samtschatten

finde keines
deiner bleichen haare mehr

zu lang her
berührte sie
meine hand
dicht an dicht

nächtlicher kavalier
höflich um erlaubnis fragend
hochbeinig um meine bettkante

dann du
so bonvivant
und dein schnurrzittern erst!

zutiefst

zufrieden

sich in mein blindestes gewebe schlich
darin noch auffindbar
deine feinen haare

nun nicht mehr.

Winterlicht

Nackt drängt sich nichts mehr hin verlieren zu wollen, Sinn zu opfern und zu schlachten, fürchten Bilder, schrecken plumpe Machten. Wie soll dieser Kampf enden? Geteert, gefedert hängt Schuld aus, wohlfeil der Moral dünkler Geringschätzung, eine jede noch um eine Herbsterfahrung töter. Seichte Welt hetzt umnachtet heuristisch viel versprechenden Lichtern hinterher.
Es späht, es naht.
Alles Annahme.
Geduld ist ein tiefes blaues Meer.

Im Prunk der Gutgläubigkeit stehen noch immer längst überholte Klischees, bejammern das hohe Niveau ihrer Verluste. Drachenblut macht verletzlich, das Kreuz ist immer ein Vernichtungsmal gewesen. Der Welt geschieht ein weiteres Blau. Trostlos bahren sich die Trümmer vormals Reicherer, jetzt Ärmerer auf. Schnell ein Halleluja getwittert, Anwesenheit dringend erwünscht.
Bis zur nächsten Nabelschau.

Liest sich wie Kaffeesatz Korn an Korn, folgt unbewusst zufälligen Prinzipien vorgeblicher Strukturen. Keine Wäsche spannt zwischen Jahren.
Schmaler Rauch in der Erinnerung Fluren, die vergangenen Bacchanale. Sie blößen Antarktikas wilde Nomaden gleißend unter einer stürmischen Sonne. Sich Fremde lagern nah beieinander. Ihre Haut leuchtend im Vollzug warmer Verblendung, die Gesichter voller Sterne. Salben sich in den Totmeeren der Lösungszwänge mit Bittersalzen zu Schaumgeborenen.

Blasses Winterlicht treibt Hamamelisblüten aus Gräbern wie delphischen Frieden. Doch, es liegen Blumen auf ihnen, die Lebenden bringen sie, sie wurden auf frischer Tat ertappt! Nur wahrhaft einsame Geister sind Zeugen. Dieweil die Lust zu leben dem Tod das Sterben immer noch nicht vergab, begleiten pythische Lieder den Wunsch nach Dialog. Sie streiten gerade wett im Hohlklang der Verluste.
Sie klingen noch nicht analog.

In den Feuerzwang tanzender Schatten legt sich müde verbrauchter Atem nieder. Der Opferkrug zerbrach zuletzt im stundenweisen Tausch von Nächten gegen abgeliebte Tage, die Augen stumpf vom Dauer-Takt, dem vielen Leben. Lippen schweigen Meere an, die Schultern hängen von der langen Last der Reise. Im Vertrauen liegt das Verneinen von Antipoden mit Zähnen und Klauen.
Im genaueren Hinschauen.

Das Winterbild noch namenlose Vision. Aus loht der Blick des Wanderers im Ozean vergeblichen Wollens.
Das kleine Wegeglück ist allerdings erwartungsfrei.
Es darf lieben bleiben weil es so schlecht lügen kann wie ein Wald zum Wachsen Bäume braucht.
Das Geheimnis eines Erkennens liegt im Vertrauen darauf, den anderen nicht alltäglich neu erraten zu müssen um sich finden zu können und in der Gewissheit, dass Vertrauen Sympathie in seinen Taten adelt.
Es braucht kein Beschreiben.
Es reicht, das Gegengewicht eines fremden Traums ohne Zeitmaß aufsprechen zu wollen und sich immer wieder neu darin zu bescheiden.
Dem Verlassen folgt Bleiben.

——

Die seligen Erinnerungen

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Herzausreißer sind sie, die mystifizierten seligen Erinnerungen.
Sie tragen strahlende Nimben um ihre Häupter, sind eitel und selbstgefällig und ihre Umarmung ist so leer und kalt wie ein verlassenes Zimmer.

Wenn sie küssen, saugen sie der Seele die Träume aus, bis das Herz in Tränen trieft, dann nehmen sie den zuckenden roten Klumpen Fleisch einfach an sich, als gehöre er ihnen, als hätten sie irgendein Recht darauf, als hätten sie irgend ein Recht auf irgendetwas.

Sie tragen immer helle Kleidung, die schlimmsten lauern in Gerüchen, in vertrauten Aromen, sogar fragmentarisch in Einzelbestandteilen gleich wiedererkannt, wahrgenommen, vor ihnen davongerannt.

Andere suchen in scheinbar vertrauten Silhouetten und Gesichtern nach Ähnlichkeit und jammern laut, untröstlich, wenn sie hinter vertraut scheinenden Maskierungen doch immer nur wieder gleichgültige nur sich selbst zugewandte Gesichter sehen, die Augen abgewandt, die Köpfe weggedreht.
Geliebte Gesichter, gleich wiedererkannt in verzerrten Wolkenspiegeln die auf dreckigen Pfützen schwimmen.

Erinnerungen wie Lichtspielmomente, großes Herz-Kino, ein Film mit einem erhofften Happy-End und jede Szene brennt wie Feuer. Dann fällt der Vorhang wieder und die Lichter flammen auf, alles drängt zum Ausgang hin, ein jeder orientiert sich wieder an der Realität, sucht dort Glück, Sein und Sinn.

Erinnerungen sind einzelne Gesichter, die aus den anderen herausstechen in langen tiefen Augen-Blicken, sie lächeln freundlich, scheinbar jovial, doch sich von ihrem Charme ein ums andere Mal becircen und bezaubern zu lassen – fatal…

Erinnerungen sammeln salzig sich wie Meerwasser in Tränenkanälen. Sie wollen sich wie Glück anfühlen, die heiße Stirne kühlen, doch ihre Hände sind tot, starr und kalt.
Ihre Absicht ist invasiver Natur, in scheinbar herzwärmendes trunkenes Glücksgefühl verwandelt sich tückisch ihre fließende Gestalt. Sie sind zeitlos, nicht jung nicht alt, Zeithüter im synaptischen Blitzlichtgewitter, beidgeschlechtliche Zwitterwesen und nur, wer es sich zutraut, stark genug ist, ihrer Faszination Verstand und Sachlichkeit entgegenzusetzen, in ihrer Schönheit eine oberflächliche zweidimensionale erkennt, kann aus ihren von Lebenslinien ungezeichneten leeren Momentangesichtern wie in den Segmentringen weißer Larven seine Zukunft lesen.

Lavendel

Liebe Blogleser,

Vor ein paar Tagen fand ich im Blog
‚Benn Wederwill‘ ein wunderschönes Lavendelgedicht. Daraus ist etwas Eigenes entstanden.
Vielen Dank, Marlis, dass ich zu Dir und der Inspirationsquelle hinverlinken darf, ich wünsche allen Bloglesern viel Freude beim Lavendelspaziergang.

http://wederwill.wordpress.com/2014/09/01/lavendel/

Die Karfunkelfee

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Lavendelblau
der Duft
nicht süß
nicht herb
irgendetwas dazwischen
Blattsilberlanzen
unter blauen Rispenspeeren
wer kann sich
dem Lavendelzauber
schon verwehren?
Der eine sieht Bilder
wie Duftkissen
der andere träumt
vom Liegen
in grenzenlosen
Lavendelmeeren
der nächste
denkt an den Duft
einer
Frau
gänzlich durchdrungen
von Lavendelblau…

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