alma’s ros

starkfrequentes gleichstromrauschen
wasser mäßig
rinnt vom dach  dunkel

es donnert          der baum da

weint sich in düstergrau hinab

in strömen

auch das
trübe
fensterlicht  sprich –

tränen sind der reine tau der seele
in der gosse vergangener liebe.

Irminsul

50 Liebes-Sonette für Frey’ja

Numero 19

Beschreibt sich nah diese Ferne wie sie wärmen kann bis in Kleinzellen erhellen. Umfangen bis Kalenderblätter weinen und weise Sprüche sagen. Alles kann wirklich im Morgenlicht unvollendeter Tage…

doch der verkantete Mond verbarg sich nachts wie der alte müde Hofhund, kauerte in der Ecke, zuckend und fiepend um sich tretend in seinen Träumen, das fleischliche Einsamleid, ein weiteres Verlassensein wie ein Vorwurf, irgendwie knochig.

Angenommen, irgend etwas in der Sprachmelodie, die Mauern statt sie bersten zu wollen, lieber bergen wollte. Einst eingebettet hinter Fichtenrippen im Buchenskeletten des Waldkörpers, schlug ein germanisches Herz, doch es stürzte die Säule der alten Einallseele und wurde verschleppt.

Seither herrschte Unfrieden und spaltete die Geister nord- bis südwärts. Zwischen Bergen und Bersten bekriegten sich bis sie zu Asche, zu dem Staub der Klagemauern verschwiegen und verfielen. Schatten schrien in Angstbang ihr Babylon.
Da war dieses tiefe schöne Sinnsehnen, das im Fürmoment seiner Wiedergabe stofflich geriet und winzigwarm weiter glutschlug, wie Minisonnen.
Die Irminsul weisesucht ihr Spiegellicht in den Sternbaren.

Da legt sich was an zwingtengt stürzt um das erhoffentlichte Fanal bricht ab die Volutenarme des armen Sulchens und zu Staub zerfällt ein Weitermal als die Schmerzhaft in Bedeutbares birst in Undenkliches.

Auf ribbelt sich der hauchdünne und durchsichtige Stoff aus dem die verheißungsvollen Träume um das Sehen gewoben sind, zieht sich stumm und fahl vor Fehlern fehlverschossen und verschlussschließlich zurück aus den Chimären entwirklichten Sinns, ein entgiftetes Leibeigenloses wie vogelfrei.

Feinstsandriesel in tiefe Spaltformen pressen sich härten Neufels aus.

Nur der entsäulte Fliehsand birgt die gezeitenloseste Leichtigkeit. Die schwarze Sonne fällt auf das sperrige sprödharte Gras. Das alte morsche Hohlkreuz birst mit einem überraschend zartnackigen Laut wie ein Lärmzweig aus Glas oder dünne bitterschwarze Herrenschokoladeplättchen, eisgekühlt zwischen Zähnen und Zunge erst bersten, dann zergehen.

Im Innenwesen, in einer Art reuefreier Ergebenheit, wacht Irminsul als eschiger Mastenbaum über ihre Schiffe, selbst wenn alle Sterne verwirrtes Schweigen schauern und den Mond ernüchtern mit der Wahrheit über ihr Licht. 
Es ist ein Bersten
in Sternenwiegen, bloß getrauert und ahnend natürlich.
Der Faden fließwebt sich stofflich auf Offenwundiges linderlegt in körpernahes Warm in Geistatem in Irminsuls Frühlingsrufen.

Der Hofhund verstarb vergangene Nacht grundlos.
Das ewig im Gestrigen Verbleibende war ein unermessliches Bersten der Säulen, ein verschleppter Singmund.

Irminsul ist eine Bergin.

unerreicht

50 Liebes-Sonette für Freyja

Numero 8

wir sind
nicht reich
doch vermögend
hart oder weich strömend
uns verbunden
gesund umrundend
haltend verwaltend
in herzensangelegenheiten

sind wir zeitweit
uns beschieden
doch nicht ausschließlich
oft gut gelaunt
doch auch verdrießlich
ideell künftige zukünfte gestaltend
einzeln jeder für sich
werden wir älter
geborgen in
getrennten welten
teilen sorgen
in der bewältigung leben
gestern heute, morgen

sind
zusammen gegangen
wurden belangt befangen
hingen uns auf
auch irgendwann wieder ab
hielten uns aufrecht
im kurs auf trab
doch manchmal verloren wir ihn auch
in kursschlusspanik
trieben ziellos umher
vermissten einander sehr
tief aus dem bauch
nahmen dinge schwer
wieder leicht

bleibst unerreicht
jemand den ich mag
tag gleich nacht

sag, hättest du das gedacht?
soll ein alter hut sein nun
soll er dir nur gut dir tun

damit du wieder lachst

—-

erntedank

Liebe blogfreunde, 

heute inspirierte mich ein Austausch mit Arabella.

Danke. 

Gruß von der Karfunkelfee

 

50 Liebes-Sonette für Freyja

Numero 6

 

manche dinge verschwinden

in den strudeln der zeit.

besser,

sich nicht zu sehr an sie zu binden.

das leben hält das neue bereit

für eine weile darin freude zu finden.

 

das weitergeben der freude

leuchtet aus der erinnerung

im lichten geleit der vergangenheit

weit in zukunft hinein.

 

wie kann zukunft sein?

 

am morgenhimmel noch von nacht

glüht

übrig gelassen ein nebelstreif dämmer

so fern schon kaum zu fassen

mehr zu ahnen denn zu wissen

eher schon zu losgelassen

mehr zu danken

denn zu missen

 

des altgeliebten

trauter schein

—-

Schmetterlinge…

 

…denke ich

sehe deinen Mund vor mir

den ich gut kenne

wundere mich

wie gut ich ihn kenne

unaufhörlich

tanzen sie

in mir

wenn ich an deinen Mund denke

dann weiter

an deine Augen

oder an die sachte Stelle

in deinem

Nacken

wie ich sie küsse

wie Schmetterlinge fliegen

vielleicht…

—-

Haibun – Der Park im November

  

 Auf den langen gewundenen Wegen liegen verwirbelte Laubhaufen in glänzenden rotbraunen Schattierungen. Ich suche schwarze Schatten in der abendlichen Dämmerung. Es hat den ganzen Tag lang leicht geregnet. Mein Gesicht ist nass von feinem Wasserstaub. Als ich mir mit der Zunge über die Oberlippe streiche, schmecke ich noch das Salz auf meiner feuchten Haut. Nach drei Stunden Training im Studio schafft es der Regen immer noch nicht, es mir abzuwaschen. 

Rechts und links des Weges kleine waldige Abschnitte. Die Berge liegen verborgen unter Nebelmützen. Die Luft ist so lau, ich genieße die Stille im Park, den Regen und den Duft des nahen Waldes.

Die Bäume singend

ihr Lied tropft aus den Kronen

vor meine Füße

Eine Frau mit einem großen Hund undefinierbarer Rasse kommt mir entgegen. Das letzte Tageslicht spiegelt sich in ihren freundlich grüßenden Augen. Am Ende des Weges sehe ich den Sportplatz von gleißendem Flutlicht überschüttet. Ich schaue den wenigen Fußballern, die sich in der oberen linken Ecke versammelt haben eine Weile zu, lausche ihren jungen Stimmen und wünsche mir, dass sie nicht ausrutschen auf der nassen roten Asche.

Das große Spielfeld

in helles Licht getaucht

für so wenige Spieler

Ich löse mich aus der Betrachtung des Sportplatzes und gehe zügig weiter, überquere die Straße, auf der heute Abend kein Auto unterwegs ist. Es ist ein schönes Gefühl, durch den Regen zu laufen, sich überall am Körper warm zu fühlen. Einige Kinder mit Laternen kommen mir singend entgegen. Da fällt es mir ein: Heute ist Martinstag, Lichterfest! Die Eltern gehen ein Stück weiter hinten. Sie tragen brennende Fackeln. Ich gehe mitten durch die Gruppe hindurch und nehme etwas von ihnen mit mir. Eine Art Gemeinschaftsgefühl, das mich jedoch gleich wieder verlässt.

Laterne, Laterne

ich lief mit meinen Kindern 

oh, nun sind sie groß!

Der Spielplatz liegt behütet von der Dunkelheit. Der stille Weg windet sich zwischen den verlassenen Spielgeräten steil bergan. Dahinter erkenne ich die Umrisse der Grundschule. Es ist so dunkel geworden, dass ich die Hand vor Augen nicht mehr erkennen kann. Doch meine Füße finden den Weg auch ohne Beleuchtung. Er ist mir so vertraut wie mein Schatten. Bald werde ich zu Hause sein, freue mich darauf, die Füße hochlegen zu können, mit meinen Kindern zusammenzusitzen und später im Bett noch ein wenig lesen zu können. Mein Herz ist leicht und weich wie der milde Regen dieses Tages. Ich denke an die Menschen, die mir wichtig sind und wünsche ihnen gesund zu bleiben und denen, die es nicht sein können, es schnell wieder zu werden. Begegnungen kommen mir in den Sinn, die flüchtigen, die oberflächlichen und die, die für immer im Herzen bestehen bleiben. November ist ein ernster Monat und die Vergänglichkeit des späten Herbstes hat einen mahnenden Charakter, den Reichtum der Andersartigkeiten und das Geheimnis der Ähnlichkeiten, die Menschen miteinander verbindet, liebevoll zu bedenken. Manche bleiben, andere gehen und bleiben in der Erinnerung ein stiller Glanz. 

Sich so ähnlich sein

wie ein Herbstblatt dem anderen

welch ein großes Glück!
—-

Zum Tag des Kusses – beso/kuss 

  

  
asociaciónes/assoziationen:

beso

labios 

piel 

inmediación

presión

cariñoso

sentimiento 

subir 

eléctrico

diverso 

íntimo

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kuss

lippen
haut 

nah

druck 

warm

gefühl 

aufsteigend

elektrisch

anders

vertraut

du