Haiku: 憧れakogare – sehnsucht 

um regensegen
rauscht wald umsonst trocken sich
blatt um blatt tropft ab

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Amselmann

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(Bildquelle:
http://m.haz.de/Hannover/Aus-der-Region/Barsinghausen/Fotostrecken/So-helfen-Sie-Wildtieren-wirklich/lksv-wild-amsel

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Sitze Mitte Februar
sinnig sinnend
höre da
den Amselmann beim Proben.
Er trägt noch Zottelwinterfedern
die schwarzseiden Frühlingsrobe
hängt noch still an der Garderobe,
doch denkt, er könne ja mal schnell
solange es schon länger hell
für später drüben droben üben
ein paar kleine Strophen nur,
hockt er nun,
verkauft-verraten
an die selbst gewählte Tortur
voller Drang und Taten
frierend im Birkenwipfel
auf dem letzten dünnsten
oberen Astzipfel
als aufgeblasene Frohnatur –
immer wieder
stockend vibrierend
in den Liedern schwimmend
immer wieder
neu beginnend
mit genau demselben
nochhalbfalschen Ton
hatten wir schon
Text vergessen,
egal,
Aussetzer hat ja jeder mal,
unverdrossen weitersingend
Nase voll und weg,
husch, husch zurück,
oh welch ein Glück,
ins wonnigwarme Laubversteck
wo ihn niemand
sehen kann
nur noch leise piepen hören
nun schnell auf Zehenspitzen fort,
wollen ihn
nicht länger stören.

Sol invictus

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In der Polarnacht zeigt der geozentrische, unabhängig vom Standort gerichtete Blick den größtmöglichsten Abstand zum Äquator.
Der Atem der Sonne trifft in elektrisch geladenen Teilchen auf schwere Ionen in den oberen Schichten der Atmosphäre, Licht entsteht.
Aurora borealis strahlt spektralbunt in
die Wirklichkeit wie Zuversicht.

Die Wende tritt an allen Orten,
den Zeitzonen entsprechend,
zum gleichen Zeitpunkt ein.
Am Polarkreis
Tage ohne Sonnenaufgänge,
die Sonnenbahn verläuft
unterhalb der Horizontlinie.
Einzig der Schnee,
dessen Weiß das Licht des Mondes und der Sterne reflektiert.
Der Blick verliert sich in den glitzernden Weiten.
Das Wort Ewigkeit in den kürzesten Nächten des Jahres wird in Eis geschrieben.
Es ist bitter kalt.

Mitten durch die Sonne hindurch,
die Erdachsen gedacht verlängert, verläuft senkrecht äquatorial stehend,
die Solstitiallinie,
die Positionen der Erde miteinander verbindend,
zum Zeitpunkt der Sonnenwenden.

Zur Sommersonnenwende
wird der Tod geehrt,
welcher kommen wird,
das Leben mit sich nimmt
mit dem schwindenden Licht.
Wintersonnenwende bringt das Lächeln des hoffnungsvollen Frühlings zurück auf die vor Kälte und Dunkelheit verkniffenen Lippen.
Sonne entsteht neu,
sagen die Alten,
tragen offen ein hoffnungsvolles Lächeln im Gesicht,
loben die kommende Tage
in den schwärzesten längsten
Nächten des Jahres,
im stillen dankbaren Wissen
um das Tag um Tag
stärker und heller
werdende Sonnenlicht.

Sol invictus.

Sieben Kilometer Frieden – Gedanken und Bilder zum zweiten Advent

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Winterweiden
im Schatten liegend.
Düster und schwer.
Der tiefstehenden Sonne.
kraftlose Strahlen
hinter dem Wald.
Undurchdringlich.

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Modern Art zwischen
Bauernkaten – apart?
Gegensätzliche Architektur
hinter Feld, Wald, Wiese, Flur
Vorortsiedlung
Gedanken an Straßenlärm
Zurückweichend
Ferner…

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Wald kommt zögerlich
in kleinen Föhrenrudeln näher.
Bewegen sich, sobald man wegschaut, in winzigen Zentimeterwiegeschritten
gerade so viel, dass ich
soeben dem toten Winkel noch trauen mag.
Vertrauen in das beinahe Erfasste.
Ein Tangogefühl.

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Haus hat sich versteckt, raucht vor sich hin, verborgen zwischen Tannenbäumen, scheint von morgen zu träumen.
Zurückgezogen und klein.
Nur da sein.

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Landstilleben
Häuser wärmen
sich an einer Laubfackel.
Gruppenkuscheln.

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Wilde Birken
kreuzquer vor der Linse.
Ein Hochstand
aus Birkenholz
im Binsenmeer.

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Pferdeweiden, auenlandig.
Baum im Gegenlicht.
Noch grün das Gras.
Baumgerippe spielt nur tot,
theatralischer Wintereffekt
Greift.

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Tiefer Tann
schaurig-schön
Zersplittertes Kirchenfensterlicht
Filigran.

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Moosteppiche in Smaragdgrün.
Weicher nachgiebiger
Samtboden,
am Tannenstamm
der scheue Specht.
Fluchtimpulse.

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Blattgoldalleen
sonnendurchbrochen
lose Blätter
Spielen im Wind
ringelrangeldrehn,
Kronen sich Zweige reichen,
wie Spalier stehen.

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Grenzen
dunkel an hell
Tannenzapfen mit Laub vermischt
Trennlinie verwischt
Natürlich.

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Abseits des Weges
abzweigende Eigenarten
Vertrauen auf waldgeschulten Orientierungssinn.
Aufmerksam.

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Föhrengrazien
kleine Gruppe
hohe schlanke Stämme
windgegerbtes Holz
Wirken stolz
Sind für sich.

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Verwunschenes Licht
braungrüngolden
weich
Auge trinkt
sich warm
Bild ins Herz
Bleibt
Auslöser

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Im Baumlabyrinth
nur träumend sich findet
was nicht sucht
Licht,
wie es sich an Stämmen
hochwindet
sonnenmild

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Querstreber-Geometrie
in Zweiglingen
rahmen den Blick
gegen das Licht
in die Unruhe
der Baumschatten.

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Markengrund,
kalkweißer Hügelweg
Weite freit das Herz gesund
im Blick bergauf
schneller laufen

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am Wegesrand
in altem Laub
der Wintertrotz
der Gänseblümchen
schlicht

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Gewaltiger Himmel
Stromlinienwolken
Sonne fast gelöscht
noch einmal
letzte leichte
Strahlen im Gesicht
der Abenddämmerung
entgegengehend
dem Straßenlärm
entgegensehend.
Kopf frei.
Neuer Atem.

Novemberkinder

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Novemberkinder
zwischen Ferienzeiten,
Allerheiligen schon Weihnachten im Sinn,
schauen schon zu den süßen Schokoladennikoläusen hin, greifen zu, gönnen sich ihre Wahl nach Appetit und zur Verfügung stehender Anzahl.

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Novemberkinder suchen im Gras rotbraune Kastanien, essen Stockbrot an Feuern, Kreuzspinnen sind ihnen nicht geheuer,
die ganz großen Frühlingswünsche
noch zu teuer,
doch Novemberkinder wissen:
Wer viel will, bekommt auch viel,
schauen stiebenden Funken nach –
die in den Himmel fliegen,
ohne Ziel.

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Novemberkinder wärmen sich aneinander,
reiben sich gegenseitig die Hände warm,
sitzen zusammen und träumen von den theatralischen kahlen Bäumen,
draußen der weiche schöne Nebel,
draußen Gesang und Laternenleuchten auf den laubbedeckten Parkwegen.

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Novemberkindern wird die Zeit nicht zu lang,
der frostige Winter macht sie nicht bang,
weil sie etwas wissen:
Wer jetzt den November zu genießen versteht, wird später einmal nichts vermissen.

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In den Zeiten des Flusses (aus den Geist(er)geschichten)

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Routen durch das Land
Bekannte und fremde
Straßen, Waldwege in
weißem Sand.

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Die Räder fliegen rollen, richten sich aus nach dem Sonnenstand, westlich das Erntedankgrollen der schweren Ackermaschinen,
Sonne steht tief im Westen, das Geschenk ihrer Abendstrahlen eingesammelt und als Schatz auf dem Dachboden verwahrt.

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Nur zaghaft traut sich der Verstand, dem verkannten Orientierungssinn eine Lanze zu brechen, zu ihm in den Worten zu sprechen, die keine Sprache sind, nur gefühlt werden können.
Worte wie Wolken in Lauten, die beim Versuch sie hörbar zu machen, tief im Halse stecken bleiben, weil sie sich selbst nicht trauten.

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So still die Straßen, die Wege, die Brücken schweigen.
Hinter den vertrauten Fassaden verbirgt sich das andere, das Unbekannte und Fremde. Es hat vor Angst solche schweißnassen Hände. Es ahnt in jedem Anfang eines Weges das vorprogrammierte traurige Ende.
Es schlägt die Augen nieder und summt nur noch leise die bekannten Strophen mit in den verfremdeten Coverversionen alter Liebeslieder.

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Die Straßen des Herbstes verlangen nach erhöhter Achtsamkeit.
Sie sind mit Sommerblattleichen gepflastert, leicht fällt es sich auf die Seite wie ein toter Gaul, fasst keine Bremse auf den leichten Körperhüllen, vollgesogen vom letzten Sturmregen.
Auf den herbstlichen Wegen sollten die Bewegungen umsichtig, aufmerksam und vorausschauend sein.
Mit den eigenen Schmerzen bleibt ein jeder für sich und allein, wie es auch sei.

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Braun und traurig will das Land werden. Es hat sich im Sommer verschwendet an lauter Lebensfreude.
Es nimmt die Ruhezeit in Kauf, weiß es doch um den ewigen Kreislauf von Wachsen und Werden, gibt es doch diese Hoffnung auch im tiefsten Schlaf, bedeckt, erstarrt in Eis und Frost, niemals auf.
Nah am Erdkern ist das Land flüssig und heiß
unter allem Schnee und Eis. Dieses alte Wissen um den Ursprung des Lebens ist beständige Bewegung, der Welt veränderlicher Lauf in den Lavagefühlen, der Erdweisheit, ein Teil zu sein, Dank, nichts Unbeseeltes sein zu müssen, Energie sein zu dürfen inmitten körperlicher Erdigkeit , der Bodenhaftung, beweglicher Teil sein zu können.

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Zwei Räder wandern, manchmal auch vier, in den Zeiten des Flusses. Nun stehen sie im Schlaf, in den langen Schatten, die die tiefe Sonne tröstend auf die Wartenden warf. Die Gedanken weit und offen, das Land erzählt in jeder Umdrehung von Dir, das Land ist Wachsen, Werden und Hoffen.

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Immergrün Vergissmeinnicht

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Kaleidoskopzeit
buntblätterweit
aufgebrochen
die Flammenfarben
in Sonnengischt.

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Aufgesprochen
alte Zaubersprüche
vermischt mit
dunkelrotem
Amaranth und
rosarostigen
Rosen
umwunden
von einem
wortverwobenen
Bann
zu einem
zarten Bouquet
gebunden
um das
dunkelstgrünstes
Moos
sich wand.

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Worte
wie ein
Zikadenkonzert
im hohen
braunen Gras
hohes feines Zirren
etwas,
das der Sommer
vergaß
mitzunehmen
in den
Zikadenflügeln
transparent
schimmernd
als seien
sie aus Glas.

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Hingegeben an
Blauvariationen
aufgegeben
was sich
nicht lohnt
darin
das Gefühl
zu bewahren
das tief im
Innern wohnt
es schwärmt
in Wolkenscharen
es ist spektralbunt
wie alle Farben
doch so einig
in sich selbst
wie die
Erde rund.

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Seidezeit,
spinnwebzart
Abschied
sich
mit Hoffnung
paart
ein jeder schaut
nach
seiner Art
in den
welkenden Gärten
mehrt sich
Blatt um Blatt
in krausen
Laubhaufen
nachts darin
übermütig
die jungen Füchse
raufen
um die
ersoffene Ratte
im Ententeich,
der haarlose Bauch
aufgedunsen, bleich
oben treibend
das nasse zottige Fell
dunkelgrau
wie Kohlefeuerrauch
die toten Augen
spiegeln
gleichgültig
Nachtdunkelblau.

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Die jahreszeitlichen Strukturen
gegliedert
in endliche
Intervalle,
das Herbstlaubfallen
eine fortgesetzte
periodische Funktion
Fourier-Reihen
an deren frostigen
Enden schon wieder
Frühlingssaaten
hellgrün keimen
in diskreten Spektren.

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Nebelzeit für
die Einsamen
die sich
auf Parkbänken
selbst umarmen
die Barfußtänzer
mit den Schellen
an den Fußgelenken
den Tambourins.

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Grauwindtage
mit hochgestellten
Kragen
spektralanalytische
Regenbogengedanken
über einer
Sommerbirkenallee
die Brücke
von der Schneeschmelze
zum ersten Bodenfrost
spannend
von der Frühlingshoffnung
zum Sommerwissen
ruhend in Herbsttrost
fließend
das Winterweiß
in Ahnungen von
Immergrün
südwärts mit
den Vögeln zieh’t
vergißmeinnicht

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