Verwunschener Advent

 

….  hier geht es entlang…bitte folgen…✨✨✨…..

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Waldhallen

Bei 1 Grad plus auf dem Mountie wird es frisch. Eine Stunde Tour de Natur. Erste halbe Stunde bergan schwitzen. Zweite halbe Stunde bergrunter frieren. Trotz fünf (!) Pellen übereinander. Doch es hat sich gelohnt. 

Eine Stunde lang bis auf einen Wanderer keine Menschenseele. Der Wald ist ganz still heute. Der Habicht unterwegs. Seltsame Zeichen im Wald. Ein siebenzackiger Stern. Seltsame Symbole oben auf dem Kamm in den Sand des Weges geritzt. Die Bäume leuchten, meine Reifen rascheln leise über den dicken Laubteppich. Stiller November, Wind kontemplativ zurückhaltend. Bestenfalls Gesäusel. Beginnt bergab in den Ohren zu pfeifen und zu johlen.

Ich könnte immer weiterfahren. Mein Mountie-Geist ist ein solider Gefährte, verlässlich sogar an rutschigen Steigungen. Ich vertraue ihm gern. Bergrunter will er immer schneller als ich. Sonst ist er aber (fast) folgsam. 

Es hat oben auf dem Kamm zwei Bäume umgerissen, weiter unten im Wald lag noch einer quer. Entwurzelte Bäume würde ich gern wieder einbuddeln können…

Rein theoretisch

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Jetzt nehme ich dich an der Hand und ziehe dich mit auf den Weg. Die verspäteten Schlehen. Noch schaffe ich es nicht, mit dir in dieses bittersüße schlichtweiß besternte Vergnügen hoch zu gehen. Es säumt den Berghang und du kannst, wenn wir dort oben stehen, grenzlos überland sehen. Heute genügt uns ein anderer Berg. Nicht so hoch, doch jeder einzelne Schritt steilan, ist ein Schritt in die Erkenntnisse künftiger Zeit. Die Buchen sind noch nicht so weit, alles noch kahl auf den hellen Lichtungen. Der Specht hat sich entschieden, klopft an den Baum, träumt einen blau gefiederten Traum vom nährenden Vertrauen. Es ist ein kleiner Wurm, versteckt hinter Rinde. Es ist weiß, ungeschützt und blind. Ein Kriechtier, das sich entdeckt fühlt und schnell versteckt. Riechst du den Wald? Die Farne entfalten sich bald, noch sind ihre Schösslinge eingerollt, verzagt im Kern. So gern zart, verhalten und still ist dieser Duft, dass er sich von der Nase kaum erahnen lassen will in Spuren. Reich die Luft vom Holz, in der Herznote leben grünende Fluren deutlich auf. In der tieferen Basis schwingt Moos und Erde. Siehst du das Blau zwischen den Bäumen? Fahl vom Erwachen wie es die hohen Kronen mit Wolkenschaum säumt? Das transparente Licht zwischen Stämmen ist eine überirdische Schau. Wie vermisste ich diese Wege, dieses Atmen und die Stille. Dass du jetzt neben mir her läufst, bloßer Wunsch und Wille, weiß ich genau, na und? Kein Grund, hier nicht mit dir zu träumen. Hier darf es sein, in diesem Frühling, im ersten Widerschein  langatmigen Lichtes.

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Reich mir die Hand, her mit der Kraft, denke ich und schenke all mein Wollen dem rollenden Stein vor unseren Füßen. Bald schon kann ich ihn wieder mit dem Fuß vor mir herkicken. Dem Kuckuck einen weiß kalkig klickernden Gruß schicken, in steter Bewegung neben dir her oder um dich herum fließen. Mit den Vögeln im Wettstreit pfeifen, ohne ein einziges Wort von dem was sie singen, zu begreifen. Der Fink schlägt. Genug der lenzbeflissen geschliffenen Worte, bevor sie allzusehr ins Kraut schießen. Bewegt beobachte ich wie sich alles aus einem langen Schlaf heraus regt, erhebt und wächst. Der Waldboden unter unter unseren Füßen so nachgiebig, federnd, schwarz und weich. Wir haben Glück, heute hier zu sein, Frühling macht reich, indem er sich an unsere vom Winter verletzten Eispersönlichkeiten heranschleicht, verführerisch  in seinem warm erblühenden Versprechen, im Aufbrechen der Knospen an kahlen Zweigen. Er bettelt uns jung, er bedeutet uns in keimenden Fußnoten in Leichtigkeit zu schweigen, uns ihr hinzugeben. Das den Boden  bedeckende alte Vorjahreslaub will uns sagen, dass wir nur einmal leben, wenn auch viele Jahre jedes Mal erneut, erinnert es uns raschelnd daran, dem Frühling vor allen anderen Jahreszeiten mit kindlichem Herzen zu begegnen und ihn zu bewahren. Was der Herbst uns gestern nahm, gibt der Frühling heute zurück. Du teilst dies rein theoretisch mit mir. Ich weiß, ich habe Glück.

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Licht und Liebe

   
    

  

  

Das Jahr läuft Revue. Es hat sich Frühlingsklamotten angezogen und kurz vor Weihnachten sehe ich unterwegs eine japanische Kirsche in vollem Blütenprunk.  
Es war schön, nach all der Arbeit, Stress, den kleinen und großen Sorgen, den Alltagspflichten und schlaflosen Nächten, dem Druck heute zu entkommen.   
    
 
Der Wunsch nach Natur war längst übermächtig geworden. Kann die Dankbarkeit sie gesund zu erleben, sie in voller Bewegungsfreiheit zu genießen maßlos sein? Alles kann maßlos sein. Doch meistens wird dieses Wort im Zusammenhang mit negativen Dingen verwendet. Maßlose Dankbarkeit zeigt sich in einem euphorischen vor Glück überquellenden Herzen und durchdringt Muskeln, Nerven, Mark und Knochen. Das Glück wird bebildert an jeder erdenklichen Wegecke. Es zeigt sich groß und mächtig in 80 km entfernten Aussichten bis ins Sauerland,
  
 in kraftvollen Momenten an alten mystischen Kraftorten, wie es im Teutoburger Wald so viele gibt. Die alte Antoniuskapelle ist dem heiligen Antonius geweiht. Er wurde liebevoll„Tönis“ genannt und so kam der Tönsberg im Teutoburger Wald zu seinem Namen. Im 15. Jahrhundert diente die alte Kapelle einem Mönch als Enklave und wurde in den Dreißiger Jahren restauriert. Heute ist sie eine offene Ruine. Als ich in ihr stehe, spüre ich vieles. Wie so oft drängen die Jahrhunderte nah an mich heran. Irgend jemand hat einen kleinen Steinhaufen in eine der Mauernischen gebaut. Ein großes Holzkreuz symbolisiert die Säkularisierung eines Ortes, der in seinen Schwingungen weit über jeder Religion steht. Hier fanden sich viele Geister zusammen. Kein Wunder, dass die Kirche über so etwas eine Oberhoheit ausüben will. Doch das, was erhalten blieb in den alten Steinen, überdauerte alles. Säkularisierung, Oberhoheit und Machtdenken. Die alte Ruine ist von Föhren umgeben. Der Wind rauscht friedlich in den hohen Kronen. Rechts vom Weg öffnet sich der Blick über das weite Lipperland mit seinen kleinen Dörfern. Am Horizont verschwimmen blau die Berge des Weserberglandes. 
   
    
 
Als ich innerhalb der alten Mauern stehe, höre ich viele Stimmen aus der Vergangenheit. Sie hoffen, bitten und wünschen. Sie singen mit dem Wind in den Bäumen. Es ist ein friedlicher guter Ort, er gibt mir Hoffnung für alles Kommende. Ich spüre Verbundenheit und Kraft.

   
  
Die Wege im Wald sind teilweise matschig und schlecht begehbar. Wie die Wege des Lebens. Auch in ihnen sinke ich zuweilen ein und mache mir die Schuhe schmutzig. Meine Schuhe sind leichte, dennoch solide Lederboots. Ich habe sie wie meine eigene Haut sehr gut imprägniert gegen die Nässe und die Pfützen im Wald. Haut will gepflegt werden. Ob tot oder lebendig. Auf der Bank in der Sonne mit der weiten Aussicht über das Land Richtung Paderborn genieße ich die guten Gespräche, die das Leben mir schenkt.
  
Sie sind offen, menschlich, tiefgründig, vertraut wie die Menschen, die mir begegnen und nahe kommen in allem was und wie sie sind. Ihr Vertrauen ehrt mich. Mein Blick schweift über die weite Landschaft. Ich sehe einen großen Ilex, eine Stechpalme. Einsam steht er im niedrigen Gebüsch, ragt trotzig heraus. Die Erdfarben vermischt mit dem klaren Himmelsblau tränken die Leinwand meiner Seele, bis ich einem Bilderbogen gleiche. Wind stößt mir mild in die langen Haare, streichelt mir einzelne Strähnen aus der Stirn. Ich genieße es unendlich, jetzt hier sein zu dürfen, in dieser Frühlingssonne, mitten im Dezember. Auch das Kleine bittet um Beachtung. Winzige Trichter-Flechten bewachsen den Sandstein. Strukturwunder, die Minimalisten unter den Pflanzen.

   
  
Als ich noch ein Kind war, unternahmen meine Eltern mit uns Kindern lange Wanderungen durch die Wälder. Hier, an diesem Ort, war ich zuletzt als Dreikäsehoch. 

  
Ich freue mich unbändig darauf, meinen Eltern, die nicht mehr gut laufen können, diese Bilder zu zeigen. Sie werden die schönsten Erinnerungen in ihnen wecken und sie werden noch etwas anderes mit ihnen tun: Sie werden sie daran erinnern, dass sie uns Kindern das Geschenk der Heimat zu Füßen legten wie eine schlichte Gabe, die nach den tiefen Wäldern der Freiheit duftet. Ich schenke ihnen meine Dankbarkeit zurück. Auf stille und auf unaufdringliche Weise. Das Kind ist erwachsen und hat über den unbeständigen Jahren, die es auf Wanderschaft ist, viel über das Wesen des Glücks gelernt.
   
   
Verirrungen und Umwege gehören zu Wanderungen dazu. Sie sind sportliche Herausforderungen und fragen nach Zeiten ohne elektronische Navigationssysteme. Sie schulen den Orientierungssinn. Es ist gut, darüber zu lachen im vollen Bewusstsein, dass es wichtig ist, stets zu wissen und immer wieder neu zu lernen, wo man ist und wo man steht. Sich immer wieder neu auszurichten und zu orientieren. Das Alte zu hinterfragen und sich vor allem wohl gesonnen zu bleiben, wenn die Füße ein paar Kilometer Umleitung laufen müssen, um wieder auf den Weg zurückzugelangen, der nach Hause führt.

  
Zuhause, das ist dort, wo das Herz lebt und liebt im besseren Wissen, dass es überall, wo es darauf vertraut eine Heimat zu finden, auch immer ein Wenn und ein Aber gibt. 

Ich bin zuhause.

Angekommen.

  

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Liebe Blogfreunde, dies ist mein letzter Eintrag in diesem Jahr. Ich nehme Euch gedanklich mit auf diese heutige Wanderung, die eine ganz besondere für mich war. Eine Reise zurück in die Kindheit, eine Erinnerung an wunderbare Gespräche und Begegnungen mit Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind. 

Es bedeutet mir sehr viel, dass es das so geben darf für mich.

In diesem Jahr sind mir viele neue Freunde gefolgt. Ich kam noch nicht dazu, Eure Blogs eingehender in Augenschein zu nehmen und ich kann nicht jedem von Euch gerecht werden, auch wenn es mein Wunsch ist, das zu wollen, etwas von dem zurückzugeben, was Ihr mir gebt, wenn Ihr meine Beiträge stille lest oder ihnen ein „Gefällt-mir-Sternchen“ verpasst oder wenn Ihr mir sogar eigene Worte in Euren Kommentaren schenkt. 

Wie Ihr mir signalisiert, dass Ihr da ward, dass ihr mich gesehen habt oder gelesen, bleibt Euch ganz selbst überlassen. Ich freue mich sehr über Euer Interesse.

Mein Blog hat in diesem letzten Jahr so viele neue Follower wie vorher nie erfahren. 

Ich danke Euch. 

Ihr wisst schon.


Habt eine gute Weihnachtszeit, macht das Beste daraus! Ob in Familie, mit Freunden oder auch allein. Kommt gut in das neue Jahr. Ich wünsche Euch von ganzem Herzen Gesundheit, Liebe und Licht. 


Eure Karfunkelfee

Auf dem langen Weg

Auf dem langen Weg die Freundlichkeit der zurückgekehrten  Schwalben in
tiefgrünen Baumreflektionen.
 
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In Gesteinsbrocken aufgebrochen schliert in sonnengleißenden Pfützen
dein zerlaufendes Gesicht wie von Ungefähr. 
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Schneeglöckchengedanken rudeln herum, graben sich durch das feine poröse Winterlaub. Sauberklar die Luft. Märzbleiche Sonne tränkt Winterwiesenduft in Vorahnungen helleren Grüns. Noch schont der kalte Wind die Farben, blassen hell die alten Narben. Noch sinnt der Geist in goldenen Garben vom vorjährigen Herbst. 
Noch singt ein alter Schmerz von längst vergangenen Tagen. Noch stellt die Seele Fragen nach dem Herz. Es hat so viel zu sagen. So weit die Füße auf dem Weg voran auch den Körper tragen, geht zu gleicher Zeit ein Teil der Gegenwart rückwärts und hütet die Herden der Vergangenheit, trächtig von Zukunft, beseelt vom Gedanken ihrer ruhigen Ankunft.
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In den jungen Birken-Schonungen plündert ein Rabe, schwarzer Traum der Nacht, das Eichhörnchenversteck. Es sitzt hilflos im Ast, keckert, wirft mit Fledermausdreck.
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Unwirkliches Zauberlicht, bricht sich durch Nadelgrün, tanzt 
über Sternmoos hinweg.
In ein Smaragdgeheimnis taucht das Auge ein und tiefer noch ins stumme Sein.
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Bilder: Markengrund Lipperreihe