noch einmal intensiv

50 Liebes-Sonette für Frey’ja

Numero 11

blühen, verwelken, vergehen, verwehen

ist in allem

alles feuer kaltet
irgendwann aus
gefühle überaltern
der tod der theorie
herrscht im haus

wer versteht
für sich
die blutige glut
immer wieder
neu zu schüren
treu wie wichtig sich bedenkt
immer wieder
neu
zu verführen
liedert selbst im ableben gut

singt sogar noch
dem tod
sein geschenk
sei es auch noch so
mickrig zittrig bangtief
aus dem bauch
in dem es vorher
frei und ruhig schlief

bleibt es doch
lebens abschiedsdank
noch einmal intensiv

Du

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Dies sagte ich dir als ich dich zuletzt sah und dachte, dass du vielleicht manchmal einsam seist, dir viele Gedanken machst, die um dich kreisen wie Höllenplaneten, ständiges Feuer und Eis in den ewigen Stürmen.

Ich fragte mich das, als ich deine Mundwinkel betrachtete und fand deine Augen hinter den scheinbar entspannten Gesichtszügen ernst als ich sie näher an mich heranzoomte. Ich vermisste in deinem Blick den lieben albernen Schalk, der du sein kannst.
Wer stahl dein Lächeln?
Wer singt für dich Lieder vom Frieden in hilflosen Zeiten?

Für das, was du willst brauchst du Kraft, Zuversicht und Mut, aus voller Seele. Was wird gut? Wer kühlt dir die Füße in den Glutfeldern, über die du rennst , wenn dich nachts die Dämonen quälen? Ich umarme dich abwesend und still, kenne ich doch viele schon mit Namen, ihren Schrecken, den sie verbreiten.
Sehe, wie sich in ihrem Angesicht ernste Falten in das deine graben, sehe die Narben, die sie in dir hinterließen, sei gehalten in meinen Wünschen und Träumen über die Weiten einsamer langer Distanzen, in denen wir auseinanderfließen.

Wenn dein blitzlichtgewitternder Geist wie eine Superzelle grollend über dir kreist, sollen meine Gedanken lichtgetränkte Pfeile in dein Zentrum sein, müssen sich dir nicht erklären, beweisen, du weißt von mir, was du wissen willst.

Der Stein der Weisen rollt steil bergan, gegen das Trägheitsgesetz.
Damit er dich in deinem freien Wurf an die Wand nicht wie ein Squashball im Rückprall allzu hart verletzt, habe ich die Himmelsdecke doppelt vernetzt.

Bin ich die, die einen Weg zwischen Mondsämlingen freisetzt, um sie gießen gehen zu können, damit sie ungehindert wachsen und gedeihen, sei der Boden auch noch so lebensfeindlich, kalt und fremd.

Das Sterntalermädchen gab alles den Armen hin, alles, bis auf ihr letztes Hemd, das ihre Blöße bedeckte und ihr überhaupt erst ermöglichte, die fallenden Sterne im Hemdsaum zu fangen mit dem Letzten, das ihr blieb.
Das war ihr wahrer Reichtum, das ist die Weisheit der Sterne.

Dies sagte ich dir, während du schliefst, leise in dein Ohr.
Dies sagte ich dir, bevor die Sonne ihren strahlenden Schatten hinter dem großen Mond verbarg und in der Nacht war ich wach als deine Seele im Traum nach mir rief.

Schlimme Ferse (f. Naomi)

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Nach dem fiesen Stoß
stürzen aus den Augen
ganze Tränenfluten los
was mach ich nun bloß
– mit dir…?

Ich weiß einen Rat
schreit‘ auch gleich zur Tat
und umarme dich
so fest du mich lässt
jetztsofortundhier
mitundohnekuscheltier
begleitet von deinem
elektrischen Klavier

Puste deine nassen Augen
mit dem warmen Fön
findest du das schön
wenn ich dich
ein bisschen verwöhn‘?

Komm, ich schieß‘
dir ein Bild
mit einer Blume drauf
die ist mutig und wild
wie ein Indianer verrauft
doch dabei
sanft und mild
wie dein Duschgel
aus Mandalayah
schreibe dir ein
geheimes Gedicht
dann tun wir so
als verstünden
nur wir diese Verse
und alle anderen nicht
bis ich es wiedersehe
das Licht
in deinem Gesicht
und wie du wackelst
mit der eben noch
schlimmen Ferse.

Gedanken zu Peter Härtling (Ein Novembergesang)

Liebe Blogleser,

Frau Wildgans, diese feinsinnige Vogeldame mit dem Gespür für Wortnovitäten und Textkreationen, dem untrüglichen Vogelinstinkt für aussichtsreiche Seelenschutzgebiete , findet immer wieder wertvolle, gehaltreiche Kost auch von anderen für andere und darum folge ich ihr, wenn ich sie am Himmel sehe und grüße sie herzlich in ihrer Vogelsprache.

Peter Härtling ist einer, den ich sehr mag. Seine Werke begleiten mich schon Jahrzehnte (Wanderer) Das erste Mal las ich ihn, als ich zwanzig war und mochte ihn schon damals sehr. Heute, fast 27 Jahre später, erinnern mich seine Novemberverse an eine schwere Zeit, die durch Peter Härtlings Poesie mir leichter wurde. Doch – was Novembers Wesen sein könnte – ihn nicht nur zu benutzen für Gedichte, sondern sich auf seine schwermütige Schönheit wirklich mit Hingabe einzulassen – dieses tiefe verständige Gefühl wuchs in mir über Jahre und es wächst, glaube ich, immer noch…😊

Viel Spaß beim Lesen und Stöbern im schönen Wildgans-Blog.

Eure Karfunkelfee

Frau Wildgans, ich verlinke:

https://wildgans.wordpress.com/
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Ich habe genug über den November geschrieben, dachte ich.
Genug ist genug.
Bis ich Härtlings Novemberverse fand,
die kannte ich irgendwoher, habe sie wieder und wieder gelesen , fand sie poetisch und schön, glaubte, das sei alles gewesen – doch dieses Mal war es anders…

Dieses Mal
tanzte ich im Nebel
und seine kalte Gischt war weiß und weich auf meiner Haut.
Dieses Mal löste sich der im Frost feste Horizont, klirrend brach etwas ab und trieb sich frei, wollte ein kalbender Eisberg sein, doch dann sah ich, dass es eine ganze Landschaft war, die absprang in Stücken, wie zerspringendes Glas.

Ich sah das Lichterblühen
das sich in Kindheit vergaß und sang ein Lied, frei aus der Erinnerung, das abends, wenn es dunkel wird, zusammen mit den Fledermäusen um die Häuser zieht und ich fühlte mich wie immer für das Leben zu unerfahren und zu jung.

Ich zählte die überjährigen Herbste, die ich in den darauf folgenden Frostperioden verschlief und verträumte, fühlte Eismauern um den roten heißen Punkt, tief in mir und ich wusste, dass ich ein weiteres Mal
im November angekommen war, ihn schönsingen durfte ohne jede Reue, weil er mich ansprach und ich, die ihn in endlosen Monologen schönzureden versuchte, ewige Treue versprach ohne zu wissen, wovon ich rede und mit jeder Silbe doch nur wieder Vermutungen über sein Wesen warf, endlich ratlos geworden,
darin mich selbst wiedererkannte und betroffen schwieg.
Weil ich die Herbste zu zählen begann, ernsthaft über November nachdachte, ihm Aufmerksamkeit schenkte, sein seltsames Wesen besser verstand, Jahr um Jahr, mehr und mehr in ihm fand, vielschichtig und facettenreich wie Eis,
durch die Graunuancen
sich hinschattierend zu klarem Winterweiß.

Freie Fahrt voraus

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Vorweg:

Gestern, nein, vorgestern kam ein Seemannsgarn heraus aus mir, wollte in See stechen, ich machte also den alten Eisbrecher flott, studierte Seekarten und wienerte schonmal das Deck. Das war, bevor ich mich an Màna und ihre Ballade erinnerte, diese mich wiederum mich an Pucchini und seine Schmetterlingsmadama erinnerte. Am nächsten Morgen, nachdem das Gedicht draußen war, sich irgendwie selbst schrieb, dabei sich jedoch immer wieder drehte und einzelne Worte im Schreibkanal steckenblieben sich wie Fischgräten querstellten, und ich mir schon die Haare raufte, bis ich aussah wie der Klabautermann höchstselbst, völlig coco loco, begann das Gedicht mit mir eine Diskussion.
Es gibt solche Texte.
Die hinterfragen sich, manchmal sofort, manchmal erst später und dann kann es unterschiedlich ausgehen:
Es könnte ein Schubladengedicht werden, ganz zuunterst unter den humorvollen Sachen, damit es nicht so auffällt.
Papier ist geduldig, auch mein Notizenarchiv, frisst nicht viel Speicherplatz, also packte ich den Wort-Stoff kurzerhand am friesengenerzten Kragen und wollte ihn gerade diskret verschwinden lassen, da bollerte das Gedicht plötzlich mit markanter Stimme los:
Eeey! Was soll das?
Ich bin eine Stimmung, ich will Freiheit!
Hoch die Flaggen, auf in See!
Schmetterte es in schönster Shanty-Manier, leicht selbstmitleidig, weil es sich Mühe gegeben hatte, ein gutes Gedicht sein zu wollen.

Das ist mir alles zu trotzig, da und da!
Meckerte ich und markierte Textstellen und Versfüße in neongelbgrünblaurot.
Aber ich bin ja auch ein Ruf in die Ferne, lockende Freiheit und Du brauchtest das doch!
Kam prompt die mißmutige Antwort von dem Seefahrerpoem zurück.
Wenn Worte sprechen könnten, Zungen hätten, wie viel könnten sie zwischen Zeilen sagen,
schwadronierte ich gewichtig…
Aber duuuu! (und an der Stelle strich ich einen kompletten Absatz ersatzlos (!) raus und piekte dem widerborstigen Text meinen Cursor vor die Buchstaben:
Aber duuuu! Du tust ja grad so, als sei das der einzige Ausweg!
Aus und weg, abhauen und pseudoheroisch in See stechen, ach, Quatsch, das alles!
Mir reicht das Herumgeschippere im ewigen Eis!
Und jetzt?
Das Gedicht fing an zu weinen, das kann man bei ihm lesen.
Es heulte wie ein Schlosshund, versweise, überraschend leise für so einen kernigen Textkerl.
Komm, sagte ich zum Gedicht, wir kommen so nicht weiter und drehen uns im Kreis, wir gehören schließlich zusammen und nun schauen wir, was wir tun, ich mach Dir mal einen Vorschlag:

Jetzt durch die Nordwestpassage zu fahren, wäre glatter Selbstmord. Der Winter kommt. Sowas macht man im Frühling, sonst kommen wir nicht durch das Eis.
Soweit klar?
Das Gedicht verste eine zuversichtliche Silbenanordnung, die synchron alle Däumchen reckte.
Du bist nicht so, wie ich dich wollte, sagte ich dem Gedicht. Doch ich lass dich genauso wie du jetzt bist, weil ich dich so mag wie du bist, bist schließlich mein Gedicht, mein Freiheitsgedicht, mitten durch die Nordwestpassage willst Du, ein Entdecker- und Abenteurergedicht und die Fracht ist ein echtes lebendiges verfluchtes Herz, das in einer verschlossenen Kiste unter Deck steht.
Jack Sparrow lässt grüßen und die Geister sind auch schon alle da.
Also, Gedicht, wir warten, ja?
Im Trockendock und flicken den Kahn erstmal und versiegeln ihn neu gegen Korrosion und Rost.
Du…?
Darfst trotzdem raus in die Welt, ist schon gut, ich steh zu dem, was mir zu mir sich gehörig anfühlen will, das war schon immer so und wird so bleiben.
Aber: ich stehe nur bedingt hinter Deiner oberflächlichen Freiheitsaussage, denn ich meine:

Manchmal kann es sinnvoll sein abzuwarten und die Kräfte zu sammeln, das Land zu respektieren und ihm nicht Gram zu sein, wenn es fremd bleiben will und keine Heimat werden.
Heimatland ruht im Herzen und es ist immer da und überall und es ist das Gefühl, überhaupt so ein Land zu kennen, das man so nennen kann: Heimat, Zuhause, sicherer Hafen.
Wohin wir auch zu fliehen versuchen, sage ich dem Gedicht über Freiheit, wir nehmen uns mit, wohin wir auch gehen und die Heimaterde im Säckchen um den Hals ist gute Erinnerung genug.
Im Frühling reisen wir wieder.
Mit diesen letzten Worten verabschiedete ich mein Freiheitsgedicht durch die Nordwestpassage und nun lasse ich es vorgehen und einfach in dem, was es sein will (Mut, Trost, Zwiesprache)
für sich stehen.

In den Zeiten des Flusses (aus den Geist(er)geschichten)

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Routen durch das Land
Bekannte und fremde
Straßen, Waldwege in
weißem Sand.

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Die Räder fliegen rollen, richten sich aus nach dem Sonnenstand, westlich das Erntedankgrollen der schweren Ackermaschinen,
Sonne steht tief im Westen, das Geschenk ihrer Abendstrahlen eingesammelt und als Schatz auf dem Dachboden verwahrt.

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Nur zaghaft traut sich der Verstand, dem verkannten Orientierungssinn eine Lanze zu brechen, zu ihm in den Worten zu sprechen, die keine Sprache sind, nur gefühlt werden können.
Worte wie Wolken in Lauten, die beim Versuch sie hörbar zu machen, tief im Halse stecken bleiben, weil sie sich selbst nicht trauten.

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So still die Straßen, die Wege, die Brücken schweigen.
Hinter den vertrauten Fassaden verbirgt sich das andere, das Unbekannte und Fremde. Es hat vor Angst solche schweißnassen Hände. Es ahnt in jedem Anfang eines Weges das vorprogrammierte traurige Ende.
Es schlägt die Augen nieder und summt nur noch leise die bekannten Strophen mit in den verfremdeten Coverversionen alter Liebeslieder.

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Die Straßen des Herbstes verlangen nach erhöhter Achtsamkeit.
Sie sind mit Sommerblattleichen gepflastert, leicht fällt es sich auf die Seite wie ein toter Gaul, fasst keine Bremse auf den leichten Körperhüllen, vollgesogen vom letzten Sturmregen.
Auf den herbstlichen Wegen sollten die Bewegungen umsichtig, aufmerksam und vorausschauend sein.
Mit den eigenen Schmerzen bleibt ein jeder für sich und allein, wie es auch sei.

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Braun und traurig will das Land werden. Es hat sich im Sommer verschwendet an lauter Lebensfreude.
Es nimmt die Ruhezeit in Kauf, weiß es doch um den ewigen Kreislauf von Wachsen und Werden, gibt es doch diese Hoffnung auch im tiefsten Schlaf, bedeckt, erstarrt in Eis und Frost, niemals auf.
Nah am Erdkern ist das Land flüssig und heiß
unter allem Schnee und Eis. Dieses alte Wissen um den Ursprung des Lebens ist beständige Bewegung, der Welt veränderlicher Lauf in den Lavagefühlen, der Erdweisheit, ein Teil zu sein, Dank, nichts Unbeseeltes sein zu müssen, Energie sein zu dürfen inmitten körperlicher Erdigkeit , der Bodenhaftung, beweglicher Teil sein zu können.

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Zwei Räder wandern, manchmal auch vier, in den Zeiten des Flusses. Nun stehen sie im Schlaf, in den langen Schatten, die die tiefe Sonne tröstend auf die Wartenden warf. Die Gedanken weit und offen, das Land erzählt in jeder Umdrehung von Dir, das Land ist Wachsen, Werden und Hoffen.

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Zeit für ein Liebeslied

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Zeit für ein
Liebeslied haben
suchen
nach passenden
Worten
an bedeutungsvollen
geheimen Orten
fliegt es
bomberschwer
im Bauch.
Wie viele Tonnen können Schmetterlinge wiegen,
als alle Worte schwiegen,
wie dankbar kann
Frieden sein,
wenn das Schlachtfeld
noch raucht?
Der Gang
selbst zu zwein
geht sich
dennoch allein
manchmal
Richtung Canossa.
Er nimmt die
Vergangenheit
demütig
hin, seine Ziele
sind mit den
Wünschen und Träumen
nach Nähe
im Zeitstromtreiben
Richtung Zukunft
geflossen.
Mensch bleibt Mensch.
mutig unverdrossen
Wort um Tat
Idee und Rat
Hand in Hand
unverwandt
Liebe als Band
im veränderlichen
Sand
der Zeit.
Wir sind bereit.