samtschatten

finde keines
deiner bleichen haare mehr

zu lang her
berührte sie
meine hand
dicht an dicht

nächtlicher kavalier
höflich um erlaubnis fragend
hochbeinig um meine bettkante

dann du
so bonvivant
und dein schnurrzittern erst!

zutiefst

zufrieden

sich in mein blindestes gewebe schlich
darin noch auffindbar
deine feinen haare

nun nicht mehr.

alma’s ros

starkfrequentes gleichstromrauschen
wasser mäßig
rinnt vom dach  dunkel

es donnert          der baum da

weint sich in düstergrau hinab

in strömen

auch das
trübe
fensterlicht  sprich –

tränen sind der reine tau der seele
in der gosse vergangener liebe.

Für Christiane und Herrn Textstaub: Aus der Dämmerung, ABC-Etüden

Liebe blogfreunde, 

Eine Unruhe im blogland hat mich aus der Versenkung geholt, in die mich verkrieche, weil ich an Buchprojekten arbeite. Keine Zeit zu bloggen. Bücher schreiben geht vor.

Aber…

…denkt nicht, dass ich mich nicht dafür interessiere wie es Euch geht. Im Moment geht es jemandem schlecht, dessen Kunst ich sehr mag. Eine blogfreundin übernahm sein schönes Mitmachprojekt, die A-B-C-Etüden und setzt es mit seiner bildlichen Unterstützung und in seinem Namen fort. Das hat mich sehr gefreut. Es ist ein schönes Projekt. Die Kunst ist wichtiger und bedeutungsvoller als menschliche Kleinlichkeit und Beengtheit. Ich kann allerdings Menschen verstehen, die Übergriffigkeiten nicht ertragen wollen oder können und sich dem entziehen. 

Ich bin traurig, weil wir hier von belesenen und gebildeten Menschen sprechen. Das ist die Spiegelung der kleinsten destruktiven Struktur. Mehr mag ich dazu nicht sagen. 

Ich möchte mit folgendem Text zum Projekt beitragen und bedanke mich auch herzlich bei der Wortspenderin gingerpoetry vom blog wortwabe, Herrn Textstaub mit seinem ganz besonderen blog und der Projektgastgeberin Christiane. Herr Textstaub führt einen privaten blog, erlaubt auf Anfrage ihn zu lesen.

So, nun begebe ich mich wieder ins stille fleißige Off und wünsche Euch frohe Ostertage.

Eure Karfunkelfee

Treppenstufen Milchkaffee Komm!

Aus der Dämmerung

Sonne fließt aus ihrem Morgenrotversteck in die noch milchigen ungeborenen Schatten und schwärzt sie für ihr Tageswachstum. Die Nacht ist ein adrenalinschwangeres Überbleibsel, das der Mond gekonnt auf sie drauf fallen ließ; denn sie hat sich auf dem Grund der blauen Porzellantasse aus Kasachstan zerschlagen lassen in lauter ihre ureigenen Menschensplitter. Sprödeheiß dampft finstere Versuchung an ihre rostigen Lippen und sie schüttet frischen Maimilchrahm in den Schwarzsud, doch Milchkaffee ist schaumig getarnte Schwalbenflügel, die in verräterisch heißer Nachtglut simmern. Der erste Schluck beißt sahnig in ihre Gierzunge. Langsam kriechen die Schattenhörner höher, ein Lichtfinger streift das weiß gefrorene  Dach. Sie friert erbärmlich, doch will am liebsten den Zwielichtmoment des Morgens in einen Buchfinkenschlag auskosten, obwohl sie genau weiß, dass sie sich auf den kalten Treppenstufen ihren Unterleib verkühlen wird. Der Milchkaffee verbrennt in ihrem Kasachstan ein goldenes Morgensonnenfeld. Sie ist eine Flammenlache. Eine Stimme befiehlt: Steh endlich auf und komm! Sie folgt den Feuerworten ohne Widerspruch und Verneinung aus der Dämmerung.

ABC-Etüden: Zartbitter

Liebe blogfreunde,

Textstaub ruft zur ABC-Etüde, die Fee reagiert auf solch Wünsche über Wohlwerte buchstäblich mit einer innigen Textverknappung in zartbittersüß.

Liebe Grüße von der Karfunkelfee

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3 Worte ein Gedicht: zartbitter

Schokolade, Bücher, Geduld

Für Margot M.

Die hauchdünne Zartbitter war von der Wärme ihrer Haut in der Nacht geschmolzen. Sie schlief mit einer Hand unter ihrem Po. Am nächsten Morgen kribbelte der Arm und ihre Hand hinterließ in den blind aufgerissenen Büchern schokoladig schmelzende Fingerabdrücke, die sie mit viel Geduld später aus den Gedichten wieder herausleckte. 

Caruso

Liebe blogfreunde, heute inspirierte mich Tausend mal wieder. Sie hat ein altes Lied wiederentdeckt, das ich beinah vergessen hatte. Ich blogge es hier heute im Anschluss und verlinke auch noch einmal in Tausends blog.

Das Lied erinnerte mich an meinen Kanarienvogel Caruso, der mit fünfzehn stattlichen Jahren vor drei Jahren an Altersschwäche starb. Erst heute ist mir klar geworden wie sehr ich Käfighaltungen mittlerweile gänzlich ablehnend gegenüberstehe. Caruso war eine besondere Vogelpersönlichkeit. Dies ist ein Text von bereits einigen, die ich meinem gefiederten Freund und langjährigen Lebensbegleiter widme.
Der Bildauszug stammt aus dem Bild ‚Sphinx‘, das mir ein malbegnadeter Künstler schenkte. Der gelbe Vogel stellt Caruso dar.

Gruß von der Karfunkelfee

50 Liebes-Sonette für Frey’ja 

Numero 20

Caruso

Kein Käfig kann deine Wildheit zähmen.Die Zeit der Gefangenschaft ist vorbei.
Du bist frei, mein Freund.

In jeder orangenen Feder schwebt deine Botschaft
blieb lang deiner warmen Heimat entrissen, Exilvogel.
Wie oft hast du in diesem kalten Land gefroren?

Wie verzweifelt hast du nach Antworten in deiner Sprache gepfiffen?
Dein längster Gesang war 34 heiß schwärmende Strophen lang.

Er klang so leicht, so unbefangen
für menschliche Ohren.

Dabei war jeder kanarische Ton
ein Notruf nach Artgenossen.

Sogar in eine Meise warst du mal verschossen.

nehrungen

50 Liebes-Sonette für Frey’ja
Numero 18

ein kreuzstrahl gewitterblitzlust
im donner drummelt die flugschwinge
langwieweit
im windschreiten
einleer
füllt ganzmeerig in lichtlichkeiten
in neinsein
dochtet altzeitmief mit lautbeworbenem neuzeuch

schubflügelei ist dieswohn im besten sinn…
wie schön das?

wie höhefrönt in atemlosen schwichtungen
in allnachttagträumen
der zeitfall des kleinwarmen
unsättlich
stäubt umsamt korn an korn
nahaftig…

winzigstwichtige in starkstromscherben
zündelzüngeln
wider um wider
klarläugen obschein
in fehlfarbene wildwunden wahlnarben
rechnerisch wie belegbrotige zahlensammelstellen

verwahrtragen

den krumenrest in stummfelssaft zerfließen ihn zu vergehgoren und schlürfschlingen
bis zum blindwurmigen neigefortsatz mundmagersüchtige in geigengier

inbesehen
verstehen um verwendbarwerte
wiegwägt sich schwingvoll
ruhraunend flehtrachtet friedlieb sonderlos
bekittet das brüchigholz sich in reinrahm

sanftsondert zeitfreien hagerosig und bannhüllt ein seligsüß
in heilsangsamtenes

rotweichkniet einsamschleicht im dadringleiten schwingt lang wie weitbreiten
überhand
ein eisig hell
allwegfahren den still zwischenzeilzeisenden über erahnbares
wie wolkenweise wie weitwehriebig

blautäubt ein superneonschrei baucht in schwerblütigbläuernen dufthyazinthen im supermarkt,
sie dochten alle, dochten nur drei
wollwohnend wie blumige muskelviecher
freimaulend

resten aurorige blühnasen saumseelige
trugen bliebliebst
das schwärig schwundnahte in geilen preisen
weilwohlig minifein sittet
so fortwärts weilig
weil…

ein samsam limmernd streifsand im ganzmondmeer in die offendunklichten nehrungen des dochtwindes hinüberschwebt….