein ganzes Jahr um herauszufinden, welches „ihre“ Seite ist. Da ich alle Routinearbeiten überwiegend mit links erledige, imitierte sie mich anfangs natürlich. Doch mithilfe vieler kleiner Übungen zeigte sich später, dass rechts ihr Gefühl, Kraft und auch ihre Feinmotorik ausgeprägter waren als auf der linken Seite.

In einer überwiegend rechtshändigen Welt, müssen sich Linkshänder manchen Trick ausdenken und immer noch oft genug ziehe ich an Türen mit durchgehenden Griffen intuitiv an der falschen Seite um sie zu öffnen oder versage kläglich an Rechtshändermechanismen. Die Rechtshänder verstehen das nicht. Manche halten mich sogar für dumm, weil sie selbst zu dumm sind, sich vorstellen zu können, dass jemand linkshändig sein kann und vertauschte Ansichten von der Welt und wie für ihn aussehen müsste, hat. Ich habe mich daran gewöhnt, mich in dieser Rechtshänderwelt zurechtzufinden, indem ich in vielen Dingen beidhändig wurde und es war mein Cheffe, der mir ohne es zu wissen, Mut machte, noch einmal ganz von vorne mit dem linksseitigen Schreiben zu beginnen. Mich faszinierte die Selbstverständlichkeit, mit der er links schrieb und das, obwohl er Einiges älter ist als ich. Dann beneidete ich ihn heißglühend darum und es war ein Neid, der äußerst konstruktiv war, denn er bat mich um eine grundlegende Veränderung und um Befreiung.

Der Umgang mit dem Wechselzugfüller ist noch eine Herausforderung, denn manchmal stockt der Tintenfluss oder ich habe das Gefühl, ich halte die Feder nicht im richtigen Winkel. Darum misslangen gestern die ersten Versuche und es war wirklich ärgerlich, denn ich verlor eine ganze Stunde, weil ich mit dem bockigen Füller herum kämpfte und nicht herausfinden konnte, warum der Tintenfluss dauernd stockte und das Ding unangenehm zu kratzen und zu stochern begann statt zu schreiben. Schließlich wusch ich den Füller gründlich unter fließend warmem Wasser aus und wechselte die Patrone. Doch daran liegt es nicht, das habe ich herausgefunden. Es ist also alles noch nicht so einfach, (mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!)  doch das Ergebnis, das ich erzielte und Euch hier nun final zum Abschluss des Seminars vorlege, überzeugte mich, dass diese Fairbank-Schrift gut zu mir passt. Ich fühle mich sehr wohl mit ihr. Das schließt jedoch keinesfalls aus, dass sie sich nicht weiter verändert – sie wird sich sogar verändern wollen, genauso wie ich. Jede Handschrift ist so lebendig und einzigartig, so veränderlich und beweglich wie der Mensch, der sie schreibt.

Danke dem Ideengeber, Jules van der Ley vom einfallsreichen und unterhaltsamen  Teestübchen Trithemius und auch Danke, Mr. Alfred Fairbank, dem Erfinder meiner neuen Handschrift!

Es war mir ein Vergnügen, mit und von Ihnen zu lernen, werte Herren.

Herzliche Grüße von der buchstabenbegeisterten Karfunkelfee

 

 

 

 

Das Besondere im Normalen

lernt ein durch beharrliche Übung

geschärftes Auge sehen

ein geneigtes Ohr hören

ein gewogener Wille erkennen.

(Amélie Hauser)