Kitze

Liebe blogfreunde,

Immer noch ist Frühling und nicht Sommer. Bald ist Sommersonnenwende, ich sitze wie jedes Jahr in den milden Nächten auf dem Balkon und würde am liebsten zu schlafen vergessen, weil ich keine Jacke brauche, weil es mir endlich mal warm genug für bloße Haut ist. Alles im Leben vergeht, lerne ich und umso mehr mit jedem Tag, den ich altere. Genauso unumstößlich wie das Leben mich immer wieder darauf hinweist, dass Endlichkeit natürlich ist, begreife ich den hohen Wert der Beständigkeit im Wandel aller Dinge. Es sind nur sehr wenige wechselvolle Gefühle, die über viele Jahre in eine Tiefe zu wurzeln schaffen, das Sterben überwinden und dabei eine Intensität entwickeln, die sie unverändert Höhen und Tiefen des Lebens überstehen lässt, geradewegs so, als seien sie die berühmte Ausnahme von einer Regel, die über mir steht.

Ich wünsche Euch einen schönen Feiertag.

Liebe Grüße von der Karfunkelfee

Diese Worte gebe ich niemandem.
Nur dir:

Mein rötliches Gewuchere
um dein Herz
– mein Gesicht an deinem pochenden Hals.

Dieses Gefühl gebe ich niemandem.
Nur dir.

—-

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Haiku: 憧れakogare – sehnsucht 

um regensegen
rauscht wald umsonst trocken sich
blatt um blatt tropft ab

Senryu: Amsel und Engel

Für P.

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Du, schattige Amsel,

ziehst auch mein Glück magisch an!


Siehst du den Engel?
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(Amsel: einwort)

Haibun: Liebste

Entstanden und inspiriert von einem wunderschönen Text meiner Blogfreundin Käthe Knobloch.


 

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Liebste, du hast Recht, denn wie wenig bliebe uns vom Leben, vom Lieben, reduziert auf nur eine einzige Jahreszeit? Das lebendige Fühlen wohnt doch ihnen allen inne und jeder von ihnen gebührt Aufmerksamkeit: Dem Keimenden in das Wachsende zum Werdenden in Blühendes wie auch dem Prangenden, das sich an das Leben verschwenderisch hingibt für das Neue in einen tiefen langen Schlaf, der unter dem Toten das Werdende bereits erwartend in sich birgt. So ruht in jedem Ende bereits wieder ein neuer Anfang und in wenigem finde ich so viel vertraute Beständigkeit wie in den veränderlichen Jahreszeiten.
Noch.
Noch immer.
Wie lange noch…?

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Der heiße Sommer
über weitem Heideland
zirpt weit zu hören

Liebste,
wie könntest Du nicht betört sein von dieser Art Unendlichkeit, die etwas Feierliches hat an jedem Tag, den du für sie tanzt?
Nur wer tanzt, kann seine Gestalt verwandeln wie der Herbst die Farbe der Blätter.
Noch. Noch immer.
Wie lange noch?

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Des alten Ahorns
gelbes Blatt auf der Wiese
war gestern erst grün

Zart bettest Du Deine Rosentoten und hältst sie so lange wie sie es brauchen und wollen.
Deiner Seele Schwergewicht kann auch diese Art Liebe mühelos tragen.
Das weiß ich so sicher wie ich im Winter überdauere für den nächsten Frühling.
Noch.
Noch immer.
Wie lange noch?

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Schneebedeckt
auch der Kupfer-Dachrinne
rötlicher Schimmer

Wie lange noch darf ich lenzen?
Wie lange noch sommern, herbsteln und wintern in meine beinah dekadent anmutende Unwissenheit?
Sie soll bewahrt sein, aufgehoben in einem
perpetuum mobile, in alledem, was sie unaufhörlich weiterschreibt,
verbinde ich uns, dich und mich mit ihr, verleibe ich uns konzentrischen Kreisen ein, ein weiterer Steinwurf nur von vielen bin ich.

Erstes Buchenhell
vereinzelt im frühen Wald
der Ruf des Kuckucks

Es träumt sich so ausufernd schön in den Gesängen mancher Seelen.
Noch.
Noch immer…