Haiku: 憧れakogare – sehnsucht 

um regensegen
rauscht wald umsonst trocken sich
blatt um blatt tropft ab

Haibun: Starlight

Liebe Blogfreunde,

heute wieder etwas Englisches, ich habe neue Blogfreunde in Übersee gefunden, sie befassen sich mit japanischer Lyrik. Jeden Tag der Woche ein Poem. So oft werde ich es nicht schaffen, liebe Freunde. Wie Mr. Linky funktioniert, habe ich (hoffentlich) inzwischen auch begriffen. Danke für die Hilfestellung. Hier ist mein Haibun für den ‚Poets Pub‘.

Dear blogfriends,
Today something in english language, as I found new blog friends in overseas and all they work with japanese lyric. One poem for every day. But I cannot make it every day, my dear friends. How to use Mr. Linky, I hope I did now understand. Thank you for your kindly help. Here is my Haibun for your poets pub.

This way, patched with sharp little calcareous stones under my bare feet. This night is holding my ache tight in velvets endearing shadows. I am moon-viewing with Master Matsuo Bashō -and like him, I find no time for sleeping.
Like whispering a lullaby to hold to keep, my wish is walking with me under this autumn clear and huge dark sky. 

I see Orion Hunter coming next, his faithful hot dog Sirius is sleeping near to his star-cambered feet. Pegasus, the flying beast of inspiration galloping in the morning East, headlong hanging in the sky. 
Is this flickering twinkle in Pegasus‘ far star-eye my wandering spirits lullaby?

Don’t get cute with me little human, all you omniscient stars! 
The sound of silence is all the instruction you get, I remember the great and true words of Jack Kerouac and take a silent look for some dandelions at the wayside.
My big wish is only a little mirror star and my deeper sigh dreaming in a yellow flower fragrance. The holy woods are sleeping deeply. I can hear older ones panting in the North-Western winds of Autumn. It is too cold tonight to meditate!

Nightly sky wide and far  

walking over sharp-edged stones 

every wish an aching star 

Senryu: Amsel und Engel

Für P.

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Du, schattige Amsel,

ziehst auch mein Glück magisch an!


Siehst du den Engel?
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(Amsel: einwort)

Haibun – Der Park im November

  

 Auf den langen gewundenen Wegen liegen verwirbelte Laubhaufen in glänzenden rotbraunen Schattierungen. Ich suche schwarze Schatten in der abendlichen Dämmerung. Es hat den ganzen Tag lang leicht geregnet. Mein Gesicht ist nass von feinem Wasserstaub. Als ich mir mit der Zunge über die Oberlippe streiche, schmecke ich noch das Salz auf meiner feuchten Haut. Nach drei Stunden Training im Studio schafft es der Regen immer noch nicht, es mir abzuwaschen. 

Rechts und links des Weges kleine waldige Abschnitte. Die Berge liegen verborgen unter Nebelmützen. Die Luft ist so lau, ich genieße die Stille im Park, den Regen und den Duft des nahen Waldes.

Die Bäume singend

ihr Lied tropft aus den Kronen

vor meine Füße

Eine Frau mit einem großen Hund undefinierbarer Rasse kommt mir entgegen. Das letzte Tageslicht spiegelt sich in ihren freundlich grüßenden Augen. Am Ende des Weges sehe ich den Sportplatz von gleißendem Flutlicht überschüttet. Ich schaue den wenigen Fußballern, die sich in der oberen linken Ecke versammelt haben eine Weile zu, lausche ihren jungen Stimmen und wünsche mir, dass sie nicht ausrutschen auf der nassen roten Asche.

Das große Spielfeld

in helles Licht getaucht

für so wenige Spieler

Ich löse mich aus der Betrachtung des Sportplatzes und gehe zügig weiter, überquere die Straße, auf der heute Abend kein Auto unterwegs ist. Es ist ein schönes Gefühl, durch den Regen zu laufen, sich überall am Körper warm zu fühlen. Einige Kinder mit Laternen kommen mir singend entgegen. Da fällt es mir ein: Heute ist Martinstag, Lichterfest! Die Eltern gehen ein Stück weiter hinten. Sie tragen brennende Fackeln. Ich gehe mitten durch die Gruppe hindurch und nehme etwas von ihnen mit mir. Eine Art Gemeinschaftsgefühl, das mich jedoch gleich wieder verlässt.

Laterne, Laterne

ich lief mit meinen Kindern 

oh, nun sind sie groß!

Der Spielplatz liegt behütet von der Dunkelheit. Der stille Weg windet sich zwischen den verlassenen Spielgeräten steil bergan. Dahinter erkenne ich die Umrisse der Grundschule. Es ist so dunkel geworden, dass ich die Hand vor Augen nicht mehr erkennen kann. Doch meine Füße finden den Weg auch ohne Beleuchtung. Er ist mir so vertraut wie mein Schatten. Bald werde ich zu Hause sein, freue mich darauf, die Füße hochlegen zu können, mit meinen Kindern zusammenzusitzen und später im Bett noch ein wenig lesen zu können. Mein Herz ist leicht und weich wie der milde Regen dieses Tages. Ich denke an die Menschen, die mir wichtig sind und wünsche ihnen gesund zu bleiben und denen, die es nicht sein können, es schnell wieder zu werden. Begegnungen kommen mir in den Sinn, die flüchtigen, die oberflächlichen und die, die für immer im Herzen bestehen bleiben. November ist ein ernster Monat und die Vergänglichkeit des späten Herbstes hat einen mahnenden Charakter, den Reichtum der Andersartigkeiten und das Geheimnis der Ähnlichkeiten, die Menschen miteinander verbindet, liebevoll zu bedenken. Manche bleiben, andere gehen und bleiben in der Erinnerung ein stiller Glanz. 

Sich so ähnlich sein

wie ein Herbstblatt dem anderen

welch ein großes Glück!
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