Efrauzipation

Danke, das kann ich schon selbst, ich brauche dich nicht dazu! Herrscht jene andere Dame den mir vage bekannten Herrn an, der ihr die Tür aufhalten will, die mir als Nachfolgender prompt heftig vor den Kopf knallt. So gesehen, hätte ich von Anfang an keine Chance gehabt. 

Solchen zu nah auf dem Fuße zu folgen, hätte Beulen und Kopfschmerzen als Resultat fremder Uneinigkeit zur Folge, lernte ich. Am vertrautesten selbst ist es doch sich so frei zu bleiben, vergnügt lächelnd auf leichtem Fuß gemessen durch ritterlich aufgehaltene Türen zu schreiten wie eine echte Königin.

Die Blasphemie der Schwäche

 

 

Wäre es naturgewollt, dass Frauen sich verschleiern, wäre die Sonne mit schwarzen Tüchern verhüllt, weil es jemandem gefiele, dass sie ihm gehöre. Wäre es vorgesehen, dass einer Frau weniger Bildung zustünde als einem Mann, wäre das Höhere, das was Menschen Religionen nennen, geschlechtlich zuzuordnen. Unterjochte sich ein Glaube den Traditionen menschenüberlieferter Grundsätze, wäre es kein freie Glaube mehr, sondern ein gemeinschaftliches Lebenskonzept mit einer übergeordneten Gewalt, an die die Schuld, ihre Sühne und die Verantwortung delegiert wird.

Sich eine übergeordnete Gewalt zur Seite zu stellen um seine menschlichen Schwächen und die Unfähigkeit der Triebkontrolle dadurch zu entschuldigen, dass man das Objekt seiner Begierden allen Blicken entzieht außer dem eigenen, entbehrt den Willen zur Selbstkritik im Widerstand gegen sich selbst. Somit dient die religiöse Erklärung zur Notwendigkeit, Frauen auch zu ihrem eigenen Schutz zu verschleiern der Bequemlichkeit sich seiner Schwäche nicht aussetzen zu wollen und der Bereitschaft, andere für die Durchsetzung dieses Willens in ihrer Freiheit zu kasteien und zu beengen. Es ist die Blasphemie der Schwäche, den Glauben zur Schutzgelderpressung zu zwingen. Der Preis für die Unversehrtheit an Körper, Geist und verkorkster Moral ist das schwarze Tuch vor dem Gesicht. Eine wahre Opfergabe für das Paradies, in dem Frauen keine Schleier benötigen, weil sie die Schwäche der Männer nicht zu fürchten hätten, weil ihr Gott dort keine standesrechtlichen Unterschiede in Jäger und Beute aufteilt und weil sie dort den Verführungen nicht auflauern, sondern begegnen und sich, bei allem Respekt ,eine unverhüllte Wahl erlauben dürfen.

—-

heul doch



durfte 
nicht mitspielen

wolltest

dass ich von dir
weggehe
ich sei langweilig
sagtest du

wolltest
dass ich mir
eigene 
freunde suche, 
ein eigenes leben
das tat ich.
und jetzt?
heul doch

Wunsch 




mach mich weich

hol  hervor
was ich 
am liebsten habe
sei um mein
tiefst innerlich
wie eine honigwabe 
mach mich
sprachlos
mach mich gleich
dulde meinen
wilden stolz
bin ich schwer
bist du leicht
genauso ist es
umgekehrt
die wippe 
ist aus 
gutem holz
ohne zwingen
ohne binden
bräuchtest du 
mich nicht zu schinden
um deines lieben
friedens willen
könntest du
was du dir wünschtest
in dem 
was ich dir gäbe
stillen
mach mich sanft
mach mich reich
wünsch uns
viel vertrauen 
wo einer nach dem
andern fragt
ist gut 
sein haus
zu bauen.

Was ein Erwachsener nicht weiß

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Bert Brecht ist zu Besuch. Er will wettdichten mit mir, er will mich provozieren, weil ich ihm ständig widerspreche. Außerdem ärgere ich ihn manchmal mit dem alten Ulbricht-Brief, damit kommt er bis heute nicht so gut zurecht.
Vielleicht hat Bert deswegen dieses Gedicht dabei. Er sagt, es sei ein Experiment. Ich: Ruf den Hanns an, der komponiert was dazu. Bert verzieht keine Miene. Im Gegenteil. Jetzt macht er auf hochintellektuell und knibbelt mit den Augen. Hör mir schon zu, befiehlt er mir. Eines muss ich sagen: Wenn so einer wie Bert Brecht zu mir sagt: Hör zu!, also dann lausche ich. Still, andächtig, voller Dankeschön.

Er liest mir ‚Was ein Kind gesagt bekommt‘ vor und anschließend schweigt er irgendwie betroffen.
Darf ich? frage ich Brecht und schaue ihm vor die dicken Brillengläser.
Nein, antwortet er, Du sollst.
‚Sollst‘ knallt wie eine Peitsche. Von wegen Musenküsse…

Ich sammele mich und wir schweigen in die Tagfrühe hinein. Er lässt mich nicht aus den Augen, ich bin sein Insekt auf dem Objektträger, seine respektlose Exotin aus der Neuzeit.
Draußen singt eine Amsel. Ich spinne meine Haare um meine Finger, oder streiche sie mir nach hinten, das mache ich manchmal, unbewusst, wenn ich angestrengt nachdenke, dann biete ich ihm Kaffee an. Nix da, sagt Bert Brecht und hebt mahnend den Zeigefinger.
Es ist drei Uhr morgens, Mann! poltere ich los.
Das ist ein böser Fehler. Intellektuelle darf man nicht so anbollern. Die werden dann total theoretisch und stockstarrsteif. Brecht bildet da keine Ausnahme, er doziert direkt los, als hätte er einen Ladestock verschluckt:
Die Kunst schläft nie!
Aber Stefanie…
Dann grinst er. Einfach unverschämt.

Am liebsten träte ich ihm mal vors Schienbein, aber elegant. Wie beiläufig und ohne Anlauf zu nehmen…
Doch er ist schließlich mein Lehrer und Mentor oder etwas in dieser Art und er hat mit Frauen, wie es scheint, irgendein Verhaltensproblem. Verklemmt? denke ich an das, was ich ihm sagen wollte und sehe Brecht hilflos an.
Ich muss wütend werden und frage ihn, ob er den alten Ulbricht- Brief endlich aufgegessen hat, verinnerlicht sozusagen…
Das wirkt,
Brecht kommt sofort hoch vom IKEA-Sessel. Wie das HB- Männchen.
Das sei total respektlos, grimmt er düster.
Na, warte, kommt es dann stirnrunzelnd, dich kriege ich auch noch am Schlafittchen!
Das brauchte ich, um endlich loslegen zu können und rezitiere als Antwort auf sein Gedicht, was ein Kind gesagt bekommt, wegen der schlafenden Nachbarn schön moderat und leise:

Was ein Erwachsener nicht weiß

Der liebe Gott ist so blind wie du selbst es bist.
Für alle Fälle gibt man.
Die werden alles, die für sich selbst taugen.
Schmökern gefährdet die Dummheit.
Kohlentragen war gestern.
Die schöne Kinderzeit bleibt lebendig in jedem neu dazu gelernten Kinderlied.
Man lacht mit den Gebrochenen.
Im Widerspruch verbirgt sich das miteinander sprechen.
Man fragt die anderen, bevor man sich etwas nimmt.
Sonntagsspaziergänge machen müde und schlapp, wenn sie zu lang sind.
Zum Alter ist man bewusst, ohne einen Narren aus sich machen zu lassen.
Süßigkeiten verführen in dem Maß zum Ungesunden, wie man die Lust nicht wie eine schöne gierige Raubkatze diszipliniert. Süßigkeiten sind Fleischbröckchen für den hungrigen Panther.
Spring!
Kartoffeln machen einen dicken Kartoffelbauch, wenn man zu viele davon isst.
Ein Erwachsener lässt sich das Maul nicht verbieten. Er spuckt auf den Tisch und fragt sich anschließend, was er jetzt schon wieder falsch gemacht hat, weil alle ihn meiden.

Bert ist zufrieden, wie er sagt.
Bevor er geht, morgens um fünf, dreht er sich noch einmal in der Tür um.
Bertolt Brecht kann durchdringend kucken. Das tut er jetzt. Still wie ein Brunnen tief, in dem die Wahrheit ruhig schlief, flüstert er mir zu und es hat etwas Magisches, wie er mich ansieht, im Rücken das Morgengrauen, schlicht, wie der kommende Tag. Ein Wort nur: Spring!

Gedichtquelle:
http://www.musgym.salzburg.at/Deutsch/literatur/Brecht-was_ein_kind_gesagt_bekommt-2011/brecht-kind.html

Oum – Lik

Poesie für mehr Liebe und Frieden in dieser Welt.
Musik für Kriegsopfer.

🌍

(Übersetzung aus dem Arabischen hier:http://lyricstranslate.com/de/lik-you.html)

To You

I wanna tell you so many words.
I wanna sing to you many melodies.
I want you to see yourself in my heart and be satisfied.
I wanna confess to you and say how much I love you.
With you, I’ve lived, dreamed, wished, and achieved, and still…
I wanna travel and see the world, the oceans and mountains.

[Chorus:]
Today, I’m standing, opening my soul to you.
Today, everything within me, I bestow upon you.

Asking my Lord to give you whatever you wish.
I wish I could be near you, rather than wait for you.
With you, I’ve sung, danced, laughed, cried, and played and still…
I wanna feel, and taste, and revive my soul, and rest my mood.

[Chorus]

I love the light that dwells within your eyes.
I opened my Book of Life, and wrote the letters of your name in it.

Michael Brown – Ein Nachruf mit Fragen

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Kein Kind mehr
nur beinahe noch
das erschossen wurde
weil es zu trotzen wagte
auf der Straße rannte
bevor ihm zehn Kugeln
das Leben aus dem Körper brannten.

Was sind zehn Kugeln
im Vergleich zu einem
Faustschlag ins Gesicht?
Einer unprofessionellen
Gewissenlosigkeit
in der Immunität
der gewissenhaften Ausübung
der Staatspflicht?
Die Schande des weißen
Kindertraumas
trägt vielleicht ein schwarzes Gesicht?

Kein Grund,
urteilen Geschworene,
schwarz wie weiß,
nicht zu schießen,
geht es um das eigene Leben,
dürfe ruhig Blut fließen,
Blut für das
amerikanische Gewissen,
der Oberleitwolf
lässt wie üblich in der Angelegenheit,
jeden persönlichen Einsatz schmerzlich vermissen,
lässt ausweichend zu,
dass die, die trauern, die wüten
nach Aufklärung verlangen,
die Fahnen der Anarchie hissen,
plündernd und anklagend,
auf gewaltvolle Weise nach Gerechtigkeit fragend,

Soll dies wirklich der einzige Weg sein können ihnen zu begegnen
wie einem unartigen Kind?
Zu diesem amerikanischen Problem werden besser keine Fragen gestellt.
Justitia ist sowas von stockblind!

Martin Luther King,
hatte einen Traum,
es gab ein kleines Dorf dafür,
das war ein Ghetto-Raum
in schwarz mit wenig weiß
Farbenfragen verursachen politisch fragwürdige Grauzonen
in denen
Tote ohne Würde, Respekt und Hoffnung wohnen
Wie unmäßig hoch ist dieser unwürdige Preis
einer illusorischen Freiheit?

Kann es etwas Schlimmeres geben,
als dass Eltern ihre Kinder überleben…?
Ja.
Ihre Trauer, ihre Fragen abzulehnen
und von ihnen,
hohle Beileidsphrasen dreschend,
konsequent
wegzusehen