alma’s ros

starkfrequentes gleichstromrauschen
wasser mäßig
rinnt vom dach  dunkel

es donnert          der baum da

weint sich in düstergrau hinab

in strömen

auch das
trübe
fensterlicht  sprich –

tränen sind der reine tau der seele
in der gosse vergangener liebe.

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Prozess

  

Im Licht der Laterne

an der alten Mauer

mit Lippenstift Worte

gerissen wie Wunden:

Alles wird gut.

*

Nichts von Dauer

nicht die Mauer

was auf ihr geschrieben

alles Prozess

Nichts ist geblieben.

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3 Wörter – ein Text

ich ließ mich inspirieren von diesem klasse Text, zu finden hier: https://kampflustigerpazifist.wordpress.com/

Schneemann

Inspirationsquelle (kuckenlohntsichunbedingt!✨)
https://chh150845.wordpress.com/2015/02/04/eisig-nein-kurzzeitig-schneeig/

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Ich habe Hans Christian Andersen gelesen, Pflichtlektüre für ein Schneewesen. bin nicht so blöd, mich in einen Ofen zu verlieben, Andersens Schneemann war vom Ofenschieber fremdbestimmt, besessen und wurde nur deswegen in seinen Schmelzwunsch getrieben. Aber ich doch nicht! Literatur bildet schließlich, die wildert das wissensdurstige Herz mit Physik: Ofen sind heiß, ihr glühender Kohleschweiß zertaute, zerkaute mein frostiges Genick bis es spleißt, dann verlöre ich meinen Kopf, ich dummer armer Schneemann-Tropf.
Was ich schon weiß…

Gegen die Sonne kann ich nichts machen, sie macht mich schwach, ach, sie taut mein eisiges Schneemannherz einfach so, nun schwindet sogar schon mein einstmals praller Schneemannpo, ich werde immer weniger, halte das Eis um mich, es ist mein Kern, mein weißes Herz und tauen ist schmerzvoll, vor allem, wenn ich in dicken Brocken zerfalle und das auch noch gerade hinterwärts beginnend. Bei Eisbergen nennt man das Kalben, überlege ich, Schneemann, vor mich hinsinnend, während ich schmelzend mich langsam weiter auflöse, schneegeflockt träumend von fetten Tauben, graziös vorm Blassblauhimmel schwebend wie die weißen Frauen, wie Sommerschwalben.
Gestern verlor ich meine Kronkorkenaugen, heute meine Raketennase, heute Nacht galoppierte über mich hinweg ein für den Elchtest getarnter Osterhase.
Dem erklärte ich kurzerhand, ich sei abstrakte Kunst.
Dafür stünde ich, wie er mir lachend mitteilte, während er weitereilte, auch nach Ostern noch in seiner Gunst.

Tod

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Manchmal kommst du,
fliegst vor dem Morgen her
noch lange bevor die Sonne aufgeht.
Berührst mit deinen schwarzen kalten Fingern,
versuchst im ersten Licht der Dämmerung
das entsetzte Bewusstsein zu klammern so dass es aus dem Fenster springen möchte, in der Gewissheit, dass alles allein sinnlos ist, dass das Leben vergänglich, zu müde zu fragen, wozu dieses dauernde Einsamsein dient, einzig der Erkenntnis, allein zu bleiben, Selbstgespräche zu führen, um nicht allein zu sein oder ein Lied zu pfeifen, wenn niemand da ist, bis auf dich und deinen dunklen Sinn, der tief in sich pervertiert und entartet dem Leben zuwiderlaufen und befehlen will,
stark wie eine Armee
verführerisch wie Bewusstlosigkeit
weit wie das All
sternlos, mondlos und seltsam gleichgültig fremd, erscheinst du in dem nackten Schmerz, der bloß gelegten Angst, der traurigen Einsamkeit voll bekleidet als ein inniger Freund, der erlösen will, der etwas zu geben hat, obwohl er nur nimmt.

Vor dir wird jedes Alter ein hilfloses nacktes und verwirrtes Kind sein, blind und ergeben, dir vertrauend, während du sein Leben nimmst und du seine Seele wer weiß wohin beamst.
Wehe dem, der deine schreckliche Schönheit verkennt, Gnade dem, der dich, Tod, einen lieben Freund nennt.

Gedanken zu Peter Härtling (Ein Novembergesang)

Liebe Blogleser,

Frau Wildgans, diese feinsinnige Vogeldame mit dem Gespür für Wortnovitäten und Textkreationen, dem untrüglichen Vogelinstinkt für aussichtsreiche Seelenschutzgebiete , findet immer wieder wertvolle, gehaltreiche Kost auch von anderen für andere und darum folge ich ihr, wenn ich sie am Himmel sehe und grüße sie herzlich in ihrer Vogelsprache.

Peter Härtling ist einer, den ich sehr mag. Seine Werke begleiten mich schon Jahrzehnte (Wanderer) Das erste Mal las ich ihn, als ich zwanzig war und mochte ihn schon damals sehr. Heute, fast 27 Jahre später, erinnern mich seine Novemberverse an eine schwere Zeit, die durch Peter Härtlings Poesie mir leichter wurde. Doch – was Novembers Wesen sein könnte – ihn nicht nur zu benutzen für Gedichte, sondern sich auf seine schwermütige Schönheit wirklich mit Hingabe einzulassen – dieses tiefe verständige Gefühl wuchs in mir über Jahre und es wächst, glaube ich, immer noch…😊

Viel Spaß beim Lesen und Stöbern im schönen Wildgans-Blog.

Eure Karfunkelfee

Frau Wildgans, ich verlinke:

https://wildgans.wordpress.com/
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Ich habe genug über den November geschrieben, dachte ich.
Genug ist genug.
Bis ich Härtlings Novemberverse fand,
die kannte ich irgendwoher, habe sie wieder und wieder gelesen , fand sie poetisch und schön, glaubte, das sei alles gewesen – doch dieses Mal war es anders…

Dieses Mal
tanzte ich im Nebel
und seine kalte Gischt war weiß und weich auf meiner Haut.
Dieses Mal löste sich der im Frost feste Horizont, klirrend brach etwas ab und trieb sich frei, wollte ein kalbender Eisberg sein, doch dann sah ich, dass es eine ganze Landschaft war, die absprang in Stücken, wie zerspringendes Glas.

Ich sah das Lichterblühen
das sich in Kindheit vergaß und sang ein Lied, frei aus der Erinnerung, das abends, wenn es dunkel wird, zusammen mit den Fledermäusen um die Häuser zieht und ich fühlte mich wie immer für das Leben zu unerfahren und zu jung.

Ich zählte die überjährigen Herbste, die ich in den darauf folgenden Frostperioden verschlief und verträumte, fühlte Eismauern um den roten heißen Punkt, tief in mir und ich wusste, dass ich ein weiteres Mal
im November angekommen war, ihn schönsingen durfte ohne jede Reue, weil er mich ansprach und ich, die ihn in endlosen Monologen schönzureden versuchte, ewige Treue versprach ohne zu wissen, wovon ich rede und mit jeder Silbe doch nur wieder Vermutungen über sein Wesen warf, endlich ratlos geworden,
darin mich selbst wiedererkannte und betroffen schwieg.
Weil ich die Herbste zu zählen begann, ernsthaft über November nachdachte, ihm Aufmerksamkeit schenkte, sein seltsames Wesen besser verstand, Jahr um Jahr, mehr und mehr in ihm fand, vielschichtig und facettenreich wie Eis,
durch die Graunuancen
sich hinschattierend zu klarem Winterweiß.

Ruinen

Liebe Blogleser,

Der geschätzte Herr Faktoid, immer gut für geistige Initialzündungen, hat in seinem Beitrag über die Ruine eines alten Hauses Gedanken freigesetzt, die mich mit dem Thema beschäftigten und ein Stückchen Prosalyrik zutageförderten.

Herr Faktoid, darf ich zu Ihnen und dem starken Beitrag hinlinkwinken…?
Herzlichen Dank!

http://foodandwineporn.de/

Herzliche Grüße
von der Karfunkelfee
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Etwas Seltsames geht von der alten Ruine im Wald aus, nicht unheimlich, nur unheimlich verlassen.
Es ist, als zögen diese Orte die Stille an, als hielten sie das Leben fern von sich mit jedem morschen Balken und in der offenen Zurschaustellung ihres Verfalls, gegen den sie nichts ausrichten können.
Verwahrloste Ruinen mit gebrochenen Fensteraugen. Die zerstörte dahinter liegende Schwärze scheint das Tageslicht absorbieren zu wollen, einzusaugen, als hätte der Nachhall von einstmaligem Leben sich zwischen den abbröckelnden Wänden verfangen und sich ins antimaterielle Gegenteil verkehrt, Ruinen wie ein Synonym für Einsamkeit, die sich selbst längst vergessen hat und nur noch dahindauert, ihrer endgültigen Auflösung entgegen, ein zutiefst resignatives Charakteristikum im Efeu, der ungehindert den rissigen Fassadenbeton auseinanderbricht, neues Leben, das sich gnadenvoll zurückerobert, was ihm immer schon gehörte.
Das sich des Toten, Vergangenen angenommen hat und keine Fragen mehr stellt wer es einmal war.
Die Bäume sind näher herangerückt, wurzeln im alten Stein, bilden Schösslinge, das Leben treibt überall aus, im alten Ruinenhaus.
Drumherum die Spuren der Tiere, die nun freiwillig kommen, jetzt, wo die menschliche Gefahr gegangen ist und nur ein steinernes verfallenes Zeugnis ließ, das von ihrem Hiergewesensein erzählt.
Die Freiheit zu aller Natur werden zu wollen, hat Einzug gehalten in die leere Vorhalle, sie prunkt nur noch verhalten.
Die Ruine ist ein stiller Aspekt in der bewegten Zeit, der Ort ein Mahnmal der lebendigen Vergänglichkeit allen Seins.
Er will führen und zeigen, die jungen Bäume, die ihm näherkamen, man sieht sie sich ehrfürchtig vor seiner Weisheit verneigen.