alma’s ros

starkfrequentes gleichstromrauschen
wasser mäßig
rinnt vom dach  dunkel

es donnert          der baum da

weint sich in düstergrau hinab

in strömen

auch das
trübe
fensterlicht  sprich –

tränen sind der reine tau der seele
in der gosse vergangener liebe.

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Caruso

Liebe blogfreunde, heute inspirierte mich Tausend mal wieder. Sie hat ein altes Lied wiederentdeckt, das ich beinah vergessen hatte. Ich blogge es hier heute im Anschluss und verlinke auch noch einmal in Tausends blog.

Das Lied erinnerte mich an meinen Kanarienvogel Caruso, der mit fünfzehn stattlichen Jahren vor drei Jahren an Altersschwäche starb. Erst heute ist mir klar geworden wie sehr ich Käfighaltungen mittlerweile gänzlich ablehnend gegenüberstehe. Caruso war eine besondere Vogelpersönlichkeit. Dies ist ein Text von bereits einigen, die ich meinem gefiederten Freund und langjährigen Lebensbegleiter widme.
Der Bildauszug stammt aus dem Bild ‚Sphinx‘, das mir ein malbegnadeter Künstler schenkte. Der gelbe Vogel stellt Caruso dar.

Gruß von der Karfunkelfee

50 Liebes-Sonette für Frey’ja 

Numero 20

Caruso

Kein Käfig kann deine Wildheit zähmen.Die Zeit der Gefangenschaft ist vorbei.
Du bist frei, mein Freund.

In jeder orangenen Feder schwebt deine Botschaft
blieb lang deiner warmen Heimat entrissen, Exilvogel.
Wie oft hast du in diesem kalten Land gefroren?

Wie verzweifelt hast du nach Antworten in deiner Sprache gepfiffen?
Dein längster Gesang war 34 heiß schwärmende Strophen lang.

Er klang so leicht, so unbefangen
für menschliche Ohren.

Dabei war jeder kanarische Ton
ein Notruf nach Artgenossen.

Sogar in eine Meise warst du mal verschossen.

Länger als du denkst

50 Liebes-Sonette für Frey’ja

Numero 17

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Für K.K.

Das spricht.
Warm ins Gesicht.
schließe die Augen.
Es kitzelt leisesacht hinter Lidern.
Es spricht.
Schon wieder…

Das lebt.
Hoch auf die Heißhaut.
Die Härchen flimmern höher
Es lebt.
Schon wieder…

Es lacht.
Laut für die Sonnenbraut.
Es prickelt
Schon wieder…

länger als du denkst.

Aus den Dialogübungen: Fiese Freyja…

lektionen in seidr

(was außer liebes-sonetten sonst weiter ferner liefen geschah)…

Freyja: Okay, Fee, wir beginnen mit seidr, aufbauend auf den Resultaten und erarbeiten Ergebnissen aus den vergangenen Lehrstunden. Dein letztes Liebes-Sonett schönte meine Eitelkeit bis in sonnigste Gefilde. Hast du deine Vokabeln auswändig gelernt?
Fee ächzt und macht mhm.
Freyja: Gut, fangen wir an: Ich verlange ein Opfer von dir!
Fee: wie bitte was? schon wieder? boah ey….
Freyja: Haare abschneiden. Raspelkurz, neongrün einfärben!
Fee: Nee!!!!!
Freyja: Dann ein Auge ausstechen? In delikater Jelly mit Petersilichensträußchen zum Mittagessen. Bis morgen dann…
Fee: Nee!!!!!!
Freyja: Also gut, weil Du es bist, Fee. Etwas Milderes, weniger Archaischeres für Dich: Kein einziger ernst gemeinter Widerspruch zu irgendwem für die nächsten Monate bis zur Wintersonnenwendfeier!
Fee: NIEMALS!
Freyja: Ist ja schon gut. Dann ein Auftrag: Dem listigen Loki einen Nagelpilz und dem Riesen Thrymr Syphilis anzaubern!
Fee: Träum weiter, sowas mach ich nicht. Loki ist ein blöder Affe und hinterfotzig obendrein, aber Nagelpilz? Der arme Loki….und einem Riesen Syphilis anzuzaubern kann nicht dein Ernst sein! Frag mal Russlands Hexe Baba Jaga. Weißt schon, die mit dem Hühnerbeinhaus. Das ist eine echte richtige Hexe, die kann so etwas viel besser als ich. Ich bin eine Fee! Ich steh mit Lichtkräften im Bunde. Ich kann Loki aber Tugend anzaubern. Soll ich, darf ich? Büddebüdde….ich zaubere ihm ehrenvolle Ehrlichkeit an den Hals, dann kann er endlich nicht mehr herumflunkern und intiridirigieren! Das wäre wirklich mal ein Fluch vom hellsten Schein, der könnte glatt ein Segen sein!
Freyja: Du bist aufständisch und rebellisch und du weigerst dich also rundheraus, mir zu opfern.
Fee: Das ist mir zu absolut, zu wenig korrekt und konkret, zu verdreht und außerdem ist dieser Satz eine generalisierende vorwurfsvolle, völlig realitätsentzogene polemisch platte Plattitüte! Natürlich bringe ich dir Opfer: Blümchen im Topf, einen Eichhörnchenbesuch mit Locknüssen auf dem Altar, meine Zuneigung und meine allerliebsten Lockenwickler, mein Zauberfeenhaar-Öl, meine Schnurrbartschmiere, meinen Schamhaarrasierer alles das schenkte ich dir zum Liebesopfer, alles was du mir nur aus meinem krachenden Kreuz leiern konntest. Du bist kleinkariert und aufoktruhent, wenn es das irgendwie gibt. Vielwillerisch und zum Kotzen dogmatisch! Ich bin eine Freiformfee!
Freyja: Also gut. Mein letztes Angebot! Du lässt dir freiwillig eine Rose auf den Hintern tätowieren und gehst heute Abend im Wald für meine Liebe in den Nebeln nackend tanzen, frieren und jubilieren!
Fee: Du verlangst, dass ich mich selbst verstümmele? Meine Haut stigmatisiere? Mir eine Erkältung einfange, von der ich bis Beltanefrühling noch was habe??? Never! Vergiss es! Geh und nimm bloß diesen seidr-Zauber mit! Ich schreib dir auch lieber keine Liebes-Sonette mehr. Sowas fieses, Freyja…bäh…
Freyja: Warum gibst du mir nicht, was ich verlange?
Fee: Weil es mir selbst und anderen Schaden zufügen würde. Darum.
Freyja: Entschränke mal deine Armblockade, liebstes Feenfleuchviech, ich will dir weniger als du denken magst. Ich bin Freyja, denk immer dran!
Fee: Mir reicht wie ich bin. Solche Opfer sind mir der Liebeslust zu viel. Wenn das Liebe sein soll, tragen Fische nachts Gummistiefel zum Schlafen und schnarchen Luftblasen in ihren Träumen.
Liebe ist Glück und Licht. Nicht Schmerz, nicht Verbiegen, nicht Leiden. Dann ist sie was anderes.
Freyja: Mir scheint, du hast heimlich vorgearbeitet? Sag schon, wo hast du gespickert? Auf dieser komischen Wikinger-Plattform im blauen Nichts?
Fee: Nö. Das ist der pure Selbsterhaltungstrieb. In dem Moment, in dem jemand ein Opfer von mir zu erbringen verlangt oder für sich als sein vermeintlich gutes Recht einfordert, meint der wen anders als mich. Zumindest, wenn wer behauptet, dass er mich liebt…
Opfer sind löcherige frömmlerische Lügenbrote, es sei denn, sie werden freiwillig und aus Liebe für den anderen erbracht. Opfer sind der Neid der Lust.
Freyja: Mehr brauchst du über diese Lektion nicht zu lernen. Sie ist für dich hiermit abgeschlossen.
Fee: Moment! War da noch was Kleingedrucktes, Umentschlüsseltes im praktischen Mittelteil oder waren alle Klarheiten erfolgreich beseitigt?
Freyja: Alles klar wie Kloßbrühe und richtig gemacht, Schülerin des großen mächtigen seidr!
Fee: Bekomme ich eine Hausaufgabe?
Freyja: Ja, ein Sonett über mich selbst wünsche ich mir. Doch es soll kein Opfer sein, sonst misslingt es dir. Nimm dir also Zeit, der Minnensang muss meiner würdig sein, ich habe repräsentative Göttinnenpflichten, weißt du ja…
Fee: Au backe, da wackelt Asgard in den Grundfesten! Kann ich mir Sleipnir ausleihen? Ich muss unbedingt wo wohin damit und möglichst achtbeinig, denn die Zeit eilt. Wer rostet, weilt zu lange….
Freyja: Schon herbeigepfiffen, der treue Zossen. Wo willst du damit hin? Niflheim? Baldur hat Magen-Darm und träumt dauernd kryptisches Zeug, das niemand wirklich versteht! Er braucht dringend Feen-Medizin! Geh und hilf ihm!
Fee: Gut, okay, ich galoppe bei ihm vorbei, wenn Sleipnir nicht wieder mal seiner selbst überdrüssig ist. Er frisst entschieden viel zu viel junges Trend-Gemüse, der olle Asengaul und dann bekommt er wieder kreative Blähungen wegen verirrter synaptischer Strömungen…
Freyja: Wo willst du denn noch hin? Bloß nicht zu Odin! Lass den bloß in Ruhe! Der hängt in den Ästen Yggdrasils an einem Bein und flucht über kaum noch entzifferbaren Runen über seiner hochhypotetischen Herbsthausaufgabe! Und wieso grinst du jetzt so geheimnisvoll? Fee, versuch mir nicht, ihn wieder mit lukullisch lüsternen Urdinkeltörtchen an Qinoa-Basis mit Amaranthflöckchen oder noch viel schlimmer …mit Hilfe der Alben und Sylphen zu verführen und becircen! Er bekommt davon schäbiges Schnarchen und diskutiert dauernd nur noch mit mir über das Jungbleiben und die Geburt der vergangenen Stunden! Zu dem Ringelschwänzchen will ich mich jetzt überhaupt gar nicht näher äußern, wer weiß, was du letztes Mal mit diesem komisch koketten Kleinkonfekt angestellt hast….
Fee: …übrinx hab ich Osteria nach dem Geheimnis deiner unvergänglichen gelben Frühlingsblumen gefragt…
Freyja: Du lenkst ab, Holde!
Fee: willst du das denn nicht wissen…?
Freyja: hör sofort auf zu kichern!
Fee: na dann nicht…
Freyja: Ungnädige!
Fee: Pardon?
Freyja: …du…und…seidr…???? Ha! Nach fest kommt ab!
Fee: fiese Frey’ja! Lach du nur! Was lange währt wird endlich treu…nee…neu…oder: Wer zuletzt kommt, lacht am längsten. Oder so ähnlich…

—-

erntedank

Liebe blogfreunde, 

heute inspirierte mich ein Austausch mit Arabella.

Danke. 

Gruß von der Karfunkelfee

 

50 Liebes-Sonette für Freyja

Numero 6

 

manche dinge verschwinden

in den strudeln der zeit.

besser,

sich nicht zu sehr an sie zu binden.

das leben hält das neue bereit

für eine weile darin freude zu finden.

 

das weitergeben der freude

leuchtet aus der erinnerung

im lichten geleit der vergangenheit

weit in zukunft hinein.

 

wie kann zukunft sein?

 

am morgenhimmel noch von nacht

glüht

übrig gelassen ein nebelstreif dämmer

so fern schon kaum zu fassen

mehr zu ahnen denn zu wissen

eher schon zu losgelassen

mehr zu danken

denn zu missen

 

des altgeliebten

trauter schein

—-

An einem Sommermorgen wie diesem 

Noch Traum noch du darin dein armseliger kleiner Vorstadtkrieg und dann das frühe Ende der vorzeitigen Nacht, die salzverklebten Augen, im Kopf hebt gerade eine Boeing 747 ab, es ist eine Entführung, muss eine sein, ein Terrorakt und der islamische Staat ein untherapierbares Kind mit mindestens ADHS und hyperkinetischem Stressyndrom zusammen, zum Kuckuck, schreit Freud, alles ist therapierbar, verdammt noch mal alles und Osama Bin Laden kam als Kind nicht über den Verlust seines Lieblingskamels hinweg und verfluchte Allah dafür und das ist der wahre Grund für das Zurückbleiben des demografischen Wandels beim islamischen Staat. Alles ist zu verstehen, ist Psychologie und Alma Mater kotzt im Moment bloß noch und niemand will was davon wissen und alle wollen shoppen gehen und auf faltenlosen Events spenden gehen und dabei positiv denken bis es auch den letzten Arzt die abgeschriebene und geklaute Dissertation den schnell im Internet fratzenverhetzten Ruf kostet. Nach den Nachrichten das echte und ehrliche Erwachen dann noch einmal aufs Neue und dann das Setzen und den Kopf von vorn und hinten mit den Händen festhalten, der Schrei von Edvard Munch werden, doch keiner, der fassungslos seine Verzweiflung mit zugehaltenen Ohren herausschreit, sondern einer mit gefletschten Zähnen wie ein wütender Affe. 

*

Der Kupferkessel ist blank poliert, er schimmert und spiegelt rosagolden meine klitzekleine Welt wider. Ein Gefühl des Erkennens, die groteske Wahrheit neuer Toter und das viele Nachdenken der anderen. Eine tote Motte auf dem Küchentisch. Irrsinnigerweise heule ich um ihren Tod, er ist im Moment noch ein Zehnfaches größer als sonst. Ich bedecke den Winzling, leichter Aschehauch mit Beinen mit einer Träne und bestatte ihn dann respektvoll in meiner leeren Kaffeebohnentüte; tu noch eine Rose bei und einen Lavendel. Die tote Motte wiegt ganze Menschen auf, ist mehr als eine Kerze, wird mehr als klein, ist ein Schocksymbol. Dann besinne ich mich und lege sie so respektvoll es mir möglich ist zum Müll. Zünde mit Kleinkindgedanken die Kerze neben Buddha an und frage ihn wohl zum tausendsten Male welche Farbe Allah hat und ob Wahnsinn nach alten vertrockneten Popeln schmeckt. Heute wünsche ich mir ein Miniquantum vom extra heilenden bitteren Handal konzentrierter Wüstenweisheit auf meine offene Wunde, damit sie sich schnell schließe. Dann mahle ich die frischen Bohnen, die ich in einer 100 Jahre alten knallrot lackierten Kaffeemühle zermüllere und in einer italienischen Kaffeekanne auf dem Herd dampfbrühe und schwarzcremadolce auf dem Balkon im Schaukelstuhl genieße. Trendy fühlt sich heute zeitlos. Lieblingsweise ist es dabei Sommer, der Lavendel umhaucht die Peripherie der Blumenoase, die Vögel piepen, erste Sonne flasht mich mit Morgenrot bis ich brenne vor Seligkeit. Nur ein Augenblick davon weidet mich bis ich wieder jung und grün genug geworden bin, um diesem Weltwahnsinn standzustehen einer verlorenen Ordnung denkend und dennoch dankbar für eine Ordnung in ihrem kleinsten Maßstab und Motiv. Eine Gesinnung in vielen zu sein, sich in den anderen mit Vertrauen bergen im Mut einander gut tun zu wollen. Nein. Sie stehen leider nicht wieder auf. Es ist kein böser Film, es ist kein Videospiel, es ist kein Alptraum. Es ist das Gespenst des Friedens, der leibhaftige Spuk einer entarteten und pervertierten Realität, die von Geld regiert wird. Doch ringsum stehen andere mit offenen Augen, sie sehen und hören gut, sie sind wachsam, es sind die Gefährten, die Verbündeten. 

Es ist Sommer und für einige Menschen wird es der traurigste Sommer ihres Lebens werden. Mein Herz ist groß und weit genug, damit alle darin Platz finden. Ich mache Ausdauer- und Kraftsport, damit sich mein Herz weitet und wächst, damit ich stark genug werden kann, um jeden, der es sich wünscht unter die Fittiche zu packen und mitzunehmen und sei es in den Morgenmoment meines ambivalenten Sommermorgens, in eine friedlichere Stimmung als diese, die aus politischen Köpfen Rauch- und Stinkbomben macht. Es ist gleichermaßen schön wie grausam um meine Unwissenheit zu wissen. Darin ruht jede Menge noch unbewusstes Kraftpotential. Es findet sich Wasserperle zu Wasserperle zum perpetuummobilen Weltspiegel in einem limnischen System an einem Sommermorgen wie diesem.

Politisch unkorrekt

Ich weiß, dass fast dreißig Prozent in UK dieser Entscheidung ihre Stimme enthielten und dass überwiegend Briten ab 64 aufwärts für den Brexit stimmten. Fühl mich traurig, weil so eine Entscheidung gerade jetzt in den schweren Zeiten so bitter trifft, sie sich erst einmal imho wie eine Absage an eine Länderfreundschaft anfühlt und England ist auch Europa und Europa empfinde ich als ein Ganzes – schon immer und lange, schon als die EU noch als Quark im Schaufenster stand. 
Obwohl ich noch nie in England, Schottland oder Irland war, fühlen sich Sprache und Leute vertraut an. Ich arbeitete im Export. Da lernte ich unterschiedlichste Kulturen kennen und auch wie ähnlich manche sich sind und auch wie fremd andere sich sein können.

Jetzt gerade habe ich erst einmal Angst. Ich möchte am liebsten rüber über den Teich und mich da drüben mal eben vergewissern, ob wir noch Freunde sind, England und ich. Hey- I Love your Orange Marmelade, Serien wie das Haus am Eaton Place und  Monthy Pythons flying circus prägten mich nachhaltig! Wir Deutschen sind verunsichert. Dieser Austritt fühlt sich an wie ein Wegtritt. Eine Katastrophe. Eure jungen Leute hingegen bewiesen Vertrauen in diese zugegeben eierige und schwierige EU-Angelegenheit. In sie setze ich Hoffnung, ihnen gehört meine Stimme. Wie könnte ich mich gegen junge Zuversicht stellen, nur weil meine so genannte Lebenserfahrung mich ein ums andere Mal lehrte, dass Vertrauen ein Fehler ist? Es gab die Ausnahmen in denen es sich auszahlte, einander zu vertrauen und aufeinander zu bauen, zueinander zu stehen. Nicht immer ist der Alleingang der richtige Weg und wenn die schönste Unabhängigkeit ein auf tönernes Misstrauen gebautes Haus ist, bleibt sie einsam und schwach. Bei aller Freiheit des Respektes und mit Verlaub, liebe britische Freunde und Nachbarn, bitte bedenkt das. Ihr habt den Frieden in diesen Zeiten etwas ungewisser, unsicherer und unverlässlicher gemacht. Ihr werdet uns in der EU an der Seite sehr fehlen.

Ich wünschte wirklich, es gäbe irgend eine Möglichkeit, diese Entscheidung noch einmal rückgängig zu machen. Es ist mehr als eine politische Entscheidung. Die Fassungslosigkeit und Traurigkeit der Leute auf der Straße zeigen mir das. Wenn fremde Menschen mich ansprechen, so wie gestern dieser Mann auf dem Supermarktparkplatz, ein schon sehr alter Mann, der mich anschaute und fragte, wie lange der Frieden jetzt denn wohl noch stand hielte? Ihm sprang der zweite Weltkrieg förmlich aus den Augen und im Autoradio liefen gerade die Nachrichten. Als das Brexit-Thema zur Sprache kam, bemerkte ich das Weiten der Pupillen im Auge dieses Fremden und seine Angst übertrug sich politisch völlig unkorrekt auf mich. Ich suchte nach einer Antwort und drosch eine Phrase, etwas Besseres fand ich nicht: Der Frieden hält so lange stand wie es ausreichend Menschen gibt, die gemeinsam (dieses Wort intonierte ich mit mindestens fünfzig Ausrufezeichen doch ohne dabei zu zischen und zu spucken) für dieses Ziel einstehen wollen.

Was, wenn noch mehr auseinanderbricht? Was, wenn Frankreich und Holland einknicken, die Rechten ein Referendum fordern? Dies fragte ich den Mann nicht. Und ob wir Freunde seien auch nicht. Sind wir es? Diesen Wunsch will ich über allem anderen leben. Ob mit oder ohne die Brexits dieser Welt. Bei einer Tasse Darjeeling und einem Gurkensandwich. Mit Shakespeare und Bitter Orange Juice und der zugegebenermaßen sehr idealistischen Idee davon, wie Völker zusammenwachsen könnten, wenn sie Verständigung und Gemeinsinn statt darüber zu reden und dem ständig kleinformatig zuwider zu handeln, wirklich vorbildlich leben würden. Doch eine große Form kann nur entstehen, wenn es die kleinsten Strukturen vorgeben und erlauben und solange es Shitstorms, Verfehmdungen und Hexenjagden zwischen all zu vielen Eigenarten, Schwächen und Menschlichkeiten gibt, ist dieser große Gedanke leider unmöglich, da zu sehr von sich selbst eingenommen und daher befangen. 

Unbefangenheit ist ein Privileg der vom Leben noch weitgehend ungeprägten Jugend. Sie sich im Älterwerden über den schlechten Lebenserfahrungen und Eitelkeiten zu bewahren, ist eine hohe Lebenskunst. God s(h)ave  the Queen. Ich könnte hier jetzt musikalisch perfekt Pomp and Circumstances von Elgar beitragen. Doch den fände  ich unangemessen. Wir haben hier nämlich gerade jede Menge Circumstances, allerdings leider ganz ohne Pomp, dafür mit jeder Menge Fiderallala. Dieser Beitrag ist politisch total unkorrekt. Ich habe mir jetzt doch in aller Freundschaft mal Luft machen müssen. Und das alles ohne Misstrauensvotum und Referendum, liebe englische Nachbarn und Freunde. Allerdings nicht in der Weltsprache Englisch. Doch wenn nur einer von Euch nach einer translation fragen würde, weil ihn interessiert wer ich bin und was ich sage, setze ich mich sofort hin, stehle mir alle Zeit die ich brauche und bemühe mich um eine Übersetzung ins Englische. Die wird dauern, das ist unbequem, ich muss viel nachschlagen in Cassell’s Dictionary, doch das wäre mir schnurzpiepe. (Was heißt schnurzpiepe auf Englisch???) Ich würde es trotzdem machen. Weil England es mir wert wäre.