…weil es heute einmal sein muss…

…dass das Licht sich abwendet

nach innen verdreht

Fuß neben Fuß

Hand in Hand

sich selbst

zugewandt steht…

 

…und weil es heute einmal sein muss…

von dir weit fort

nah zu mir hinzusehen

ich darüber nachdenke

wie einfach es doch ist

still dich im herzen tragend

einfach so weiterzugehen

ohne  mich umzusehen

und ohne anzuhalten…

 

…weil es heute einmal sein muss…

Licht und Liebe

   
    

  

  

Das Jahr läuft Revue. Es hat sich Frühlingsklamotten angezogen und kurz vor Weihnachten sehe ich unterwegs eine japanische Kirsche in vollem Blütenprunk.  
Es war schön, nach all der Arbeit, Stress, den kleinen und großen Sorgen, den Alltagspflichten und schlaflosen Nächten, dem Druck heute zu entkommen.   
    
 
Der Wunsch nach Natur war längst übermächtig geworden. Kann die Dankbarkeit sie gesund zu erleben, sie in voller Bewegungsfreiheit zu genießen maßlos sein? Alles kann maßlos sein. Doch meistens wird dieses Wort im Zusammenhang mit negativen Dingen verwendet. Maßlose Dankbarkeit zeigt sich in einem euphorischen vor Glück überquellenden Herzen und durchdringt Muskeln, Nerven, Mark und Knochen. Das Glück wird bebildert an jeder erdenklichen Wegecke. Es zeigt sich groß und mächtig in 80 km entfernten Aussichten bis ins Sauerland,
  
 in kraftvollen Momenten an alten mystischen Kraftorten, wie es im Teutoburger Wald so viele gibt. Die alte Antoniuskapelle ist dem heiligen Antonius geweiht. Er wurde liebevoll„Tönis“ genannt und so kam der Tönsberg im Teutoburger Wald zu seinem Namen. Im 15. Jahrhundert diente die alte Kapelle einem Mönch als Enklave und wurde in den Dreißiger Jahren restauriert. Heute ist sie eine offene Ruine. Als ich in ihr stehe, spüre ich vieles. Wie so oft drängen die Jahrhunderte nah an mich heran. Irgend jemand hat einen kleinen Steinhaufen in eine der Mauernischen gebaut. Ein großes Holzkreuz symbolisiert die Säkularisierung eines Ortes, der in seinen Schwingungen weit über jeder Religion steht. Hier fanden sich viele Geister zusammen. Kein Wunder, dass die Kirche über so etwas eine Oberhoheit ausüben will. Doch das, was erhalten blieb in den alten Steinen, überdauerte alles. Säkularisierung, Oberhoheit und Machtdenken. Die alte Ruine ist von Föhren umgeben. Der Wind rauscht friedlich in den hohen Kronen. Rechts vom Weg öffnet sich der Blick über das weite Lipperland mit seinen kleinen Dörfern. Am Horizont verschwimmen blau die Berge des Weserberglandes. 
   
    
 
Als ich innerhalb der alten Mauern stehe, höre ich viele Stimmen aus der Vergangenheit. Sie hoffen, bitten und wünschen. Sie singen mit dem Wind in den Bäumen. Es ist ein friedlicher guter Ort, er gibt mir Hoffnung für alles Kommende. Ich spüre Verbundenheit und Kraft.

   
  
Die Wege im Wald sind teilweise matschig und schlecht begehbar. Wie die Wege des Lebens. Auch in ihnen sinke ich zuweilen ein und mache mir die Schuhe schmutzig. Meine Schuhe sind leichte, dennoch solide Lederboots. Ich habe sie wie meine eigene Haut sehr gut imprägniert gegen die Nässe und die Pfützen im Wald. Haut will gepflegt werden. Ob tot oder lebendig. Auf der Bank in der Sonne mit der weiten Aussicht über das Land Richtung Paderborn genieße ich die guten Gespräche, die das Leben mir schenkt.
  
Sie sind offen, menschlich, tiefgründig, vertraut wie die Menschen, die mir begegnen und nahe kommen in allem was und wie sie sind. Ihr Vertrauen ehrt mich. Mein Blick schweift über die weite Landschaft. Ich sehe einen großen Ilex, eine Stechpalme. Einsam steht er im niedrigen Gebüsch, ragt trotzig heraus. Die Erdfarben vermischt mit dem klaren Himmelsblau tränken die Leinwand meiner Seele, bis ich einem Bilderbogen gleiche. Wind stößt mir mild in die langen Haare, streichelt mir einzelne Strähnen aus der Stirn. Ich genieße es unendlich, jetzt hier sein zu dürfen, in dieser Frühlingssonne, mitten im Dezember. Auch das Kleine bittet um Beachtung. Winzige Trichter-Flechten bewachsen den Sandstein. Strukturwunder, die Minimalisten unter den Pflanzen.

   
  
Als ich noch ein Kind war, unternahmen meine Eltern mit uns Kindern lange Wanderungen durch die Wälder. Hier, an diesem Ort, war ich zuletzt als Dreikäsehoch. 

  
Ich freue mich unbändig darauf, meinen Eltern, die nicht mehr gut laufen können, diese Bilder zu zeigen. Sie werden die schönsten Erinnerungen in ihnen wecken und sie werden noch etwas anderes mit ihnen tun: Sie werden sie daran erinnern, dass sie uns Kindern das Geschenk der Heimat zu Füßen legten wie eine schlichte Gabe, die nach den tiefen Wäldern der Freiheit duftet. Ich schenke ihnen meine Dankbarkeit zurück. Auf stille und auf unaufdringliche Weise. Das Kind ist erwachsen und hat über den unbeständigen Jahren, die es auf Wanderschaft ist, viel über das Wesen des Glücks gelernt.
   
   
Verirrungen und Umwege gehören zu Wanderungen dazu. Sie sind sportliche Herausforderungen und fragen nach Zeiten ohne elektronische Navigationssysteme. Sie schulen den Orientierungssinn. Es ist gut, darüber zu lachen im vollen Bewusstsein, dass es wichtig ist, stets zu wissen und immer wieder neu zu lernen, wo man ist und wo man steht. Sich immer wieder neu auszurichten und zu orientieren. Das Alte zu hinterfragen und sich vor allem wohl gesonnen zu bleiben, wenn die Füße ein paar Kilometer Umleitung laufen müssen, um wieder auf den Weg zurückzugelangen, der nach Hause führt.

  
Zuhause, das ist dort, wo das Herz lebt und liebt im besseren Wissen, dass es überall, wo es darauf vertraut eine Heimat zu finden, auch immer ein Wenn und ein Aber gibt. 

Ich bin zuhause.

Angekommen.

  

——
Liebe Blogfreunde, dies ist mein letzter Eintrag in diesem Jahr. Ich nehme Euch gedanklich mit auf diese heutige Wanderung, die eine ganz besondere für mich war. Eine Reise zurück in die Kindheit, eine Erinnerung an wunderbare Gespräche und Begegnungen mit Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind. 

Es bedeutet mir sehr viel, dass es das so geben darf für mich.

In diesem Jahr sind mir viele neue Freunde gefolgt. Ich kam noch nicht dazu, Eure Blogs eingehender in Augenschein zu nehmen und ich kann nicht jedem von Euch gerecht werden, auch wenn es mein Wunsch ist, das zu wollen, etwas von dem zurückzugeben, was Ihr mir gebt, wenn Ihr meine Beiträge stille lest oder ihnen ein „Gefällt-mir-Sternchen“ verpasst oder wenn Ihr mir sogar eigene Worte in Euren Kommentaren schenkt. 

Wie Ihr mir signalisiert, dass Ihr da ward, dass ihr mich gesehen habt oder gelesen, bleibt Euch ganz selbst überlassen. Ich freue mich sehr über Euer Interesse.

Mein Blog hat in diesem letzten Jahr so viele neue Follower wie vorher nie erfahren. 

Ich danke Euch. 

Ihr wisst schon.


Habt eine gute Weihnachtszeit, macht das Beste daraus! Ob in Familie, mit Freunden oder auch allein. Kommt gut in das neue Jahr. Ich wünsche Euch von ganzem Herzen Gesundheit, Liebe und Licht. 


Eure Karfunkelfee

Die Ähren der Zeit



In den Sonnen das gleißende Feuer. Ein jedes eruptive blaue Flammen nährend. In der Bruthitze des Suggestiven der Schweiß, die Tränen, der Fleiß zukünftiger Taten aus der kalten erstarrten Asche der trägen glühenden Ströme bergab in das brennende Grün sich ergießend.

Alles fließend.

Auf den Feldern sich drehend gewaltige Mühlen, zerschneiden die Ähren der Zeit, trennen Spreu von Weizen, stehen niemals still. Wie rauschende Schwerter ihre riesigen Flügel, überspannenweit an unwirklichen Gebilden, Kunstnaturen, umfriedet von Form und Strukturen, das Wilde.

Im ewigen Eis zerbrechen erinnerte Landschaften, falten sich neue Berge auf, hundert Meter steil in die Höhe, bricht die Erde ab in tiefen frischen Wunden. Versinken Jahrmillionen in den Gründen der Stunden bewegter Oberflächen während des Erkaltens.
Der Wasserspiegel steigt. 
Die müden Deiche zu schwach.
Hoch hinaus wagt sich das Licht der Städte, Mond und Sterne überstrahlend. Unruhige helle Himmel bewegen die Schlafenden, bis sie vor Müdigkeit auf U-Bahn-Gleisen erwachen. Blasse verfrorene Gesichter fürchten einen totalen Stromausfall. Im März wird Tag zur unvollbrachten Nacht.
In den Sonnen das gleißende Feuer.
In eigener Sache: 
liebe WP-Admins, was habt ihr bloß jetzt wieder angestellt…?
Ich bat euch was zu machen, dass der Reader nicht mehr abstürzt. Dies tut er weiterhin frisch und unverdrossen, werde ich vom Blog geschossen!
Dafür habt ihr den Reader wieder mal noch komplizierter gemacht und noch unhandlicher als vorher und warum bitte bekomme ich unterschiedliche Schriftgrößen in einem Text angezeigt, der in einer Größe abgespeichert und eingegeben wurde…?
Ich verstehe das alles nicht mehr….
Always block a running system…😒
Die frustrierte Karfunkelfee

anders du

IMG_7288

Ich sagte es
dir heute
wie rasend stark
du wirklich bist
tausendpferdestark
inabertausendworten
ich sagte es dir
wie du manchmal
in der steppe rennst
so irrsinnig schnell
dass du
außer dir
niemanden
richtig erkennst
wie langsam er ist
eher maulfaul
müde abgeschlafft
ohne Saft
anders du
Paket Kraft
ich sagte es dir
heute
weil du an jemandem
etwas vermisst
damit du

daran denkst

Una und ihre Muscheln

klickmichgroß
IMG_7295

Una, eine aus dem Stamm ging mit einem der Ältesten auf Wanderschaft, um neue Fischfanggründe zu erschließen, neue Strände zu finden.
Una war oft unzufrieden mit sich selbst und dem Stammesleben. Sie mochte sich nicht leiden und weinte oft, verletzte sich selbst mit scharfen Werkzeugen, niemand wusste, warum sie das tat.

Darum wurde beschlossen, Una mit dem Ältesten eine Weile Neues erkunden zu lassen. Man erhoffte sich, dass das alltägliche Leben mit den anderen der jungen Frau leichter fiele, wenn sie eine Weile abgelenkt sei und neue Erfahrungen für sich sammeln könne.

Der alte Krieger, den Una begleitete bemerkte, dass sie dann und wann ihre Arme aufmerksam betrachtete. Sie waren vernarbt, viele inzwischen verheilte Schnitte, die nun unter der Sommerbräune umso fahler schimmerten.
Sie bemerkte seinen Blick und sagte, sie habe noch mehr davon am Körper.
Lustig, was?
Doch Unas Augen lachten nicht mit.
Der Krieger fragte sie ob sie Lust habe, sich auf etwas einzulassen.
Sie schaute ihn sehr erstaunt an und fragte was er denn meine?
Er fragte sie ob sie wüsste, wie viele Narben genau sie am Körper trüge?
Er habe genau 189 Narben an seinem achtzigjährigen Körper gezählt, davon mehrere Initiationsnarben an den Oberarmen, sowie 170 Narben, die er sich bei Kämpfen zugezogen habe, es sei schon sehr viele Frühlinge her, lachte er und seine Augen leuchteten übermütig wie die eines jungen Mannes.
Ob sie sich traute, die Narben an ihrem Körper ebenfalls zu zählen?
Ob sie mutig genug sei, der vielleicht hohen Anzahl ins Auge blicken zu können?
Dann fügte er hinzu:
Wenn du von einem Pfeilregen getroffen wirst, reißt es dich erstmal von den Füßen.
Du liegst blutend da, bist die erste Zeit bewusstlos und vor allem aber weißt nicht wo es dich überall erwischt hat.
Also verschaffst du dir einen Überblick.
Es sei gut und wichtig zu wissen, wo der Ursprung einer Verletzung läge, um sie einschätzen und die richtigen Heilwege für sich zu suchen.

Als sie den Strand weiter entlang gingen, die rauschende Meeresbrandung zur Rechten, bat er sie, ihm für jede Narbe, die sie an ihrem Körper fände, eine Muschel zu sammeln und mitzubringen. Das erleichtere das sachliche Zählen, wie sie das denn fände?
Una ließ sich darauf ein.

Noch am selben Abend brachte sie ihm die erste Muschel, klein und weiß in ihrer Hand. Der alte Krieger bewunderte die Muschel, ihren herrlichen Perlmutterschimmer, die feine Form. Una meinte dazu,, sie habe lange gesucht danach, wohl mehrere Stunden lang, bis sie die richtige Muschel fand.

Der alte Krieger fand Unas Muschelwahl klug.
Das Große sei doch nur ein Spiegel des Kleinen, sagte er und dann erzählte er Una von den riesigen Muschelbänken im Meer, eine Muschel wie die andere und doch jede einzigartig in winzigsten Veränderungen von Größe, Form und Farbe.
Behutsam zeichnete der alte Krieger die gewellte Rückseite von Unas Muschel in den filigranen Linien, Buchtungen und Wellen nach.

Am Ende ihrer Erkundungsreise, kurz bevor Una und der alte Krieger sich zur Rückkehr zum Stamm rüsteten, hatte er 135 Muscheln von Una erhalten. Alle waren der ersten ähnlich, klein, zierlich und schillernd, und jede einzelne unterschied sich merklich durch irgendein besonderes Detail von den anderen. Eine hatte Herzform, eine andere einen bläulichen Perlmuttschimmer, wieder eine andere hatte kleine Zacken auf der Rückseite ausgebildet und wieder eine andere Muschel erinnerte an ein menschliches Ohr – Una konnte dem alten Krieger über jede Muschel, die sie ihm am Ende eines Tages überreichte, etwas erzählen und sie voneinander unterscheiden. Sie wusste sogar bei jeder Muschel, wann und wo sie genau diese fand. Jede Muschel stand für eine blässlich schimmernde Narbe an Unas Körper.

Der alte Krieger sagte zu Una, das seien viele Muschelnarben für ein zwanzig Frühlinge zählendes junges Menschenleben.
Er bohrte Löcher in die Muscheln und fertigte eine Kette, die er Una am Tag ihrer Rückreise feierlich übergab.
Una freute sich sehr, denn die Kette war hübsch geworden, ein echtes Schmuckstück und das Perlmutt schimmerte bunt in der Sonne.
Der alte Krieger sagte, das sei ihre ganz persönliche Kette.
Jeder Mensch hätte eine Kette um den Hals, es sei gut zu wissen, aus was die Kettenglieder bestünden, es entschiede darüber, ob es ein Schmuck sei oder eine Fessel und an Una sähe er, dass sie die Kette als Schmuck trüge und das fände er sehr beruhigend.

Dann wollte er von Una wissen, warum sie nur kleine weiße Muscheln gesammelt habe?
Schließlich gäbe es am Strand auch große Muscheln, schwer, spitz und unhandlich.

Una erzählte ihm stattdessen, wie eigenartig es für sie gewesen sei festzustellen, wo sie überall am Körper Narben trüge. Bei manchen wüsste sie nicht einmal mehr, wie sie dorthin gekommen seien und wann.
Bei anderen hingegen wüsste sie es mehr als genau.
Ihr Gefühl habe ihr dazu geraten.
Du wolltest, dass ich Muscheln sammle, sagtest nicht, wofür du sie verwenden willst, sagte Una.
Darum sammelte ich kleine und leichte Muscheln, weil sie besser zu tragen sind und nicht zusätzlich zum Marschgepäck belasten, wer immer sie auch trägt.

Der Krieger, den Una nun schon ein wenig besser kennen gelernt hatte, dachte einen Moment lang auf seine besondere Weise nach: mit leicht zur Seite gelegtem Kopf und fest geschlossenen Augen.
Nach einer längeren Weile begann er leise zu sprechen:
Wir Menschen sind oft so unachtsam mit unserem Körper.
Jede Muschel, die dich schmückt, erinnert dich an Schmerz, eine folgende Heilung und dass du es überlebt hast.
Große und kleine Verletzungen des Lebens.
Der Krieger schützt seinen Körper, weil er seine wichtigste Waffe ist und kennt genau jede einzelne Verletzung, weiß, was er braucht, um gesund und kräftig zu bleiben.
Du darfst stolz darauf sein, einen solchen Schmuck wie deine Muschelkette zu tragen, sie ist einer wahren Kriegerin würdig, denn sie steht für den Geist, leben zu wollen und die Kraft, schon viele Schmerzen ausgehalten und überlebt zu haben. Das ist dein Sinn in dieser Welt: zu überleben.
mit und für die anderen und ein Krieger weiß, wie schnell sein Leben zu Ende sein kann und erkennt das Wesen des Schmerzes als ein Notwendiges, das ihn hinweist und warnt.
Seit dieser Zeit verletzte sich Una nicht mehr.
Ihre Muschelkette trug sie voller Stolz.

Diesmal für vielleicht immer…

Gedichte für Liebe und Frieden in der Welt.
Poesie gegen Gewalt, Terror, Krieg.
Herr Erdogan aus der Türkei: Ich bin sehr enttäuscht von Ihnen.
Hat Ihr Volk es wirklich so nötig, seine großen Tiefen und wahrhaftigen religiösen Gefühle zu schützen vor einer kleinen Karikatur?
🌍

❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️

2015/01/img_65742.jpg

Diesmal für vielleicht immer…

…werde ich geweckt, noch den Stift in der Hand, das Buch aufgeklappt auf dem Bauch, mitten in der Nacht, als der Schlaf zu gewaltig wurde und meinen Kopf in der Zeile zur Seite schlug.

…scheint die Sonne, ich gehe durch den Wald, trinke seinen Duft, die vertraute Stille vergrößert sich in den Schritten neben mir, die Bäume schauen zu.

…sind Träume Signale und Impulse und keine Monster mit gelben Augen, die unter Kellertreppen wohnen und mich in der Nacht fressen wollen.

…brauche ich keine Hoffnung so dringend wie Nahrung, weil ich von ihr erfüllt mit ihr lebe und nicht sie erst bitten muss, auf welche Weise auch immer, zu mir zu kommen.

…bleibe ich in der zyklischen Bewegung, bete ich das Rad an, weil es rund ist und rollt, fließe ich in Wasserinformationen in andere Kehlen, bitte sie mich zu trinken, wenn sie dürstet, spreche mit den Geistern, die im Feuer tanzen und frage den Wind um Rat und Weisheit, wenn ich, unsichtbar, tief in mir meine große Wüste quere.

…materialisiere ich mich, bin Fleisch, Blut und Erde, bin berührbarer Mensch, bin Körper, den ich immer wieder suche, wenn ich drohe geistig zu verfliegen wie ein Windhauch.

…ist Erdung Notwendigkeit zu überleben, suche ich Lebendigkeit in allen Dingen, will ich fühlen wie die Welt lebt, suche ich Menschen, die mich zurückbringen, wenn ich fortfliegen will mit den Zugvögeln
in der unbekannten Erinnerung eines fremden Südens.

Sol invictus

/home/wpcom/public_html/wp-content/blogs.dir/5ce/35671508/files/2014/12/img_59671.jpg

In der Polarnacht zeigt der geozentrische, unabhängig vom Standort gerichtete Blick den größtmöglichsten Abstand zum Äquator.
Der Atem der Sonne trifft in elektrisch geladenen Teilchen auf schwere Ionen in den oberen Schichten der Atmosphäre, Licht entsteht.
Aurora borealis strahlt spektralbunt in
die Wirklichkeit wie Zuversicht.

Die Wende tritt an allen Orten,
den Zeitzonen entsprechend,
zum gleichen Zeitpunkt ein.
Am Polarkreis
Tage ohne Sonnenaufgänge,
die Sonnenbahn verläuft
unterhalb der Horizontlinie.
Einzig der Schnee,
dessen Weiß das Licht des Mondes und der Sterne reflektiert.
Der Blick verliert sich in den glitzernden Weiten.
Das Wort Ewigkeit in den kürzesten Nächten des Jahres wird in Eis geschrieben.
Es ist bitter kalt.

Mitten durch die Sonne hindurch,
die Erdachsen gedacht verlängert, verläuft senkrecht äquatorial stehend,
die Solstitiallinie,
die Positionen der Erde miteinander verbindend,
zum Zeitpunkt der Sonnenwenden.

Zur Sommersonnenwende
wird der Tod geehrt,
welcher kommen wird,
das Leben mit sich nimmt
mit dem schwindenden Licht.
Wintersonnenwende bringt das Lächeln des hoffnungsvollen Frühlings zurück auf die vor Kälte und Dunkelheit verkniffenen Lippen.
Sonne entsteht neu,
sagen die Alten,
tragen offen ein hoffnungsvolles Lächeln im Gesicht,
loben die kommende Tage
in den schwärzesten längsten
Nächten des Jahres,
im stillen dankbaren Wissen
um das Tag um Tag
stärker und heller
werdende Sonnenlicht.

Sol invictus.