In mehr als amicitia

…schrieb ich jenen besonderen Brief vor Jahren an einem regnerischen Sommerabend.

Opulente Lavendel- und Lilienfragmente stürzten mit dem Juliwind durch die offene Balkontür in mein Zimmer. Meine Haare noch feuchtkringelig und offen. Ich trug nichts weiter als diesen völlig verruchten Seidenkimono und diesen obendrein auch noch ohne Gürtel. An dem Gedicht schrieb ich eine Stunde lang sorgfältig bei Kerzenschein. Die lustvollen Verse klangen waidwund und blutig wie erlegtes Wild. Ich hatte die Idee wie ich die Faszination so steil wie einen erregenden Duft auf die Haut meiner Worte lege.

Dieser Brief, so nehme ich an, wurde später als feige Todsünde im Namen und auf dem Opferaltar von amicitia verbrannt oder noch viel profaner: einfach weggeworfen.

Er duftete noch schwach nach mir als ich ihn übergab. Alle folgenden gemailten oder dahin gesprochenen Worte verrieten die Bilder bis Pandora fest stellte, dass die Hoffnung längst mausetot gewesen war, sogar bereits dann als die Worte noch vor frisch geprägter Zuversicht so neu wie Falschgeld glänzten.

Wirklich und wahr bleibt als letzter greifbarer Beleg der Zuneigung in der Gegenwart nur der Abdruck einer deutlichen Erinnerung an das Schreiben der Worte wie Lippen über Haut streifen.

Wie hingegen der Empfänger mir später mit feierlicher Miene und Licht in den Augen versicherte meine Worte bei Kerzenschein in aller Stille lesen und beantworten zu wollen weiß ich nicht mehr und sein vor Freude glühendes Lächeln habe ich vergessen.

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Kein Wunder

Ich wünsche allen meinen blogfreunden, den stillen Lesern wie meinen treuen Kommentatoren eine feinfühlbare Zeit, wie auch immer Ihr sie verbringt.

Ein kleiner lyrischer Pst-Gruß mit von allem ein bisschen und besonders aber meinem heimischen Rotgefunkel zu Euch.

Habt es gut…🔆

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img_4953Noch bevor ich mich später im Schatten der Zweige mit neuem Grün beflüstern kann, gehe ich am Abend in den Wald weil dann die Tiere sprechen um mit ihnen im Chor radezubrechen: Ach, lieber Frühling, komm doch bald. Es ist nicht kalt, ich weiß, eher warm und mir erscheint es sowieso wie glühend heiß, denn aller Harm fiel mir mit dem Kummer um wie in China ein Sack Puffreis und nach draußen vor die Tür.

Dort schliefen die Hunde mit warmen Decken auf dem Rücken bestückt in ihren Hütten und kein noch so vieler Regen war in der Lage ihre Knochen zu verrücken oder zu verschütten, denn dank ihrer Gourmetnasen erwitterten sie, wie sie mir schnarchend und japsend in zappelnden Träumen zu Nachtbeginn twitterten,  gar den Osterhasen ganz von ferne und sie schrieben in die Luft mit den Pfoten: lerne das Morgenrot genauso beachten wie die unsichtbar dahinter hochfunkelnden Sterne.

Im Dunkeln nahm ich mir Reiser auf dem Boden liegende Zweige und neigte mich tief hinab zu einem aufgerissenen Grab, gefüllt mit blutiger gerupfter Federkunde. Auch dies ist wirklich in dieser Nacht, in der ich die Geister um mich in die Runde rief während jeder Schritt auf Tritt mich nur noch weiter in schlundige Dunkelheit führte umso heiterer wurde mir als ich im Gehen abgefallenes und am Boden herumliegendes Holz nach minimalsten Vitalzeichen befühlte und berührte.

Dies also sollten meine Zweige sein, für die keine Tanne starb. Das Fallgeäst, das der Wald mir gab. Nur rettete ich, was sonst verdorben und gestorben wäre und nun soll es wieder grünend sich erkühnen in das nächste Jahr, sich mit einer Blattranke bedanken für das was längst gewesen war und noch längster will werden, für Hinzugekommenes wie das Verlorene, das geschah wie schon immer  in sich wiederholenden Zyklen im Schutz der Gemeinschaft der Herden, in den Obhuten der Schwärme.

Sie verwiesen leise mich in schlichten Berichten hin zu einem verdeckten Sinn, der ohne den Wunsch verstehen zu wollen, lose geblieben wäre und ohne Liebe auch nicht ausgetrieben hätte wie der wurzellose kleine Baum ohne jeden Blattflaum an der alten Kriegerstätte, den lange her irgend wer mit viel Verve in den Boden rammte und dort zu seinem Gedenken stehen ließ. Es war eine kleine Eiche zwischen lauter Rotfichten, die ihre Grünlaubgeschenke zwischen jahreszeitenlosen Kronen in das Licht ausgießt bis zum heutigen Tag und ich mich immer wieder dasselbe frag: wie kann etwas, das tot sein soll, dennoch Wurzeln in den Boden schießen als sei es ein verdammtes Wunder? Wohl nur hier fand das Totholz einen möglichen Annahmeort um erneut auszusprießen. Die vollendete Erklärung ist formlos wie eine vieläugige Flunder und kann sogar ohne treibende Sinnelemente fließen. Wie gewagt…

Daraufhin wurde Morgen und in mein schlecht geputztes Fenster schlägt offen der Regen. Über meine im Kupferkrug stehenden Sprödzweige streicht milder Atlantikwind. Sie beginnen sich leicht zu bewegen.

Meine kleine Erde


Eine Laola der Naturgewalten, ausgelöst durch eine unterirdisches Erdbeben, ein winziger erdmanteltiefer Milimeterbruch epischen Ausmaßes. Es entsteht ein enormer Sog, ich kann im Doku-Video sehen, wie sich das Wasser von der Küstelinie unaufhaltsam langsam immer weiter zurückzieht, die Priele hinter sich herschleifend, geradewegs so, als laufe das Meer mit jedem Wellenschlag der Erde weiter davon.

Die Kamera zoomt den Rücksfluss näher heran, Menschen flüchten und hinter ihnen türmt sich am Horizont die Welle, übermannhaushoch, viele Meter, wie sie immer höher wächst, noch ist sie fern, doch jetzt schon so dermaßen hoch, dass kein Streifchen Horizont mehr hinter die dunkellila Wand passen will. Dann stürzt sie schlierig nach vorn kippt sie überschäumend überkront sie die

Panik, bricht ein in die Fliehenden wie der Hai in den Schwarm, löst das Schuppensilber, entgrätet die Heimat und der düstere Wellenhimmel droht schwanger vor Unheil. Ich presse mit den Fakten über Opfer und Hinterbliebene im Hintersinn meine Fäuste zusammen und hoffe inständig und das obwohl es ein Dokumentar-Film ist, irgend einer unter einem Schlagwort wie Tsunami aus den Meeren der Bilderfluten, doch kein gestellter sondern furchtbar wahrer mit totesten Toten und Opfern, irgendwo in den Polynesien und Hawaiis dieser exotischen Welt…

…und niemand umarmt sich theatralisch in diesen sekundenkurzen Kameoszenen, Schnappschüssen und niemand erkennt sich darin. Jeder rennt und flüchtet ganz für sich selbst alleine, den Blick starr geradeaus gewandt mit entsetzten fassungslosen Augen das Wasser im Rücken beflieht die Füße im ertrunkenen Wind.
Das hier ist keine narrende Wirklichkeit, in der die Zeit einen Platz fände für einen Abschied wie er vielleicht Liebenden gebühren mag, die sich in das Unvermeidliche fügen bevor sie mit immenser menschlicher Größe von der Bühne ihrer Eitelkeiten abtreten. Es gibt kein Erkennen einander ansonsten Wildfremder Strangers in the Night, die hier in Hardcore-Romantik im Angesicht des Todes plötzlich feststellen, dass sie eigentlich zusammengehören und dann doch tragischerweise überflutet und wieder auseinandergerissen werden, vereinzelt fortgespült, zusammen mit ihren Autos, Häusern, ganzen Leben, die vorbeischwemmen wie ein reißender Fluss als die Welle in sich zusammenstürzt und überschäumt, in Straßen schwemmt, sich ausbreitet und alles gierig verschlingt, das nicht niet- und nagelfest mit tausend Seemansknoten verzurrt ist. Also nimmt sie alles mit: Die ganze Stadt, sie reißt die Mauern ein und treibt sie davon in einem Strom der Steine, zusammen mit dem Lebensschutt, der übrig bleibt, wenn Naturgewalten ihre volle zerstörerische Kraft entwickeln können.

Geknickte Palmen strecken ihre Blätter wie grüne Flügel der Trauer in die See. Das Land ist überspült, ganze Felder schwimmen wie entwurzelte Samen im Meer, nur noch an Wurzelfäden hängend wie lose Zähne im Mund. Die heimatlos gewordenen suchen in langen Wanderkolonnen urbare Erde, sie trauen dem Meer nicht mehr, sie verurteilen die Gezeiten in das Exil ihrer sandigen durchlässigen Herzen.

Der Film endet mit lumpigen Gestalten, ausgemergelten Fischern und kleinen Mädchen in Fetzenkleidern. Sie hängen an Tantenhänden und reißen ihre Münder auf weil Mama und Papa aus ihnen herausgeflossen sind mit der Monsterwelle, die traurigen Tanten nicht erklären können, so wenig wie die Berichterstattung, während die nüchtern getrimmte Kommentatorenstimme des Reporters in schlechtem Englisch mit der Palme im Hintergrund um die Wette schwankt.

So abrupt wie es begann, wie die Bilder des Amateur-Handyvideos eines Rückwärtsrennenden das Geschehen in wackelnden Einstellungen formulieren, endet der Filmspuk mit einer Liste der Opfer. Der Bildschirm wird dunkel und ich lehne in der Nacht, fliegen ihre Treibgüter um mich herum und ich ahne im Getriebe der Fäden die minimalen Bewegungen an denen mein kleinstes Ganzes hängt wie eine Stabheuschrecke an einem Efeublatt mit beweglich zitternden Gelenken. Die Nacht ist ein Blatt im Wind wie ich, sie rauscht und ausnahmsweise steht der Wind richtig, aus milden südlicheren Gefilden.

Während meine Bilderfluten sich stetig und langsam unaufhörlich zurückziehen,
erinnere ich mich daran was Ur ist und dass es dynamisch ist und stehe im surrealen Traum am abstrakt weißen Strand. Ich fühle die gewaltige Welle langsam und brausend vor mir aufbäumen und sage: Komm nur du Schaumschläger, ich habe noch genug Zeit um so weit zu gehen, dass deine Ausläufer mir nur noch die Füße bekitzeln. Du magst mein Land versetzen wollen, ich hingegen traue mich sogar meine größten schwersten Berge zusammenzuklauben wie Murmeln um meinen Arm. So protzte ich, wusste ich ja meine Allerliebsten im Schutz meiner Sicherheit bestens geborgen.

Dann zappelten meine Füße vom vielen Surfen, ich zerwühlte die Sterne, wusste, ich hatte es wieder einmal in allerletzter Sekunde noch geschafft vorm Wellensturm vorher zu fliehen. Weil ich es mir so sehr wünschte, dass mir Schwalbenschwänze wuchsen, die, lang genug gewebt, mich endlich trugen.

An diesem Sommermorgen hatte sich durchsichtiger Morgentau gesammelt, er schlief noch fest im Dunkellila einer Blütendolde. Ich weckte den winzigen Spiegeltropfen mit der Fingerspitze und fragte ihn ob er irgendwann schon einmal eine riesige Welle gewesen war, vor unheimlich langer Zeit in einem südlich warmen Meer, an das wir uns noch aus großer Ferne vage zurückerinnern können. Das Wasser antwortete, dass es durch alles hindurchginge und war gelbvanillig süß geworden vom vielen Regenspülen auf meiner Zunge. Ich mahlte mein Salzkorn im Geziffer der Tagpfauenaugen, da zerrieb es sich am Schlaf der Zeit und flog seiner Katastrophe davon. Ich erkannte, dass ich ein dämmerfarbener Schattenstaub an der glatten Wand einer Riesenwelle war.

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(Bild: Sohnemann/Scharbeutz)

ABC-Etüden: De mortuis nihil nisi bene 

Liebe blogfreunde,

Da ich die letzten Etüden krankheitsbedingt schreibunlustig war, habe ich mich hier gleich zwei Wortschenkern zugewandt und aus den Schenkworten einen Text gewoben. Er ist auf das derzeitige wetterbedingte Geschehen und die Not durch Überschwemmung in vielen deutschen Städten und auch vom Tod Helmut Kohls inspiriert. Ich halte es für ganz großen Kokolores, immer nur gut über Tote sprechen zu wollen. in meinen Augen entseelt sie das zu sehr.
Einer, der Fehler macht und auch zugeben kann, steht mir immer näher als ein Maskierter im Mummenschanz seiner Etiketten.
Die letzten Zeilen sind schlesisch und stammen von meiner Großmutter. Trösteworte, die mir immer irgendwie halfen, wenn es mal heftig kam in meinem Leben. vielleicht, weil sie aus einer sehr hungrigen Nachkriegs-Zeit stammen, in der Klöße im Backrohr für ein Kind den Himmel auf Erden bedeuten konnten.
Wie immer bedanke ich mich bei Ludwig Zeidler. Besonders die zartblaue Illustration von Bruni’s Worten, sprach mich sehr an. Hier geht es in Brunis poetische Wortwelten.
Karin’s Film über den erst die Bühne verschönernden und dann richtig groovig abrockenden Paradiesvogel, macht bei meinen Kindern fröhlich die Runde. Der Vogel ist ein cooler Held.
Christiane, die Hüterin der ABC-Etüden und alle anderen Teilnehmenden grüße ich herzlich in den bei uns regnerischen Sonntag.

Liebe Grüße von der Karfunkelfee

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Mal wieder einzigartig:
Ein Sommer wie ein überlaufendes Vogelnest.
Sinnlos, seinen katastrophalen Auftritt leugnen zu wollen. Früher war alles besser.
In den Straßenschluchten schwallt heute unübersehbar das Wasser,
das Fahren mit dem Auto gerät zur Achterbahn auf Aquaplaningstraßen, Keller laufen voll,
die Ratten ersaufen in regenrauschenden Abwasserkanälen.
Leute sprechen Trauerreden ganz anders auf
als sie sich zu sagen trauen.
De mortuis nihil nisi bene.
Sterben tut‘ sich’s von ganz alleene.
Nu weene, Liebes
nu weene mal nicht.
Im Rohr steh’n die Kließla
du siehst se bloß nicht.

ABC-Etüden: Shodo – Übung

Liebe blogfreunde,

Frau Wildgans hat mich heute Morgen wieder mit was angeflämmt und dann schrieb das Ding in mir los und eh ich es mich versah, hatte ich obendrein (daran werkelte mein Hintergrundprogramm munter weiter während ich nach vorn raus so tat als sei ich fleißig und strebsam) Red  Skies over Paradises etüdelige Worte mit verbaut in den Text. Tja. Da hab ich den Salat mit Eurem ganzen Input und das hier veröffentliche ich jetzt mal. Arabella ist auch und überhaupt Schuld, denn sie hat die Welle mit Rio Reiser und Junimond erst richtig ins poetische Wogen gebracht. 
So fließt wieder vieles ineinander. Blumen wie Texte.

Lieben Dank auch den Impulsgebern und Initiatoren der ABC-Etüden Christiane und Ludwig Zeidler, Herrn Textstaub.

Noch eine kleine Anmerkung: Dieser Text ist vom ‚Shodo‘, dem ‚Weg des Schreibens‘, und meiner Bewunderung für japanische Kalligraphiekunst beseelt. 

In diesem Sinn,

Liebe Grüße von der Fee

🌱

Gibt so Tage, die laufen rund und glänzend wie ein blank geputzter Taler auf der Straße. Die langsam nur auf krummen Füßen stolpernden Alltage sind hierfür die Wegbereiter, sie machen die Zeit begehbar und ebnen alte Grabstellen ein. Auf den noch unbekannten Wegen blühen unerwartete Erinnerungen auf; streifen Ehemalige kurz ein Gedenkemein über Sommergräser und an Lattenzäunen wuchern wilde Wicken.
Zwitschert so durch die Finger wie das Echo eines Frühlingsschreis und die Bauruinen mit der verwegenen Idee eines Kellerdurchbruchs stehen in Schutt und Trümmern von jedem Idealismus verlassen da. Die eskapistischen Wirklichkeiten im Rot eines Mohns hingegen brandschatzen bunt die Wiesen. Vom Flusswasser werden Barfüße umschlossen, eine Imagination der Kühle erfasst die heiß gelaufene Haut und es ist ein weiterer Vagabundensommer unter dem Heumond herangewachsen. Das Leben findet Wege aus dem hermetischen Dunkel zwischen Mauerritzen hoch ins Licht, ein nackter weißer Keim, dessen Zähigkeit und Lebenswillen sich zuerst über Steine schlängelnd gleich feingezeichneten Blumenkalligraphien auf brüchigen Reispapieren zeigt. Das eindringliche Gefühl im Taumorgen des Grases trägt noch deinen blinden Nachtgeruch und die Heckenrose beabsichtigt noch eine Weile mitten in den Tag hinein zu blühen bevor sie wieder verduftet, so wie du.

ABC-Etüden: Wer denkt denn dabei schon an Golf?

Liebe blogfreunde,

da hat der Textstaub-Ludwig ja formidable Wörter getextspendiert. Mal lieben Dank. ok, let’s talk about sex, liebe Poeten, Erzähler, Literaten und Bildwerker, liebe blogfreunde, viel Spaß mit meiner kleinen Szene.
Natürlich untermalt von Lana del Rey.
Liebe Christiane, mein Dank für das Initiieren und Organisieren der Etüden. Du machst das toll, Ihr habt Super-Ideen…ich lese stillfröhlich mit bei Euch❣️

Liebe Grüße von Eurer Fee

Golfrasen
Gebrauchsanweisung
Bürosex

Er träumte von Bürosex mit der Putzfrau und er fragte sich ob es eine Gebrauchsanweisung geben könne, mit der er dieses begehrenswerte weibliche Wesen kapern könne, denn er hatte Schlag bei Frauen, doch nur diese eine hier bewerkstelligte es in wenigen Sekunden, dass er sich wieder fühlte wie mit köstlich aufgeregten und aufgeheizten Highspeed-Fünfzehn bei seiner allerersten Verabredung mit einem Mädchen aus seiner Schulklasse.

Dabei war diese Putzfrau untypisch sexy, passte von ihrem Erscheinungsbild so gar nicht in sein sonstiges stark geschminktes, hochgehacktes und vorzugsweise blondes Beuteschema, obendrein hatte sie Füße so lang und groß wie Elbkähne, doch dabei einen irrsinnig sinnlichen und beweglichen Mund wie Lana del Rey, das Gesicht umrahmt von rabenschwingendunklen Wallalocken. Zarteste Härchen sammelten sich in ihrem Nacken zu einem Golfrasen en miniature, er zählte Küsse wie Handycaps quadratzentimeterweise aufs Feld gehaucht. Nun kam sie auf ihn zu mit diesem sich gelassen in den Hüften wiegenden Katzengang, der ihn schier wahnsinnig zu machen drohte und all seine südlichen Energien in die untere Leistenregion zu einem hell brennenden Dornbusch versammelte. Sie hielt einen Wischmop in der Hand und trug Einweggummihandschuhe, sie war eine Latexsirene mit Riesenfüßen und einem Blick wie Glut und Hölle! Ihm wurde sehr seltsam zumute und alle seine Gedanken kreisten nur noch um den Wischmop. Wann würde sie endlich bei ihm wischen kommen? Doch da stand sie schon vor ihm und duftete nach Bewegung in dieser statischen grauen Büroluft, war wie ein flamboyanter Quell verlockender Weiblichkeit oder ein pulsierender Lichtschlag in der tristen Gegenwärtigkeit seines Arbeitsalltags und sie sah ihn an mit einem perfekten Augenaufschlag. Guten Abend wollte er sagen und brachte wie immer kein Wort heraus, weil alle Worte sich in seinem Hals zu Golfbällen verballt hatten und seine Zunge nicht länger eine Zunge war sondern ein Lippenschläger, der seinen Atem vor sich herschlug und sie überall dort hintraf, wo er auf die Schnelle ihres kurzfristigen Verweilens bei ihm nur hinlecken konnte.
Sie schien allerdings von seinem wiederholten Vorfeierabendaufruhr nichts zu ahnen, denn nun schob sie völlig unbeeindruckt von den hochdramatischen Vorgängen und chemischen Prozessen in seinem Tiefinnersten mit einem entschuldigenden Lächeln ihren wohl geformten Hintern vor seine desolate Verfassung und bückte sich geradezu aufreizend langsam anmutig mit gestreckten Beinen aus dem Stand um den Papierkorb unter seinem Schreibtisch zu leeren und er war sich nicht sicher wie er das hier auch nur noch eine einzige Minute lang länger ertragen sollte ohne dass er begann Golfbälle zu spucken und er wünschte sich wie nie zuvor, endlich die richtige Gebrauchsanweisung für diese Frau in die Hände zu bekommen um sie mit den Enterhaken seines Charmes zu kapern und das Geheimnis ihrer obskuren Anziehung auf ihn ein für allemal zu lüften.

Katze

Arabella sagt, die Welt brauche mehr Liebe. Jo, Prima, das unterschreibt die Fee bedenkenlos. Ich hab auch Musik dabei, die folgt gleich, war auch schon im blog, der ‚Winter Song‘. Ich schrub auch was zum Thema (amour oblige) …doch irgendwie wollte zum Winter Song im Dezemprilvember auch ein Wintertext. Eine Lektion in Sachen Vertrauen. Ohne dies keine Liebe.

Liebe Grüße,

Ich schwirr wieder ab in die Klausurklause…

Die Karfunkelfee

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Ich fresse niemandem aus der Hand. Wer bist du, dass du meinst mich füttern zu wollen und warum? Was weiß ich von dir? 
Entweder ich komme von selbst zu dir weil ich es will oder nicht. Ich bin ein freies und gesundes Wesen. Wer mir Fressen anbietet weil er glaubt mir helfen zu müssen, will mich unbewusst anpassen.
Welches Recht hast du zu meinen, ich solle mich dir anpassen? Geh weg von deinem Willen mich zähmen zu wollen. 
Ich mag dich, doch ich bin misstrauisch. Ein wildes Tier, nicht viel Gutes gewöhnt von welchen, die so aussehen und riechen wie du es gerade tust.
Genau. Vergiss einfach, dass ich da bin. Stell dein Fressangebot dort hin, meine Tierseele dankt es dir, denn sie ist hungrig, doch das bedeutet noch lange nicht, dass du mich anfassen darfst.
Was hast du erwartet? Warum siehst du enttäuscht aus? Weil du dachtest, du könnest mich kaufen mit deinem Fressen, deinen lockenden Blicken?

Oder nahmst du an, ich würde dir nach dem Fressen um die Beine gehen? Als Dank?
Wenn du dir wünscht, dass ich dir vertraue, denk nur an mich und daran, was mir gerade fehlt.

Dann gehe ruhig rückwärts, so dass ich es sehen kann. 

Geh in dein Haus und schließe die Tür zwischen dir und mir.
Wenn du willst, dass ich dir zeige wer du bist und dich in mir erkennen willst, dann lösch dein eitles Spiegelbild in meinen Augen mit der warmen verdünnten Milch, die du mir in einer Winternacht vor die Haustür stellst.
Am nächsten Morgen nach tausend Tagen die du mich vergessen hast, fändest du vielleicht eines Morgens meine Spuren im Schnee.
Sie enden draußen vor deiner Tür.