alma’s ros

starkfrequentes gleichstromrauschen
wasser mäßig
rinnt vom dach  dunkel

es donnert          der baum da

weint sich in düstergrau hinab

in strömen

auch das
trübe
fensterlicht  sprich –

tränen sind der reine tau der seele
in der gosse vergangener liebe.

unerreicht

50 Liebes-Sonette für Freyja

Numero 8

wir sind
nicht reich
doch vermögend
hart oder weich strömend
uns verbunden
gesund umrundend
haltend verwaltend
in herzensangelegenheiten

sind wir zeitweit
uns beschieden
doch nicht ausschließlich
oft gut gelaunt
doch auch verdrießlich
ideell künftige zukünfte gestaltend
einzeln jeder für sich
werden wir älter
geborgen in
getrennten welten
teilen sorgen
in der bewältigung leben
gestern heute, morgen

sind
zusammen gegangen
wurden belangt befangen
hingen uns auf
auch irgendwann wieder ab
hielten uns aufrecht
im kurs auf trab
doch manchmal verloren wir ihn auch
in kursschlusspanik
trieben ziellos umher
vermissten einander sehr
tief aus dem bauch
nahmen dinge schwer
wieder leicht

bleibst unerreicht
jemand den ich mag
tag gleich nacht

sag, hättest du das gedacht?
soll ein alter hut sein nun
soll er dir nur gut dir tun

damit du wieder lachst

—-

erntedank

Liebe blogfreunde, 

heute inspirierte mich ein Austausch mit Arabella.

Danke. 

Gruß von der Karfunkelfee

 

50 Liebes-Sonette für Freyja

Numero 6

 

manche dinge verschwinden

in den strudeln der zeit.

besser,

sich nicht zu sehr an sie zu binden.

das leben hält das neue bereit

für eine weile darin freude zu finden.

 

das weitergeben der freude

leuchtet aus der erinnerung

im lichten geleit der vergangenheit

weit in zukunft hinein.

 

wie kann zukunft sein?

 

am morgenhimmel noch von nacht

glüht

übrig gelassen ein nebelstreif dämmer

so fern schon kaum zu fassen

mehr zu ahnen denn zu wissen

eher schon zu losgelassen

mehr zu danken

denn zu missen

 

des altgeliebten

trauter schein

—-

weiße chardenien

50 Liebes-Sonette für Freyja

Numero 4

Du bist das
sich selbst öffnende
befehlsresistente programm
während ich schreibe
bringst du dich
bamm! bamm! bamm!
heftig hochhüpfend
in erinnerung
während ich fluchend versuche
mich auf degeneriert informierendes
zu konzentrieren
schickst du mir musik
machst dich publik
in zig worten und weisen
dies alles auf meiner
unteren leiste

versuche ich dich zu ignorieren
blockierst du meinen monitor
lässt dich nicht mehr schließen
beginnst deine kryptische daten
in mein blaues sauberes off zu gießen
ewig endlose zahlenkolonnen
lang liegen sie schwer schwebend
wie tausend traumhaft tiefe tonnen
…und jede einzelne zahl steht für sündigste wonnen!

ich bemüh mich vergeblich
in konzentration zu fließen
gehe in den garten
meine chardenien chießen
lasse dich warten warten…
oh, diese weiße…
shit, du weißt wie ich heiße
du bist das sich selbst
öffnende programm
auf meiner unteren leiste
du bist mein
hochhüpfendes icon
bringst dich in meine pflicht
das will ich aber gar nicht!

drum will ich dich
eliminieren
aussortieren und defragmentieren
am besten einfrieren in meinem chief-archiv
doch du gibst keine ruh
lässt dies nicht zu
schickst statt dessen
wilde bilder lächelst verse
reimst auf knopfdruck
bist meiner matrix inverse
willst dich mit mir
multiplizieren
bis mein dich
dauerzitierender computer
nur noch seufzend langsam
hoch eroromantisiert
lasziv vor sich hin schlürschliert
entschlüsselst du
heimlich meine ID
ich frag mich nur wie?
kann das sein?
bist du ein Trojaner oder ein Dämon?
ein auf mich programmierter stolperstein?
ein fieser hack oder ein computer-wurm?
mein stern, mein symbol oder bist du mein turm?
habe ich dich etwa neu entdeckt?
am ende noch selbst geschaffen?
etwas uraltes schlafendes versehentlich aufgeweckt?
ich will wissen wo du mein system leckst
suche deinen code, deinen booting-pfad
der mir irgend etwas erklart
und mach mich für dich zum affen.

doch nun muss ich
weiter schaffen
für mein täglich brot
schreib empört mit der hand
fixiere meinen computer
im lieblich-lyrischen abendrot
unter der alten uhr
auf dem schreibtisch
das ding piept schon wieder
als sei es nicht mehr ganz frisch
sag, bist du das schon wieder?
du bist das sich selbst öffnende
befehlsresistente pogramm
auf meiner unteren leiste
shit, du weißt wie ich heiße…

…ich hab so chern die chardenien
vor allem weil sie so weiß sind….

wind in weiden

50 Liebes-Sonette für Freyja

Numero Drei:

trotzig schwer die verantwortung
für andere selbst auferlegt
bis nichts mehr übrig bleibt
als die geköpfte skulptur einer vorstellung
entarmt, entbeint entleibt
ein torso von seinen
verlorenen gliedmaßen entzweit
steht theoretisch für einsamkeit

es schwärzen so sehr
das überzeitige herz
all die fremden lichter
in erhellten gesichten
in sach— und umstandszwängen
beobachtenden betrachtungen
deinen endemischen pflichten
deinem zwirn deinem hemd
sehnst du dich heimwärts fremd

was bedeutet allein
auseinandergehen noch?
nur ein weiteres joch unter vielen
ein erneutes bäumen in herzensziele
was hilft es dagegen anzuweinen?
es kann wohl unseren mut
in gedanken sperrangelweit offener tränen binden
doch nicht unsere  taten
an gemeinsamen feuern einen

was bist du mir?
ich weiß es längst nicht mehr
was du warst schon
was du  jetzt bist
was noch ist?
was du wirst
entscheiden die für dich
die deine krüge leeren
deine äcker pflügen
dein leben bewahrheiten, betrügen oder belügen
deine wahl deine ansicht
dein lebenswiderspruch
dein ureigenes weltgericht!

sei entweder darin zufrieden
ändere dich
alles andere
wähle selbst
was dein altruistisches bescheiden dir beschieden
was davon lebt unter- und was
übertrieben?

ist es das was für dich selbst zu guter letzt
auf der suche nach innerem frieden
an energie noch übrig bliebe?
spürst du überhaupt noch wind in biegsamen weiden?
oder bist du schon zu marode, zu starr und zu klamm
von all diesem aufopfernden leiden
im hamsterradgetrete im täglichen tamteramtamtam?
wähle zur abwechslung dich
das andere ist langweil-ich!

für  dich für mich zu geben
liebe endlich auch dein leiden
für mehr qualität im leben
für mehr wind in weiden

—-

 

Anmerkung der Karfunkelfee:

Das Bild verwendete ich schon einmal. Es passt so gut zum Poem, dass ich es noch einmal nahm. 

auch dies

50 Liebes-Sonette für Freyja

Zweites Sonett:

du schaffst auch dies:
also fließ
gib deinem weg vertrauen
ich bleibe bei dir
folge den heilenden steinen
nie folgst du alleine
selbst wenn du denkst
du tätest es
selbst wenn du glaubst
dass du unfrei bist
schaffst du auch dies:
also fließ

du kannst auch träumen:
also werde
gib deinen wünschen fundament
ich rühre dieweil den zement
pflastere du den weg mit steinen
nie mauerst du alleine
selbst wenn du denkst
du tätest es
selbst wenn du glaubst
dass du nur noch schuftest
kannst du auch träumen:
also werde

du willst auch fühlen:
also berühre
gib deinem herz wieder die führung
ich schüre indes die flammen
traue du dich hell zu scheinen
das dunklere suchen wir zusammen
selbst wenn du denkst
du tätest es alleine
selbst wenn du glaubst
du verrätest deine überzeugungen
kannst du noch fühlen:
also berühre

du hast auch fragen:
also antworte
gib deiner seele wieder orte
ich finde sie für dich
suche du in nächten und tagen
gemeinsamkeiten die tiefinnigst verborgen lagen
selbst wenn du denkst
du tätest es alleine
selbst wenn du glaubst
du wüsstest nicht weiter
kannst du noch fragen:
also antworte

—-

Ganz leise über Nacht

50 Liebes-Sonette für Freyja:

 

ist sommer gegangen

unaufhörlich weiter

aus grünen blättern

verfremdet  gelb in

weiteren distanzen

*

an der bushaltestelle

stehen menschen

griesgrämig grau

gedrückt klein

unbeweglich im regen

*

kommen nebelzeiten

kommt überzeitiges

in  neue traumsaison

still wartet will

worte fließen

richtung oktobergold

suchende gedanken:

herz zieh dich wärmer an!

*

komm an…

leise über nacht

in zärtlichem

gibt nur zu verlieren

was noch nicht einmal war

*

ganz leise über nacht

bleibt frühling treu

an nächstjährigem

dieses versprechen

lockt süß verlangend

im letzten sommerheu

*

kommt tod

sperrt was vorher begehbar

leert was voll

ernüchtert was toll

flüchtet ausleben

um haaresbreite

zoll um zoll

bricht augen

tötet  blind

bis immerdunkel

lang novemberschatten

abendsonnenstrahlen

ein letztes mal atmen

*

ganz leise über nacht

not sich wiegend

mit  zweifel

haut an haut

um das gewicht

von tautropfen

aus dunkleren gründen

pfuhlt sich ein

stellt uhren

gemächlich

schon mal

eine stunde nach

fragt sich wie lange

wie oft die zeiger

noch unruhig um ihre mitte

wandernd

schatten kreisen tanzen werfen

zusammen mit dem andern

 

fragt: wie tief wird wann mein eigenes grab

ausgehoben werden um alles was ich war

zutiefst mit scham und erde zu bedecken?

aschener november dämmert asphalten

am gestrigen horizont herauf

*

ganz leise über nacht

in verschlafenem grau

zusammengerafft was geliebt blieb

überschrieben mit

edelrotem blutblau

bis zum nächsten großen übermut

im sprung anlanden

im ungewissen

nichts für verzagte

dauernd nur

um ihr ständig sterbendes behakt

wird der herbst lang?

wer erkennt seiner

morbider schönheit

wehen klang in

seinem welken unterschwang

*

noch zu lebendig für ein requiem

doch schon zu tot für

hoffnungsvollen frühlingsklang