Uwe Schramm: Bild trifft Wort

Liebe blogfreunde,

Heute freue ich mich, den Offenbacher Fotokünstler, Uwe Schramm, bei mir im blog zu Gast zu haben. Er zeigt mit seiner konzeptionellen Fotokunst  in der scheinbaren Alltäglichkeit und Wirklichkeit bekannter und vertrauter Dinge ihr fremdes Unbekanntes.

Der kleine Schritt aus der Wirklichkeit hinaus, führt in Wirklichkeit zu ihr hin.

Lieben Gruß von der Karfunkelfee

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Ohne Titel

Liebe geht durch die Blume.

Text zum Bild

Meine lieben Blogfreunde,

westendstories malt im Augenblick Bilder, die in mir lauter Texte und Worte lostreten. Das heutige Bild hat mich berührt und bewegt. Man möchte diesen nachdenklichen Menschen fragen, warum es sein letzter Gang ist und nicht sein erster.
Stattdessen tauchte ich tief in seine Welt ein und schrieb einen Kommentar. Es ist ein kleiner Text daraus geworden, eine Bild-Interpretation im freiesten Sinne, die ich mag. Ich mag diesen Mann und seine Haltung und die Art wie er den Schirm hält. Mit Spannung.
Wort zu Bild, Bild zu Wort, heute hier.
Morgen dort.

Liebe Grüße von der Karfunkelfee

 

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Er ist ein sorgfältiger Mann. Er schützt seinen Kopf mit einem Hut und er hat einen Schirm dabei, falls es regnet. Es ist sein letzter Gang. Wohin führt dieser? Der Mann wirkt unschlüssig und zielgerichtet zugleich. Er schaut den ziehenden Vögeln am Himmel nach. Sein Schritt will verharren, sein Arm sich auf den Rücken legen und die Finger seiner Hand kneten, während sich sein Blick am Horizont in den Flügeln der Vögel verfängt. Er hört ihre heiseren hohen Schreie in der salzigen und feuchten Luft, beobachtet wie sie einander suchen und folgen. Der Mann ist in den besten Jahren. Sein Körper steht unter Spannung, seine Instinkte sind aufmerksam und wachsam, sein Auge ist geschult. Nur die Melancholie lässt ihn älter und ruhiger wirken als er tatsächlich ist. Diese täuscht jedoch nicht über die Spannung hinweg, mit der seine linke Hand den Schirm fest umschließt, als sei der Schirm eine Waffe gegen die Einsamkeit, sein Hut ein Schild gegen Melancholie und Traurigkeit und als sei die Beobachtung vorbeiziehender Vögel der Anfang einer Erkenntnis und nicht ihr Ende.

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