morgen lese

die arme umeinander

wie fallobstgesammele

in einem einbaum

unsortiert

dafür

so willig in honig…

…sonst noch jemand kaffee….?

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Hin und Her

Die dünnen Felle

verschleißen im Abrieb

werden durchlässiger

rieseln

leichte Hüllen

als Schimmernde

murmeln herum

im vergesslichen Blick

ein Hauch Sepia

goldet kraken

das Innenweiß

man könnte auch…

-(Aber Pipi wäre doch viel zu gelb!)

eher wie zwei blühende Lämmerschwänzchen

in windigem Schnee

aufgebrochen

schwimmen ins

Gesichtsfeld

nur die

Augen

unermüdlich

hin und her

—-

Ostern Olé

Ostern ist ein Wimmelbild

und alle Glocken bimmeln wild

Ich träume von Narzissen

auf nachtverwelkten Kissen.

Draußen rieselt leise Schnee.

Frostklamm starrt der große Zeh

aus Winterwollesocken.

Der Osterhase? Weh!

Geht in Spanien Geranien rocken

Karten zocken

wird aus dem Pool

ein Bunny-Selfie bloggen.

Olé

(Amélie Hauser)

—-

Frohe Ostern allerseits wünscht Euch die Karfunkelfee

Ich hab‘ nix vernommen (an Mörike gekuschelt)

Danke, Ananda und Eduard Mörike für die Beflügelung 🧚‍♀️❣️

Winter lässt sein Streufahrzeug
wieder rattern wie durch Grüfte

Grüße dieser Abgasdüfte

wabern stinkend durch den Sand

denn sie räumen Schnee
soll der Rollsplit kommen

Schorsch, der Sperber, klagte schon!
Frühling – wo bist Du?

Ich hab nix vernommen.

(A.H.)

Friederike im Februar

Eine Stunde
Friederike im Februar
hinterlässt im Wald
hinterm Häusersaum lauter
starr Dahergefallene fahl

beschaudert mit
Schneeflittertränen
aus hohen Kronen Umstehender
standhafter

als sie es waren.

*

Osmotische Luft zu dick zum Atmen
schlürf ich weg wie ein Eisweinen
splittert in meiner Kehle

Ich singe rauer als sonst beim Gehen.
Mich friert die Nase fest vorm Schal
ich muss mich eilen

Auf Sandwegen unter Kaltglas
starren meilenweise
Rotfichtennadeln
in langen gebrochenen Zeilen

—-

Konstantin Wecker – Jetzt eine Insel finden

i.m. M.

Sie war ein großer Fan von Konstantin Wecker.

Den gestrigen Abend tauchte ich in die Weckerwelt ein. Sie hat immer versucht, mir diesen Künstler, der zu ihren lyrischen Wegbegleitern zählte, näher zu bringen.

Manche Liebesbeweise erfolgen eben erst nach dem Tod.

Man tut etwas für einen anderen und dabei entdeckt man sich selbst.

Darum heute an ihrem Todestag auch ein Konstantin Wecker und nicht das auf völlig andere Weise ebenfalls kongeniale Katzeklo von Helge Schneider. Als ich meinte, ‚Katzeklo‘ zu den todernsten Wallfahrern passte so gut wie Faust zu Frieden, hätte sie zu Lebzeiten hellauf gelacht und es abgenickt.

Große Lyrik von einem, der es versteht…

P.S. Ich musste in den Wallfahrern das Jahr ändern. Da ist mir ein Zeitfehler unterlaufen. Ich entdeckte ihn auf der Rückseite des Alten Urlaubsfotos vom Titelbild…

Die Wallfahrer (Patmos 1994)

i.m. M.

Ausgehend von der Ankunft

am Wallfahrtsort

alterten wir

bis hierher

jeder für sich

allein

*

Wir trafen uns

in Johannes’ Höhle

mit den Wölbungen

von Hand und Stirn

des Visionärs

im Gestein

*

unter dem Dreizackriss

oben in der Decke

klafftest du mich an

wie ein Abgrund ins Licht

einreißt

*

und ich erschrak:

deine vier Reiter

würde niemand

am wenigsten ich

aufhalten

*

apokalipsis

hatte deinen Weg

beschritten

und es war

zwischen anderen

Wallfahrern

im milden Goldschimmer

der Ikonostasen

umstanden von

orthodoxen Hoffnungen

inmitten fremder Wünsche

und Bitten

sich windende Rosenkranzschlangen

zwischen Schwitzfingern

*

warfst du

dein dunkelstes Erbarmen auf mich

wie einen Fluch

der sich im Nachhinein

als zerfledderter Phönix kreisend

über der Asche

unseres Unvereinbaren

erhob

immerfort

in der Wiederholung

eines hoffnungsvollen letzten Versuchs

*

gezähmt von unseren Gemeinsamkeiten

beatmeten wir

unser dickes Blut

mit dem Sommerwein

unserer übrigen Geselligkeiten

*

trieben Gewesenem

hinterher

und weißt du was du mir hier sagtest:

Wir wollen beide so jung bleiben

wie wir jetzt sind?

*

wie wir brannten

wir Höhlennaturen

haben uns

in geheimen Bekenntnissen auseinander geschwiegen

schwesterlich wieder eingeschworen

und das ins Licht Entfliehende

offenbarte sich im Felsabdruck

als Tand

menschliches Silbergewirk

es wurde in uns

in unseren uns

fremdesten Momenten

in Tagtraumzielen

unter ferner liefen

wieder und wieder geboren.

*

Wir tanzten weiter rötlich

auf Anolis Berg von oben herab

gegen die Nähe der Scham

mit einem Taschentuch am Daumen

und die Schattenspeere der Pinien zielten alle auf dich

*

als du sagtest

das türkische Festland

erschiene hier so nah

man könne glatt

hinüberschwimmen

*

in deinen Augen spiegelte sich

die Idee meines Ja

was ich träume kann ich tun

und ich begehrte was ich sah.

*

so lange

bis du mir

deine todgeweihten Orte

in den Weg

vor meine Füße legtest

*

wie beiläufig erwähntest

du seiest immer öfter müde

uns sei nur noch wenig Zeit

beschieden

*

jede Menge

versprachen wir uns

mit verbundenen Augen, Ohren und Mund

du würdest wieder ganz gesund

und dies und das

auch Unsterblichkeit

*

und du hast es verstanden

zu deinen Lebzeiten

das Vermissen

*

Auf Patmos

hast du es verstanden.

—-