Waldhallen

Bei 1 Grad plus auf dem Mountie wird es frisch. Eine Stunde Tour de Natur. Erste halbe Stunde bergan schwitzen. Zweite halbe Stunde bergrunter frieren. Trotz fünf (!) Pellen übereinander. Doch es hat sich gelohnt. 

Eine Stunde lang bis auf einen Wanderer keine Menschenseele. Der Wald ist ganz still heute. Der Habicht unterwegs. Seltsame Zeichen im Wald. Ein siebenzackiger Stern. Seltsame Symbole oben auf dem Kamm in den Sand des Weges geritzt. Die Bäume leuchten, meine Reifen rascheln leise über den dicken Laubteppich. Stiller November, Wind kontemplativ zurückhaltend. Bestenfalls Gesäusel. Beginnt bergab in den Ohren zu pfeifen und zu johlen.

Ich könnte immer weiterfahren. Mein Mountie-Geist ist ein solider Gefährte, verlässlich sogar an rutschigen Steigungen. Ich vertraue ihm gern. Bergrunter will er immer schneller als ich. Sonst ist er aber (fast) folgsam. 

Es hat oben auf dem Kamm zwei Bäume umgerissen, weiter unten im Wald lag noch einer quer. Entwurzelte Bäume würde ich gern wieder einbuddeln können…

Aus den Geist(er)geschichten: Inside-Outside

 

Was, wenn dir ganze Jahreszeiten fehlen? Der ganze Winter und der ganze Sommer vorbeizieht wie an einem Panoramafenster mit schöner Aussicht. Was, wenn der Wald nach Winter, nach Sommer duftet und Du ihn atmest und doch nicht atmest, weil Du ihn nur ihn nur noch erahnst, doch nicht mehr richtig fühlst. Ein Winterbaum klingt anders als ein Sommerbaum, seine Energien sind anders verteilt. Im Sommer singen die Bäume und im Herbst werden sie elegisch. Kaum etwas ist dem Schlaf vergleichbar, in den sie im Winter fallen wie ein Apnoetaucher, der alle seine Körperfunktionen herunterfährt, einstellt, bis auf das Gehirn, das noch von Sauerstoff durchblutet wird. Im Winter schweigen die Bäume bis auf wenige und diese singen verhalten wie Amseln im toten Laub.

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Es ist ein durchlaufendes Gefühl, in Zwischenzeiten zu paradieren, noch einen Hauch Sommer zu erhaschen am warmen Berg. Dort begegnen dir noch blühende Gräser, doch dort riechst du auch den Abschied und der Wald pointiert ihn in verdorrten Akzenten in Farnen, auf Blattgoldwegen. Das Sauerland schimmert so nah, als könnest du eben mal so rüberfliegen. Der vom Frühjahrssturm gerissene Baum auf dem Kammweg wurde zwischenzeitlich weggeräumt, nur noch ein paar Stammstücke erinnern daran. Du müllerst mit den Reifen durch den dicken warmen weißen Sand der Senne, es geht ganz leicht. Du fährst langsam, mit viel Ruhe im Lauf und oben an der schönen Aussicht setzt du dich auf den alten Baumstumpf im Schneidersitz. Das Mountie liegt neben dir im Gras und die Grillen zirpen so laut, dass dir die Ohren dröhnen. Ein leichter Schweißfilm überzieht deine Haut. Du hast die Frage gelesen, wie Stille klingt. Heute ist Stille der rauschende Wind in den Bäumen, Grillenzirpen und das Summen der Insekten über der Wiese, in der warmen Luft die Augen friedlich zu schließen in Sommerduft mit erstem Herbstbitterlich.

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Was, wenn du dir die fehlenden Jahreszeiten in den verklingenden Akkorden zu einem vollen Ton zusammenkomponieren musst? Was, wenn die neuen Farben die alten noch nicht überdecken, doch du die alten Farben noch nicht gefühlt hast? Nun sind wieder die Schatten länger geworden, du fährst tiefsonnengesprenkelte Wege, im Schatten legt sich erste Herbkühle schwarz auf deine Seele. Ein Quantum Untröstlichkeit für das was dieses Jahr nicht stattfinden durfte.

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Dann öffnen sich die Bäume, der Blick wird weit, der Mais steht schon hoch. Du denkst an jemanden und schickst ein Gefühl zu ihm hin, das ganz leise und unbeschreiblich ist. Das Mountie scheint sich seinen Weg allein über den eingeschlagenen schmalen Hasenpfad zu suchen, du vertraust, dass du alle Wurzeln und Steine rechtzeitig siehst, die plötzlich aus dem Erdreich ragen. Kreuzenden Wanderer, Eichhörnchen, Vögeln, Rehen und Wildschweinen räumst du Vorfahrtsoptionen in der Kathedrale des Waldes ein. Ein Fink tippelt zierlich vor dir her, ein Eintel groß im Vergleich zu deinem Riesenrad, diesem Bike-Kamel, das vor seiner Winzigkeit freundlich stoppt wie ein schwarzes Getüm. Der gefiederte Fußgänger zirpt dir seinen Finkendank und wählt die Luftlinie drei Bäume höher. Gemächlich. Er lässt dich mit den Augen genau verfolgen, wo er hinzirpzwitschert, man könnte seinen Flug beinah lasziv nennen.

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Im Wald dröhnen Hunde. Du denkst darüber nach wo urplötzlich die Stille abgeblieben ist. Diesem lauten Dauer-Gekläffe von Hund und seinen ihn herumkommandieren Menschchen ist nur die totale und sofortige Flucht waldvoraus entgegenzusetzen. Neben dir plätschert der Bach. Du wünscht dir die Hunde weg, die Menschen weg oder beides verflixtnochmal leise. Endlich verklingen die kreischenden Stillestörenfriede zwischen Bäumen. Schnell schickst du Rübezahl ein Dankeschön, setzt dich an den Bach, tauchst deine kochenden Füße ein in das vom Regen noch kalte Wasser. Dass es nicht zischt, ist alles. Dein Bike lehnt am Baum. Grün-gelbe Schönheit. Grün ist die gute Energie, gelb ist die Angstenergie. Deine Farben, denkst du. Grün gewinnt sowieso.

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Du hast etwas mehr Luft auf die Reifen gepumpt als sonst. So ist das Mountie leichter zu fahren, doch rutscht auch schneller weg. Darum schiebst du wenn es steil bergab geht. Hast immerhin schon drei Berge geschafft, einen geschoben, weil die Luft zu knapp wurde. Schön langsam anfahren, Hauptsache irgendwie hochkommen. Die Kondition kommt durch die Wiederholung von selbst zurück. Der Bach murmelt um deine Füße. Dein Schweißfilm trocknet salzig. Über dir ein großer Schatten, der Falke ist unterwegs. Er hat dich gesehen und ruft. Du antwortest ihm stumm, dass Mäuse delikater sind als zähe Mountainbikerinnen und auch viel besser zu transportieren. Lachend fliegt er davon. Das alte Bruch-Bein ist artig, es strampelt gut mit. Doch du spürst wie es darin arbeitet, wie der Knochen heilt, wie der Bauschutt von der Knochenreparatur im Körper abtransportiert werden muss. Das Atmen schmerzt noch, doch moderate Bewegung sei gut und förderlich für die Beweglichkeit der Lunge, hast du gelesen. Du machst Atemübungen und hoffst, dass die Gesundheit wiederkommt. Langsam, Schritt für Schritt. Du ziehst die Füße aus dem Bach und lässt sie vom Wind ganz trocknen. Sie sind kalt und erfrischt. Nun kann es weitergehen. Deine Seele ist beweglicher als dein gereiztes starres Rippenfell und fährt voraus. Bis zum Segelflugplatz. Du hast das Mountie an den Zaun gelehnt und schaust einem Modell-Kunstflieger zu bis dir schwindelig wird. Der frische Pfefferminztee mit Honig mundet himmlisch. Im Westen das erste Abendrotglühen, rot blutend locken Föhrensilhouetten dich heimwärts. Ein LKW hupt dich an, du fährst gerade ein Stück Fahrradweg. Du willst dem pösen Purschen ein zackiges Pajero! hinterherschmettern, doch du bekommst nicht genug Luft. Gut so,  denn dann zieht er an dir vorbei  mit seinem dicken Auto und du siehst, wie er dir zuwinkt und breit strahlend einen Daumen hochreckt. Danke, du hast mir altem Mädchen gerade den Tag versüßt, mein Junge!

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Dann tauchst du ein in die Abendbäume, sie haben bereits begonnen, ihr Lullaby zu singen. Sie falten sich nachts zusammen, sie werden kleiner und schmaler. Langsam holperst du über den Kalkkieselweg bis zum Eisgrund. Die Wiesen haben sich lässig neben dir ausgestreckt, wirken satt, müde und tauschwer. Ihr Grün so tief, so tief. Die Abendstille beginnt schwarz die Erde auszuloten, senkt sich in dich, ein unendlich ferner Sternenklang. Blühen schon erste Glimmdinger am Nachthimmel. Du schaltest deine Lichter ein und fährst weiter. Das ist September: die Melancholie der früher einsetzenden Dunkelheit, die sentimentale Abendkühle in der Erinnerung des warmen Tages. Noch vor der Tiefenschärfe klaren Oktobers lebt sich die ganze träumerische Sanftmut des Sommers noch einmal genießerisch aus. Alle Häuser sind bereits gebaut und fertig, grüßt du Meister Rilke auf dem Heimweg. Sag, Herr Rilke, war dein Sommer groß? Meiner war zu klein um mein Haus fertig zu bauen, was mache ich jetzt bloß? Werde ich einsam sein? Lange Briefe schreiben? Los, Meister Rilke, sing noch einmal dein Herbstlied klug, der Sommer war trotzdem groß, kein Betrug, doch er hätte können noch größer sein, nicht wahr? Die Klage bittet im Gedenken regentränenzerronnener Tage lieber noch schnell um ein paar südlichere Tage. Du kommst am Waldrand an, denkst statt Reife an Übergäriges, weiß der Himmel wieso, bist auch ohne froh. Du denkst weiter über den Klang von Stille nach, im dissonant lärmenden Treppenhaus mit den in lauten Kraftworten und Fäkalausdrücken streitenden Leuten, mit dem Babygebrüll. Noch eine Weile schwingt die Harmonie vergangener Stille in dir wie ein Klang, der sich mehr und mehr von dir entfernt, schließlich dem Überdruss im Lärm nachbarschaftlicher Umgebung weichen muss.

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Bis zur nächsten Tour…

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Rein theoretisch

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Jetzt nehme ich dich an der Hand und ziehe dich mit auf den Weg. Die verspäteten Schlehen. Noch schaffe ich es nicht, mit dir in dieses bittersüße schlichtweiß besternte Vergnügen hoch zu gehen. Es säumt den Berghang und du kannst, wenn wir dort oben stehen, grenzlos überland sehen. Heute genügt uns ein anderer Berg. Nicht so hoch, doch jeder einzelne Schritt steilan, ist ein Schritt in die Erkenntnisse künftiger Zeit. Die Buchen sind noch nicht so weit, alles noch kahl auf den hellen Lichtungen. Der Specht hat sich entschieden, klopft an den Baum, träumt einen blau gefiederten Traum vom nährenden Vertrauen. Es ist ein kleiner Wurm, versteckt hinter Rinde. Es ist weiß, ungeschützt und blind. Ein Kriechtier, das sich entdeckt fühlt und schnell versteckt. Riechst du den Wald? Die Farne entfalten sich bald, noch sind ihre Schösslinge eingerollt, verzagt im Kern. So gern zart, verhalten und still ist dieser Duft, dass er sich von der Nase kaum erahnen lassen will in Spuren. Reich die Luft vom Holz, in der Herznote leben grünende Fluren deutlich auf. In der tieferen Basis schwingt Moos und Erde. Siehst du das Blau zwischen den Bäumen? Fahl vom Erwachen wie es die hohen Kronen mit Wolkenschaum säumt? Das transparente Licht zwischen Stämmen ist eine überirdische Schau. Wie vermisste ich diese Wege, dieses Atmen und die Stille. Dass du jetzt neben mir her läufst, bloßer Wunsch und Wille, weiß ich genau, na und? Kein Grund, hier nicht mit dir zu träumen. Hier darf es sein, in diesem Frühling, im ersten Widerschein  langatmigen Lichtes.

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Reich mir die Hand, her mit der Kraft, denke ich und schenke all mein Wollen dem rollenden Stein vor unseren Füßen. Bald schon kann ich ihn wieder mit dem Fuß vor mir herkicken. Dem Kuckuck einen weiß kalkig klickernden Gruß schicken, in steter Bewegung neben dir her oder um dich herum fließen. Mit den Vögeln im Wettstreit pfeifen, ohne ein einziges Wort von dem was sie singen, zu begreifen. Der Fink schlägt. Genug der lenzbeflissen geschliffenen Worte, bevor sie allzusehr ins Kraut schießen. Bewegt beobachte ich wie sich alles aus einem langen Schlaf heraus regt, erhebt und wächst. Der Waldboden unter unter unseren Füßen so nachgiebig, federnd, schwarz und weich. Wir haben Glück, heute hier zu sein, Frühling macht reich, indem er sich an unsere vom Winter verletzten Eispersönlichkeiten heranschleicht, verführerisch  in seinem warm erblühenden Versprechen, im Aufbrechen der Knospen an kahlen Zweigen. Er bettelt uns jung, er bedeutet uns in keimenden Fußnoten in Leichtigkeit zu schweigen, uns ihr hinzugeben. Das den Boden  bedeckende alte Vorjahreslaub will uns sagen, dass wir nur einmal leben, wenn auch viele Jahre jedes Mal erneut, erinnert es uns raschelnd daran, dem Frühling vor allen anderen Jahreszeiten mit kindlichem Herzen zu begegnen und ihn zu bewahren. Was der Herbst uns gestern nahm, gibt der Frühling heute zurück. Du teilst dies rein theoretisch mit mir. Ich weiß, ich habe Glück.

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windimhaar (masaau)



(Wassily Kandinsky, Lyrisches, Holzschnitt, 1911)

Bildquelle: http://commons.m.wikimedia.org/wiki/File:Kandinsky,_Lyrisches.jpg

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barfuß
auf pony
abhängen
leibanmähne
körperwarm
blutheiß
schnelles herz
windimhaar 

Artverwandt (aus den Geist(er)geschichten)

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Erst Winter
erst Weihnachtszeit
Frühling weit
sommersofern
noch nicht
erst den vierten Ritzel richten
lose Schräubchen sichten
Kette säubern
dass die einzelnen Glieder wie geschmiert und leicht wieder fassen
matt schimmernd
Rahmen gewienert
vierter Gang hakt noch
müssen es richten lassen
von wem der mehr davon versteht
als ich.
Mechanische Liebesdienste für den Geist -inniglich.

Wie soll ich den Winter
überstehen?
Dich jeden Tag ansehen
ohne auszufahren?
Geist, ich sehne mich nach dir.
Nach dem leichten schnellen Geisterflüstern deiner schmalen Slicks, wenn Wind mir heiser in den Nacken haucht auf singenden Straßen.
Wenn ich mich umsehe, Landschaft schnell vorüberzieht und alles Seelenleid dem Herz entflieht,
zeitfern, scheinbar grenzenlos im Maß der Kraft in die Weite
die vor mir liegt.
Gefühl wie eins zu sein
mit allem umgebenden Leben.

Warten auf den Frühling,
Rahmen an Rücken,
werden wir
den Winter
bei passender Gelegenheit
zusammen einfach wegdrücken
dafür halten wir uns mit sportlichem Ehrgeiz bereit.

Kommt diese Zeit,
brauchen wir Geduld,
es stehen zwischen den Jahren alle Uhren still,
es herrscht der gegenwärtige,
unerbittliche zweite Weihnachtsgeist,
der nichts mit dir gemeinsam hat
außer der Anrede
doch nicht ist unbedingt ähnlich
im Geist auf den ersten Blick oder weil es genauso heißt.
Unterschiedlichste Geister beflügeln das Land, welch‘ ein Glück,
dass ich unter so vielen,
ausgerechnet dich
mir artverwandt fand.
Das Geschenk des reichen Herzens.

Sturm

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Singt Sturm
in den Ohren
johlt, klingt spöttisch
hebt die leichten Blätter
hoch in die Luft
lässt sie wieder fallen
dass sie sich auch noch
die allerletzten Rippen
dabei brechen
Zerfall in allem.

Sturm schiebt
zieht an dem
was er finden kann
stößt Bewegliches herum
manchmal auch um
ungestüm, gedankenlos.
Himmlisches oder höllisches Kind?
Großer Wind.

Pfeift morphogene Echos
zwischen weiße Wände
macht ein grausames Lied draus
schert sich den Teufel
um alles und nichts
nimmt noch zu an Stärke
als ginge er
um sich Gewalt zu verschaffen
mit allen ihm
zur Verfügung stehenden
Mitteln zu Werke
in planvollem Chaos.

Draußen
der schwere Himmel
wie das Ende der Welt
in dem das eine oder andere Zerbrochene keinen Cent mehr zählt oder wichtig wäre.
Scheinbare Leichtigkeit
in den schweren heranbrandenden Böen mühelos aushebelnd
wegreißend
was irdischen Gesetzen unterliegt
im Auge des Sturmes fliegt
gegen die Schwerkraft
wider die Natur.

Gegen den Wind gelehnt stehengeblieben
bis er wieder
die Richtung
unvermittelt ändert
zu einer Phrase
der Unbeständigkeit wird
in hoch motivierter Wankelmütigkeit.

Kein Vogel
der noch freiwillig
in das Schlachtfeld
der miteinander ringenden Luftströme
in die chaotische Thermik aufsteigen will,
sie warten federanfedernah
in den schwankenden Bäumen still.

Allgegenwärtig
die Stimme des Sturms
selbst wenn er schweigt
in der Luft
in den Bäumen
tiefes Tosen
am Boden das Beet
mit den letzten
noch zartrosa blühenden,
doch nun
geknickten trotzigen Rosen.

Den Stoppelfeldern geschieht nichts mehr.
Sie waren schon tot.
Hinter Kahlbäumen
eine Art Abendrot.

Sieben Kilometer Frieden – Gedanken und Bilder zum zweiten Advent

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Winterweiden
im Schatten liegend.
Düster und schwer.
Der tiefstehenden Sonne.
kraftlose Strahlen
hinter dem Wald.
Undurchdringlich.

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Modern Art zwischen
Bauernkaten – apart?
Gegensätzliche Architektur
hinter Feld, Wald, Wiese, Flur
Vorortsiedlung
Gedanken an Straßenlärm
Zurückweichend
Ferner…

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Wald kommt zögerlich
in kleinen Föhrenrudeln näher.
Bewegen sich, sobald man wegschaut, in winzigen Zentimeterwiegeschritten
gerade so viel, dass ich
soeben dem toten Winkel noch trauen mag.
Vertrauen in das beinahe Erfasste.
Ein Tangogefühl.

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Haus hat sich versteckt, raucht vor sich hin, verborgen zwischen Tannenbäumen, scheint von morgen zu träumen.
Zurückgezogen und klein.
Nur da sein.

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Landstilleben
Häuser wärmen
sich an einer Laubfackel.
Gruppenkuscheln.

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Wilde Birken
kreuzquer vor der Linse.
Ein Hochstand
aus Birkenholz
im Binsenmeer.

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Pferdeweiden, auenlandig.
Baum im Gegenlicht.
Noch grün das Gras.
Baumgerippe spielt nur tot,
theatralischer Wintereffekt
Greift.

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Tiefer Tann
schaurig-schön
Zersplittertes Kirchenfensterlicht
Filigran.

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Moosteppiche in Smaragdgrün.
Weicher nachgiebiger
Samtboden,
am Tannenstamm
der scheue Specht.
Fluchtimpulse.

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Blattgoldalleen
sonnendurchbrochen
lose Blätter
Spielen im Wind
ringelrangeldrehn,
Kronen sich Zweige reichen,
wie Spalier stehen.

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Grenzen
dunkel an hell
Tannenzapfen mit Laub vermischt
Trennlinie verwischt
Natürlich.

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Abseits des Weges
abzweigende Eigenarten
Vertrauen auf waldgeschulten Orientierungssinn.
Aufmerksam.

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Föhrengrazien
kleine Gruppe
hohe schlanke Stämme
windgegerbtes Holz
Wirken stolz
Sind für sich.

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Verwunschenes Licht
braungrüngolden
weich
Auge trinkt
sich warm
Bild ins Herz
Bleibt
Auslöser

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Im Baumlabyrinth
nur träumend sich findet
was nicht sucht
Licht,
wie es sich an Stämmen
hochwindet
sonnenmild

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Querstreber-Geometrie
in Zweiglingen
rahmen den Blick
gegen das Licht
in die Unruhe
der Baumschatten.

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Markengrund,
kalkweißer Hügelweg
Weite freit das Herz gesund
im Blick bergauf
schneller laufen

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am Wegesrand
in altem Laub
der Wintertrotz
der Gänseblümchen
schlicht

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Gewaltiger Himmel
Stromlinienwolken
Sonne fast gelöscht
noch einmal
letzte leichte
Strahlen im Gesicht
der Abenddämmerung
entgegengehend
dem Straßenlärm
entgegensehend.
Kopf frei.
Neuer Atem.