Haiku: 憧れakogare – sehnsucht 

um regensegen
rauscht wald umsonst trocken sich
blatt um blatt tropft ab

Landesleid

Schlafarm seit zwei Nächten, auch heute weckte ich den Wecker vor der frühesten Stunde. Dann Sonnenaufgang im Frühmorgengesumse und ersten Nachrichten vom nächtlichen Duell der Monster. Sie haben beide gewonnen, einer etwas weniger als die andere. Die Sonne geht schon seit fünf Stunden auf, vorher nur etwas dunkler als hinterher. Ein Stern hängt, übrig geblieben von der Nacht, über meinem Bett. Klar. Kunst. Leuchtet auf Befehl rötlich und tut ansonsten wie Mars auf Rotlicht. 

Träume waren auch noch zugegen. Lämmer schächten ist in ihnen archaisch rudimentär verboten, genauso wie jede Art von vorsätzlicher und manipulativer Vermummung und Verschleierung. Es sei denn, es wütet gerade ein akuter Sand- Abgas- oder Feinstaubsturm. Smog sowie bestialischer Gestank seien die Ausnahme von der Enthüllungsregel. Meine Träume wissen, dass es unhöflich ist, sich zu verdecken wie ein schwarzes Tuch einen Karfreitagsspiegel, ungesund ist es obendrein. An Haut und Haare gehören Liebe, Luft und Licht. An Träume ebenfalls. Ich konnte die Sonne beinahe überzeugen. Ein paar ihrer Feuerhaare zeigte sie mir schüchtern, aber dabei stolz auf ihre Schönheit. Ich dankte ihr für ihre Achtung und den Freimut mir gegenüber und lachte sie freundlich an. Dann zauberte ich ihren traurigen düsteren Wolkenschleiern noch etwas Rosafrisch an den Wangensaum. Auf einem hohlen Ahornblatt streichelte ich einen Chor Stimmen in die Trockenheit, Tropfen für Tropfen Durstqualideit, jeder auflösende Akkord ein erlösender Wassertrank in die waldige Glut. Heute schreien die allzu frühbunten Bäume besonders laut nach Leben. Doch meine Gießkanne fasst nur drei Liter voll, also welchen soll ich zuerst gießen?

Ich fang bei der Wiese an, sie leidet dürre unter der rottenden Koalition der Grashalme. Viel zu viele braune für diese Zeit. Wir brauchen Regen, Wasser und eine Lösung gegen Platzregen. Er ist so polemisch, er kann nur, wie immer schlecht vorbereitet, auf heiße Blechdächer knallen und zetern, mehr nicht. Er ist schlicht viel zu theatralisch und zu wenig katzenhaft für den aufgesprungenen rissigen Sand im Land.

Ein sanfter ausdauernder, gleichmäßig starker wie auch intensiver Landregen wird dringend vom Leben erbeten. Die Erde weint statisches Rauschen Beben in Bäume, der Wind kommt von weither, mitten aus dem wilden Westen heraus, schießt er eiskalt zielend aus der Hüfte. Der Wind ist heute weder männlich noch weiblich, es kann sein, dass er seine wahre Identität einfach unterwegs verloren hat, auf seiner weiten Reise, wer weiß?

Auch der alte große Teich führt verlandendes Niedrigwasser, ist veralgt, hilflos springen die Fische an die Oberfläche auf der Suche nach irgendeiner kiembar kallibrierbaren Luft in Arkadenbögen der Wünsche nach dem Atem der Gischt.

Das Patchwork-Quilt-Blau des Himmels verwebt sich zynisch verwässernd mit Wolken, wer hält solch schadenfrohen Humor auf billige Kosten allgemeinen Leides aus? Die Wetterprognose meldet endlich Regen im Herbstgesang einer Amsel. Ich sah sie zu lange an, da wollte sie schnell ein Rabe werden und krächzte prächtig in auswärts. Bist du einer? fragte ich sie. Heute mal ja, denn eine Amsel bin ich doch sonst schon immer, war ihre kluge Antwort.

e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio) – believe, belief, below

Diese wunderschöne Jazz-Perle wollte ich auf keinen Fall vorenthalten, passt für mein Empfinden gut zu minimalistischen Stimmungen, obwohl ich den Hörgenuss für mich als opulent wahrnehme.
Wie schade, dass Esbjörn Svensson 2008 so tragisch verstarb.
Zeitlose Musik…
Danke für den tollen Tipp, Autopict.

Nordparkimpressionen

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Noch Sonnenstrahlen streicheln
Langeschattenmomente
verwunschen und weich.

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Noch Enten mit Kindern
im Blattgoldteich Sonnenglitzern
noch Blumen blühen
auf Smaragdwiesen
laubbraun verborgen
noch immer
Neubeginn
Lebenssinn.

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Weiter oben
toben die Vögel
als ob es immer noch
oder schon wieder
Frühling sei.

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Fragile Leichtigkeit
in Gräsern
sich im Wind wiegen
hinter Sonnenglut
Wind haucht verschwiegen
Blätter fliegen.

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Renaissancebilder
im Panoramablick
herbstlich
farbornamentiert
Spaziergänger
dazwischenziseliert
im Augenblick
der die Weite
tiefenscharf
fokussiert
in genauen Strukturen
mit einsamen sommermüden
Baumfiguren
als bunten Frohnaturen
stehen sie da
als würden sie
träumen
innehalten
warten
noch nicht bereit
dem Frost das Feld
zu räumen
Wer träumt, ist frei.

Heute fand Sommerkind
im verwilderten
bunt belaubten Garten
im gelblichtigen Ahornkleid
etwas wieder
eine Erinnerung
aus der Frühlingszeit
sie duftete noch
leicht lieblich
nach lila Flieder.

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Bald schon wird es frieren

Liebe Blogleser, angeregt durch Konrad Weiss’s Herbstgedicht, das ich bei der geschätzten Frau Wildgans im Blog fand, entstand wie so oft, etwas Eigenes.

Hier der Link zu Frau Wildgans‘ Blog und dem Gedicht von Konrad Weiss:
http://wildgans.wordpress.com/2014/10/29/heute-kein-himmel/

Einstweilen wünsche ich den Bloglesern viel Freude beim Lesen und Stöbern.

Herzliche Grüße
von der
Karfunkelfee
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Himmel
und sei es einer
der sich grau macht
wie eine alte
ehrwürdige Eminenz
mit steifen
hochgestellten Wolken
und Regenstöckchen
die zersplittern
im Gesicht.

Doch noch Blätter
hier und da
hängen an Bäumen
welk und matt
übrig geblieben
weil sie
zu lange
von Sommer
träumten.

Wind Wolkenscherge,
Ihro grauer
Himmelshochwürden
treuester Diener
erfüllt seine Pflicht
bestimmt
den Herbst
als die Zeit
des jüngsten Gerichts
schneidet gnädig
messerscharf
die Sommertoten
von den
Bäumen ab
bereitet ihnen
zuhauf
ein buntes Grab
unter den ernsten
würdevoll
grau schweigend
Treibenden.

Es scheint
als wollten Wolken
frisch verwaisten
Bäumen kondolieren.
Bald schon
wird es
frieren.

In den Zeiten des Flusses (aus den Geist(er)geschichten)

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Routen durch das Land
Bekannte und fremde
Straßen, Waldwege in
weißem Sand.

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Die Räder fliegen rollen, richten sich aus nach dem Sonnenstand, westlich das Erntedankgrollen der schweren Ackermaschinen,
Sonne steht tief im Westen, das Geschenk ihrer Abendstrahlen eingesammelt und als Schatz auf dem Dachboden verwahrt.

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Nur zaghaft traut sich der Verstand, dem verkannten Orientierungssinn eine Lanze zu brechen, zu ihm in den Worten zu sprechen, die keine Sprache sind, nur gefühlt werden können.
Worte wie Wolken in Lauten, die beim Versuch sie hörbar zu machen, tief im Halse stecken bleiben, weil sie sich selbst nicht trauten.

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So still die Straßen, die Wege, die Brücken schweigen.
Hinter den vertrauten Fassaden verbirgt sich das andere, das Unbekannte und Fremde. Es hat vor Angst solche schweißnassen Hände. Es ahnt in jedem Anfang eines Weges das vorprogrammierte traurige Ende.
Es schlägt die Augen nieder und summt nur noch leise die bekannten Strophen mit in den verfremdeten Coverversionen alter Liebeslieder.

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Die Straßen des Herbstes verlangen nach erhöhter Achtsamkeit.
Sie sind mit Sommerblattleichen gepflastert, leicht fällt es sich auf die Seite wie ein toter Gaul, fasst keine Bremse auf den leichten Körperhüllen, vollgesogen vom letzten Sturmregen.
Auf den herbstlichen Wegen sollten die Bewegungen umsichtig, aufmerksam und vorausschauend sein.
Mit den eigenen Schmerzen bleibt ein jeder für sich und allein, wie es auch sei.

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Braun und traurig will das Land werden. Es hat sich im Sommer verschwendet an lauter Lebensfreude.
Es nimmt die Ruhezeit in Kauf, weiß es doch um den ewigen Kreislauf von Wachsen und Werden, gibt es doch diese Hoffnung auch im tiefsten Schlaf, bedeckt, erstarrt in Eis und Frost, niemals auf.
Nah am Erdkern ist das Land flüssig und heiß
unter allem Schnee und Eis. Dieses alte Wissen um den Ursprung des Lebens ist beständige Bewegung, der Welt veränderlicher Lauf in den Lavagefühlen, der Erdweisheit, ein Teil zu sein, Dank, nichts Unbeseeltes sein zu müssen, Energie sein zu dürfen inmitten körperlicher Erdigkeit , der Bodenhaftung, beweglicher Teil sein zu können.

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Zwei Räder wandern, manchmal auch vier, in den Zeiten des Flusses. Nun stehen sie im Schlaf, in den langen Schatten, die die tiefe Sonne tröstend auf die Wartenden warf. Die Gedanken weit und offen, das Land erzählt in jeder Umdrehung von Dir, das Land ist Wachsen, Werden und Hoffen.

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