heul doch



durfte 
nicht mitspielen

wolltest

dass ich von dir
weggehe
ich sei langweilig
sagtest du

wolltest
dass ich mir
eigene 
freunde suche, 
ein eigenes leben
das tat ich.
und jetzt?
heul doch

Tod

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Manchmal kommst du,
fliegst vor dem Morgen her
noch lange bevor die Sonne aufgeht.
Berührst mit deinen schwarzen kalten Fingern,
versuchst im ersten Licht der Dämmerung
das entsetzte Bewusstsein zu klammern so dass es aus dem Fenster springen möchte, in der Gewissheit, dass alles allein sinnlos ist, dass das Leben vergänglich, zu müde zu fragen, wozu dieses dauernde Einsamsein dient, einzig der Erkenntnis, allein zu bleiben, Selbstgespräche zu führen, um nicht allein zu sein oder ein Lied zu pfeifen, wenn niemand da ist, bis auf dich und deinen dunklen Sinn, der tief in sich pervertiert und entartet dem Leben zuwiderlaufen und befehlen will,
stark wie eine Armee
verführerisch wie Bewusstlosigkeit
weit wie das All
sternlos, mondlos und seltsam gleichgültig fremd, erscheinst du in dem nackten Schmerz, der bloß gelegten Angst, der traurigen Einsamkeit voll bekleidet als ein inniger Freund, der erlösen will, der etwas zu geben hat, obwohl er nur nimmt.

Vor dir wird jedes Alter ein hilfloses nacktes und verwirrtes Kind sein, blind und ergeben, dir vertrauend, während du sein Leben nimmst und du seine Seele wer weiß wohin beamst.
Wehe dem, der deine schreckliche Schönheit verkennt, Gnade dem, der dich, Tod, einen lieben Freund nennt.

Stundenschlieren

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Schmerz brennt immer noch wieder heiß, will sieden, was das Herz gutheißt.
Schwarz ist in Grau gesickert, schlieren Stunden zeitfern an Fenstern vorbei, es nützt nichts den Kopf festhalten zu wollen, er fliegt trotzdem weg im Sturm.
Die Nacht ist Brandung, entzündet und krank, die sich heranwellt, den narbigen Grund streifend.
Neue Regentage schütten sich wallweise auf, werden Woge, werden willenloser Wasserlauf.
Grau trinkt sich satt bis in tiefstes Schwarz, der Blick ist trüb und ungenau, das Herz buntgeäderter Quarz.
Doch erst kam der Schmerz und presste es in die Form.

Freier Fall

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Das trostlose Gefühl
immerfort zu fallen
mit weit gebreiteten Armen
rückwärts in ein stilles Nichts
einen Aufprall hoffend
der nicht kommen will.

Das Gefühl immerfort
zu fallen,
nicht aufhören zu können
zu fallen
mit weit gebreiteten Armen
in ein stilles Nichts,
einen Aufprall hoffend –
bleibt.

Es ist totenstill.

Freie Fahrt voraus

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Vorweg:

Gestern, nein, vorgestern kam ein Seemannsgarn heraus aus mir, wollte in See stechen, ich machte also den alten Eisbrecher flott, studierte Seekarten und wienerte schonmal das Deck. Das war, bevor ich mich an Màna und ihre Ballade erinnerte, diese mich wiederum mich an Pucchini und seine Schmetterlingsmadama erinnerte. Am nächsten Morgen, nachdem das Gedicht draußen war, sich irgendwie selbst schrieb, dabei sich jedoch immer wieder drehte und einzelne Worte im Schreibkanal steckenblieben sich wie Fischgräten querstellten, und ich mir schon die Haare raufte, bis ich aussah wie der Klabautermann höchstselbst, völlig coco loco, begann das Gedicht mit mir eine Diskussion.
Es gibt solche Texte.
Die hinterfragen sich, manchmal sofort, manchmal erst später und dann kann es unterschiedlich ausgehen:
Es könnte ein Schubladengedicht werden, ganz zuunterst unter den humorvollen Sachen, damit es nicht so auffällt.
Papier ist geduldig, auch mein Notizenarchiv, frisst nicht viel Speicherplatz, also packte ich den Wort-Stoff kurzerhand am friesengenerzten Kragen und wollte ihn gerade diskret verschwinden lassen, da bollerte das Gedicht plötzlich mit markanter Stimme los:
Eeey! Was soll das?
Ich bin eine Stimmung, ich will Freiheit!
Hoch die Flaggen, auf in See!
Schmetterte es in schönster Shanty-Manier, leicht selbstmitleidig, weil es sich Mühe gegeben hatte, ein gutes Gedicht sein zu wollen.

Das ist mir alles zu trotzig, da und da!
Meckerte ich und markierte Textstellen und Versfüße in neongelbgrünblaurot.
Aber ich bin ja auch ein Ruf in die Ferne, lockende Freiheit und Du brauchtest das doch!
Kam prompt die mißmutige Antwort von dem Seefahrerpoem zurück.
Wenn Worte sprechen könnten, Zungen hätten, wie viel könnten sie zwischen Zeilen sagen,
schwadronierte ich gewichtig…
Aber duuuu! (und an der Stelle strich ich einen kompletten Absatz ersatzlos (!) raus und piekte dem widerborstigen Text meinen Cursor vor die Buchstaben:
Aber duuuu! Du tust ja grad so, als sei das der einzige Ausweg!
Aus und weg, abhauen und pseudoheroisch in See stechen, ach, Quatsch, das alles!
Mir reicht das Herumgeschippere im ewigen Eis!
Und jetzt?
Das Gedicht fing an zu weinen, das kann man bei ihm lesen.
Es heulte wie ein Schlosshund, versweise, überraschend leise für so einen kernigen Textkerl.
Komm, sagte ich zum Gedicht, wir kommen so nicht weiter und drehen uns im Kreis, wir gehören schließlich zusammen und nun schauen wir, was wir tun, ich mach Dir mal einen Vorschlag:

Jetzt durch die Nordwestpassage zu fahren, wäre glatter Selbstmord. Der Winter kommt. Sowas macht man im Frühling, sonst kommen wir nicht durch das Eis.
Soweit klar?
Das Gedicht verste eine zuversichtliche Silbenanordnung, die synchron alle Däumchen reckte.
Du bist nicht so, wie ich dich wollte, sagte ich dem Gedicht. Doch ich lass dich genauso wie du jetzt bist, weil ich dich so mag wie du bist, bist schließlich mein Gedicht, mein Freiheitsgedicht, mitten durch die Nordwestpassage willst Du, ein Entdecker- und Abenteurergedicht und die Fracht ist ein echtes lebendiges verfluchtes Herz, das in einer verschlossenen Kiste unter Deck steht.
Jack Sparrow lässt grüßen und die Geister sind auch schon alle da.
Also, Gedicht, wir warten, ja?
Im Trockendock und flicken den Kahn erstmal und versiegeln ihn neu gegen Korrosion und Rost.
Du…?
Darfst trotzdem raus in die Welt, ist schon gut, ich steh zu dem, was mir zu mir sich gehörig anfühlen will, das war schon immer so und wird so bleiben.
Aber: ich stehe nur bedingt hinter Deiner oberflächlichen Freiheitsaussage, denn ich meine:

Manchmal kann es sinnvoll sein abzuwarten und die Kräfte zu sammeln, das Land zu respektieren und ihm nicht Gram zu sein, wenn es fremd bleiben will und keine Heimat werden.
Heimatland ruht im Herzen und es ist immer da und überall und es ist das Gefühl, überhaupt so ein Land zu kennen, das man so nennen kann: Heimat, Zuhause, sicherer Hafen.
Wohin wir auch zu fliehen versuchen, sage ich dem Gedicht über Freiheit, wir nehmen uns mit, wohin wir auch gehen und die Heimaterde im Säckchen um den Hals ist gute Erinnerung genug.
Im Frühling reisen wir wieder.
Mit diesen letzten Worten verabschiedete ich mein Freiheitsgedicht durch die Nordwestpassage und nun lasse ich es vorgehen und einfach in dem, was es sein will (Mut, Trost, Zwiesprache)
für sich stehen.

Im Spiegel

Liebe Blogleser,

In den letzten Tagen durfte ich sehr kluge Beiträge von Frau Knobloch und Candy Bukowski lesen. Es geht um Herzensentscheidungen und Werte.
Aus dem Kommentar, den ich Frau Knobloch schrieb, da uns alle ein ähnliches Thema umzutreiben scheint, wenn auch mit unterschiedlichen Geschichten dahinter, entstand ein eigenständiger Text.

Frau Knobloch und Candy, es wäre mir eine Freude, wenn ich an dieser Stelle zu Euch hinlinkwinken dürfte- darf ich?
Eure Texte, die Kommentare dazu haben in mir tiefen Eindruck hinterlassen. Ein volles Maß Lebenserfahrung gibt es hier zu entdecken in den vielzähligen Berichten und Gedanken.

http://bittemito.wordpress.com/2014/10/26/ja-oder-ja/

http://candybukowski.com/2014/10/27/think-about-werte/comment-page-1/#comment-3043

Herzliche Grüße
von der Karfunkelfee

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Im Spiegel

Wann immer ich versuchte, mein Herz in den Kopf zu zwingen, scheiterte ich, wann immer ich dachte, ich könne das Tempo, in dem mein Herz zu heilen versucht, vorantreiben, verursachte ich Leid, mir und anderen. Wann immer ich versuchte, mir woanders als in meinem Bauch Absolution für meine Gewissensentscheidungen, meine Moral und meine Selbstzweifel zu holen, bekam ich statt mehr Kraft mehr Variationen eines spekulativen illusionären Themas, doch es machte mich schwerer und nicht leichter, wie ich erhoffte.

Ich dachte, ich könne mich irgendwie schützen vor den Entscheidungen anderer und blieb für mich.
Die Herzensentscheidungen treffen die anderen, die davon betroffen sind, aktiv mit, bewusst und unbewusst, durch ihr Verhalten, das Gesprochene und das, was in ihrem Schweigen verbleibt.

Wir sind Resonanzkörper, Spiegelwesen.
Unsere Gefühle verschleiern manchmal das, was wir nicht gern wahrnehmen wollen und unser Kopf denkt, er hätte alles mit dem Verstand in der Hand.

Wir fühlen ‚Nein‘ und denken dabei ‚Ja‘. Wir fallen aus dem scheinbar vertrauten ‚Wir‘ in das fremdere distanziertere und perspektivisch sich umschauende ‚Du-und-Du‘ zurück. Der ständig hoffende Verstand will Brücken schlagen und kämpft mit der Gewissheit des Herzens, die uns doch schon so lange immer wieder in Zweifeln hinterfragen wollte, auf die zu hören, es so schwer fällt, weil die Erkenntnis schon lange schwarz die Spiegel verhängte und das Erkennen im anderen Augenpaar ein Blick wurde, der nur noch den Schatten der Bewegung aus dem Seitenblick wahrnahm.

Unser Auge ist nicht in der Lage ein wahrhaft scharfes Bild von dem was wir sehen, an das Gehirn weiterzuleiten. Um ein Bild zu erhalten, muss unser Gehirn Details aus früher gespeicherten erinnerten Bildern und Eindrücken zu Hilfe nehmen. So funktioniert unser Sehen.

Warum sollte dies bei der Seele anders sein? Auch sie greift zurück auf die Erinnerungen, um ein schärferes Bild zu zeichnen.

Darum sind wir angewiesen auf unsere Erinnerungen. Sie dienen der Orientierung. Andere funktionieren genauso und was wissen wir wirklich über sie, die anderen?

Was, lassen sie uns sehen? Wie tief muss Vertrauen reichen, damit das Herz, sich selbst annehmen kann, auch wenn es verlassen wird?

Wir sind Spiegelwesen, Resonanzkörper und wir folgen unserer inneren Führung, der unsere Werte voranstehen, die die Richtung vorgeben für den zukünftigen Straßenverlauf.

Wir suchen bei anderen Ähnlichkeit, Synchronschwingungen, weil sie uns in uns selbst stärken, motivieren und glücklich machen wie Kinder, die angenommen und geliebt werden, in dem wie sie sind und für das, was sie sind, lange bevor sie gelernt haben, sich selbst im Spiegel zu erkennen und dabei tatsächlich zu denken, sie sähen ein ganzes Bild von sich.

In den Zeiten des Flusses (aus den Geist(er)geschichten)

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Routen durch das Land
Bekannte und fremde
Straßen, Waldwege in
weißem Sand.

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Die Räder fliegen rollen, richten sich aus nach dem Sonnenstand, westlich das Erntedankgrollen der schweren Ackermaschinen,
Sonne steht tief im Westen, das Geschenk ihrer Abendstrahlen eingesammelt und als Schatz auf dem Dachboden verwahrt.

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Nur zaghaft traut sich der Verstand, dem verkannten Orientierungssinn eine Lanze zu brechen, zu ihm in den Worten zu sprechen, die keine Sprache sind, nur gefühlt werden können.
Worte wie Wolken in Lauten, die beim Versuch sie hörbar zu machen, tief im Halse stecken bleiben, weil sie sich selbst nicht trauten.

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So still die Straßen, die Wege, die Brücken schweigen.
Hinter den vertrauten Fassaden verbirgt sich das andere, das Unbekannte und Fremde. Es hat vor Angst solche schweißnassen Hände. Es ahnt in jedem Anfang eines Weges das vorprogrammierte traurige Ende.
Es schlägt die Augen nieder und summt nur noch leise die bekannten Strophen mit in den verfremdeten Coverversionen alter Liebeslieder.

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Die Straßen des Herbstes verlangen nach erhöhter Achtsamkeit.
Sie sind mit Sommerblattleichen gepflastert, leicht fällt es sich auf die Seite wie ein toter Gaul, fasst keine Bremse auf den leichten Körperhüllen, vollgesogen vom letzten Sturmregen.
Auf den herbstlichen Wegen sollten die Bewegungen umsichtig, aufmerksam und vorausschauend sein.
Mit den eigenen Schmerzen bleibt ein jeder für sich und allein, wie es auch sei.

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Braun und traurig will das Land werden. Es hat sich im Sommer verschwendet an lauter Lebensfreude.
Es nimmt die Ruhezeit in Kauf, weiß es doch um den ewigen Kreislauf von Wachsen und Werden, gibt es doch diese Hoffnung auch im tiefsten Schlaf, bedeckt, erstarrt in Eis und Frost, niemals auf.
Nah am Erdkern ist das Land flüssig und heiß
unter allem Schnee und Eis. Dieses alte Wissen um den Ursprung des Lebens ist beständige Bewegung, der Welt veränderlicher Lauf in den Lavagefühlen, der Erdweisheit, ein Teil zu sein, Dank, nichts Unbeseeltes sein zu müssen, Energie sein zu dürfen inmitten körperlicher Erdigkeit , der Bodenhaftung, beweglicher Teil sein zu können.

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Zwei Räder wandern, manchmal auch vier, in den Zeiten des Flusses. Nun stehen sie im Schlaf, in den langen Schatten, die die tiefe Sonne tröstend auf die Wartenden warf. Die Gedanken weit und offen, das Land erzählt in jeder Umdrehung von Dir, das Land ist Wachsen, Werden und Hoffen.

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