ABC-Etüden: De mortuis nihil nisi bene 

Liebe blogfreunde,

Da ich die letzten Etüden krankheitsbedingt schreibunlustig war, habe ich mich hier gleich zwei Wortschenkern zugewandt und aus den Schenkworten einen Text gewoben. Er ist auf das derzeitige wetterbedingte Geschehen und die Not durch Überschwemmung in vielen deutschen Städten und auch vom Tod Helmut Kohls inspiriert. Ich halte es für ganz großen Kokolores, immer nur gut über Tote sprechen zu wollen. in meinen Augen entseelt sie das zu sehr.
Einer, der Fehler macht und auch zugeben kann, steht mir immer näher als ein Maskierter im Mummenschanz seiner Etiketten.
Die letzten Zeilen sind schlesisch und stammen von meiner Großmutter. Trösteworte, die mir immer irgendwie halfen, wenn es mal heftig kam in meinem Leben. vielleicht, weil sie aus einer sehr hungrigen Nachkriegs-Zeit stammen, in der Klöße im Backrohr für ein Kind den Himmel auf Erden bedeuten konnten.
Wie immer bedanke ich mich bei Ludwig Zeidler. Besonders die zartblaue Illustration von Bruni’s Worten, sprach mich sehr an. Hier geht es in Brunis poetische Wortwelten.
Karin’s Film über den erst die Bühne verschönernden und dann richtig groovig abrockenden Paradiesvogel, macht bei meinen Kindern fröhlich die Runde. Der Vogel ist ein cooler Held.
Christiane, die Hüterin der ABC-Etüden und alle anderen Teilnehmenden grüße ich herzlich in den bei uns regnerischen Sonntag.

Liebe Grüße von der Karfunkelfee

————————————

Mal wieder einzigartig:
Ein Sommer wie ein überlaufendes Vogelnest.
Sinnlos, seinen katastrophalen Auftritt leugnen zu wollen. Früher war alles besser.
In den Straßenschluchten schwallt heute unübersehbar das Wasser,
das Fahren mit dem Auto gerät zur Achterbahn auf Aquaplaningstraßen, Keller laufen voll,
die Ratten ersaufen in regenrauschenden Abwasserkanälen.
Leute sprechen Trauerreden ganz anders auf
als sie sich zu sagen trauen.
De mortuis nihil nisi bene.
Sterben tut‘ sich’s von ganz alleene.
Nu weene, Liebes
nu weene mal nicht.
Im Rohr steh’n die Kließla
du siehst se bloß nicht.

Die Rübe zählt 10 Wörter – Eine Dezembergeschichte mit Rübezahl

Keywords:

Irrlicht
Rübezahl
Tannenwald
Johannisbeere
Weihnachtswunder
Varieté
schnabelnasig
Eierlikördusel
Kleinwüchsig
Schnarcht

Westendstories
http://westendstorie.com/2014/11/30/bock-auf-ne-geschichte-einladung-zu-10-worter-im-dezember/
hat eingeladen zur Textarbeit und Übung und ich habe gern mitgemacht.
Rübezahl schrieb sich den ganzen Tag zeilen- versweise weiter.
Tochter hatte Spaß dabei, es ist etwas Lustiges geworden.
Nach Zeitvorgabe mit 15 Minuten werde ich auch ausprobieren – das ist Schreiben im Blindflug…mal sehen, was dabei herauskommt, zu gegebener Zeit also noch eine andere Version mit Deadline 15 Min. …😉
Danke, westendstories für die wörtlichen Anregungen, sie wurden feengerecht, haarfein an der Realität entlang verdichtet:
❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️

IMG_1943.JPG

1.
Budenzauber im
Sterngewimmel
jeder hat den Weihnachtsfimmel
Ich auch.
Noch nichts im Bauch,
allein unterwegs
zwischen kruden Buden
besinnlich träumend
vom warmen spanischen Suden
sehe ich
benommen vom Geruch
nach Glühweinfusel
doch wahrhaftig
den echten Berggeist
Rübezahl da stehen
(Hab ich einen Dusel!)
er scheint mir riesengroß
sein Kopf ist wie immer bloß, unbemützt,
die Ohren
rot und ungeschützt.

2.
Als freundlich er
die Zähne
mir zum Berggeistlächeln bleckt
bemerke ich
höchstlichst verwirrt
dass zwischen seinen
Schneidezähnen
eine Johannisbeere steckt
will ihn danach fragen
doch kann leider
wegen meines
klammen Magens
vor lauter Scheu
rein gar nichts sagen
bleibe vielmehr
schnabelnasig
in meinem Lächeln
beginne
gegen meinen Willen
wie ein Hund
zu hecheln
wünschte,
ich könne
während meine Hände schwitzen
statt zu stehen
jetzt doch lieber sitzen.

3.
Rübezahl
bemerkt nur trocken:
Siehst du im finstern Tannenwald
kleinwüchsige Irrlichter hinter fade nadelnden Bäumen hocken,
wie im Varieté,
sieh dich bloß vor!
Die haben alle schon
einen im Tee
und wollen mit dir
um das Weihnachtswunder zocken!
Kleinwüchsig
erkennst du sie,
jedes zweite schnarcht
und sie haben die Elfen verpatriarchpaart
mit billigem Fusel
nun kommen sie
zum Weihnachtsbasteln
nicht mehr pünktlich
an den Start
in ihrem Eierlikördusel.
Was mach ich jetzt bloß?
Stöhnt sorgenvoll
der Geist, der Rübezahl
bei den Menschen heißt.

4.
Nachdenklich streicht er sich den Bart,
nach erzgebirg’scher
Waldschratart
macht sich bereit zum Gehen,
will nicht mehr länger stehen.
Apart bedanke ich mich
für seinen geistreichen Rat
mit wohlmeinendem Worte
und frage:
Ach, Rübezahl,
nur so by the way,
gab es bei dir
heut‘ Johannisbeertorte…?