…weil es heute einmal sein muss…

…dass das Licht sich abwendet

nach innen verdreht

Fuß neben Fuß

Hand in Hand

sich selbst

zugewandt steht…

 

…und weil es heute einmal sein muss…

von dir weit fort

nah zu mir hinzusehen

ich darüber nachdenke

wie einfach es doch ist

still dich im herzen tragend

einfach so weiterzugehen

ohne  mich umzusehen

und ohne anzuhalten…

 

…weil es heute einmal sein muss…

anders du

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Ich sagte es
dir heute
wie rasend stark
du wirklich bist
tausendpferdestark
inabertausendworten
ich sagte es dir
wie du manchmal
in der steppe rennst
so irrsinnig schnell
dass du
außer dir
niemanden
richtig erkennst
wie langsam er ist
eher maulfaul
müde abgeschlafft
ohne Saft
anders du
Paket Kraft
ich sagte es dir
heute
weil du an jemandem
etwas vermisst
damit du

daran denkst

Dieser Mensch

Poesie für die Liebe und den Frieden.

🌍

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Dieser Mensch wird seine Tür öffnen, wenn du mit verstaubten und schmutzigen Straßenfüßen müde vor ihr stehst.
Am Ende deiner Illusionen angelangt, wird er es sein, der dich tröstet in seiner Zeit, dir Mut macht und deinem auf Halbmast hängenden Optimismus eine Schweigeminute zugesteht, nur um dann frisch die Hände zu reiben, dich anblitzend, so, wie immer wenn dir alles zu viel wird und dann zu dir zu sagen:
Komm, es gibt viel zu tun – hauen wir ab.
Dich fragt, ob du außer Weltflucht, Zweifeldenken und Traurigkeiten sonst noch was zum Glücklichsein brauchst.
Dann darfst du mit ihm weinen über diese alten Lebenshärten, sogar ungerecht sein , weil du uneins mit dir und dem anderen bist, zähneklappern, weil Angst menschlich ist und du weißt, dass er das auch weiß.
Er wird dich trösten, dir geben und dich heilen lassen.
Er wird dies alles tun, selbst wenn er weiß, dass du es vielleicht, aus welchen Gründen auch immer, nicht zurückgeben kannst oder selbst dann, wenn er wüsste, dass du nicht so da sein könntest wie er es jetzt gerade für dich ist.
Weil es dieser Mensch ist.

Hinter dem Offensichtlichen

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Zwischen schnell zu erledigenden Arbeiten, in den alltäglichen kleinen Ritualen, den Banalitäten, Selbstverständlichkeiten, auf Leerwegen, auf denen immer noch die matschigen pappenen Reste abgefeuerter Silvesterraketen als vergänglicher Müll der Neujahrshoffnung herumliegen, zuletzt gnädig von weißlich-gräulichem Schneematsch unzulänglich bedeckt.
Vogelstimmen, die unbeschwert Mottos von Bäumen und Dächern pfeifen und irgendwelchen Verheißungen hinterher fliegen, ohne sie weiter zu hinterfragen.
In den Geschäften, mit den Menschen, denen mit den wintermüden blassen Gesichtern und auch in den fröhlich bunten Auslagen der Schaufenster, die eine unwirkliche, noch weit entfernte Zeit heraufbeschwören wie Ungeduldige, die am Gras ziehen damit es schneller wächst.
Das unruhige neue Jahr, das wie das alte Jahr ist und auch wieder nicht, das zu Unerledigtem drängt, das spricht von dem, was sein könnte, in Möglichkeiten, ganz genau wie das alte Jahr, das Ende Dezember über allem anderen nicht dazu kam, sich um das zu sorgen,was sonst noch wichtig gewesen wäre.
Es blieb als offener Posten wie immer auf der Strecke, obwohl es treu und ehrlich das ganze Lebensjahr mit heller Zuversicht versorgte und motivierte, um die Existenz zu sichern in den müden gestressten Gesichtern, den verkniffenen Münder, den leeren Augen.
Als entschuldigenden Grund für das schlechte Aussehen, werden auf weitere Nachfrage, dann jedoch wieder nur die kalte Jahreszeit, das schlechte Wetter und die allgemeine Zeitlosigkeit bemüht und beklagt.

Aus den Geist(er)geschichten: Lange Rampe

Für P.

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Im schweigenden Wintersonnenaufgang, dem Vorglühen des Tages, ist der Schmerz ansteigend wie diese verdammte steile lange Rampe, wie du die Steigung am Berg nennst, mit kaum noch Luft in den Lungen, Schwindelgefühlen, resigniert schiebend, Luschengefühle, Versagerclub.

Dennoch, wenn auch ungloriös, erbärmlich am Berg auf dem kleinsten Ritzel verreckt, trotzdem angekommen in den Gipfelimpressionen, aussichtsreich, so weit wie diese dämlichen blauen Berge in dem alten Wanderlied und wir kommen genau von dort her, Gott hilf mir, ich brauche den unverwüstlichen Herrn Fischer mit seinen Chören, der könnte das hier jetzt fröhlich ins Land hinaus schmettern.

Dann die rasende Abfahrt, die Ahnung um zerbrechlich Rad und Reiter. Doch auch der Rausch der Leichtigkeit, das jubelnde Herz.
Vergangen der Zweifel, vergessen der Schmerz.
Im Schweigen die von sich selbst befangene Unwissenheit, die allen Unvertrauens tiefste Ursache und Natur ist.

Nur der Verstand wiegt ein Schweigen in Worten. Die Seele kommuniziert unablässig, ungebunden in einer eigenen Sprache in allen Zeiten und an allen Orten.
Meine Seele scheint nicht schlafen zu wollen doch auch sie muss, wie ein müder Körper auch, für ein neues Tagwerk ruhen, braucht neue Kraft, für neues Tun.

Das Schweigen legt sich in eine noch offene Wunde, das Menschliche, Einsame, wie ein essiggetränktes Tuch.

Ich hebe es sanft an, das Schweigen, wie mein leichtes schnelles Rad, bevor ich es zu einem Ausritt geschultert, alle vier Etagen hinuntertrage und nicht nach der Zahl der gegangenen Stufen frage, sondern nach der Zeit, die ich brauchte, bis ich unten angekommen bin.
Es sind auch strahlende Momente und lachende Sonnentage im Schweigen.
Die Luft riecht nach dir und mir, nach all den anderen, die wir auch noch mögen und den Vögeln fällt gerade nichts zum fröhlicheren Besingen ein, die Frühjahrsblüher, die ersten, suche ich für dich.
Ein Zauberspruch im Winter:
Hamamelis heilt.
In Sonnengelb.

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Bilder: Klickmichgroß

Diesmal für vielleicht immer…

Gedichte für Liebe und Frieden in der Welt.
Poesie gegen Gewalt, Terror, Krieg.
Herr Erdogan aus der Türkei: Ich bin sehr enttäuscht von Ihnen.
Hat Ihr Volk es wirklich so nötig, seine großen Tiefen und wahrhaftigen religiösen Gefühle zu schützen vor einer kleinen Karikatur?
🌍

❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️❄️

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Diesmal für vielleicht immer…

…werde ich geweckt, noch den Stift in der Hand, das Buch aufgeklappt auf dem Bauch, mitten in der Nacht, als der Schlaf zu gewaltig wurde und meinen Kopf in der Zeile zur Seite schlug.

…scheint die Sonne, ich gehe durch den Wald, trinke seinen Duft, die vertraute Stille vergrößert sich in den Schritten neben mir, die Bäume schauen zu.

…sind Träume Signale und Impulse und keine Monster mit gelben Augen, die unter Kellertreppen wohnen und mich in der Nacht fressen wollen.

…brauche ich keine Hoffnung so dringend wie Nahrung, weil ich von ihr erfüllt mit ihr lebe und nicht sie erst bitten muss, auf welche Weise auch immer, zu mir zu kommen.

…bleibe ich in der zyklischen Bewegung, bete ich das Rad an, weil es rund ist und rollt, fließe ich in Wasserinformationen in andere Kehlen, bitte sie mich zu trinken, wenn sie dürstet, spreche mit den Geistern, die im Feuer tanzen und frage den Wind um Rat und Weisheit, wenn ich, unsichtbar, tief in mir meine große Wüste quere.

…materialisiere ich mich, bin Fleisch, Blut und Erde, bin berührbarer Mensch, bin Körper, den ich immer wieder suche, wenn ich drohe geistig zu verfliegen wie ein Windhauch.

…ist Erdung Notwendigkeit zu überleben, suche ich Lebendigkeit in allen Dingen, will ich fühlen wie die Welt lebt, suche ich Menschen, die mich zurückbringen, wenn ich fortfliegen will mit den Zugvögeln
in der unbekannten Erinnerung eines fremden Südens.

Namur – Löwisch

Zur Erklärung:
Ich bin Lesemutter und begleite seit einigen Jahren Kinder ehrenamtlich literarisch.
Dabei lerne ich viele Kinder kennen.
Namur gibt es tatsächlich.
Sie hat mich tief beeindruckt, in ihrem Natural Born-Stolz auf ihr Land Ghana.
Jetzt wird Namur auf der weiterführenden Schule sein.
Doch ihren Spirit gab und ließ sie in meinem Herzen zurück.
Diese Geschichte ist fiktiv.
Doch Namur ist real.
In dieser Geschichte fließt zusammen, was ich mit Kindern erleben darf und ich widme sie meiner Tochter Naomi.

Naomi: Du wirst eines Tages verstehen, warum, kleine Maus.

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Namur ruft quer über den Hof:: Hey, Du! Frau Lesemutter, bleib mal stehen, hast Du Zeit?
Ich komme gerade von der Post, habe Päckchen zum Versand gebracht und schiebe nun meinen Trekker-Packesel gemütlich über den Schulhof, über den ich schon als Grundschülerin ging, über den mein Sohn als Grundschüler lief, und nun ich wieder, wie immer.
Heute ist keine Lesestunde, es ist die große Pause.
Namur dreht an einer ihrer gefühlt 1000 Zöpfchen, mit denen ihre Mutter die krausen wilden Haare bändigt. Jedes Zöpfchen endet mit einer bunten Schleife. Namur zerrt an einer dunkelblauen herum.
Ich will wissen, ob sie der Zopf ziept und sie verzieht das Gesicht.
Ich frage, ob ich das Ding mal aufdröseln und neu flechten solle, ob sie schon Kopfschmerzen vom Ziepzopf hätte?
Sie schenkt mir ein Perlenlächeln, mindestens 1000 Watt. Das dunkle Gesicht strahlt um die Wette mit den Zähnen.

Namur verbinde ich stets mit diesem Lächeln und ihre schwarzen Augen glühen darin wie Kohlenstückchen oder blank geputzte Taler.
Ich lehne das Fahrrad gegen einen Baum und setze mich auf eine Bank. Namur springt mit einem Riesensatz neben mich und schmiegt ihren Kopf an meine Schulter wie eine Tochter. Ich staune immer wieder über das grenzenlose Vertrauen, das mir diese kleine Ghanaerin entgegenbringt, einfach so.
Ich bitte Namur, mir das Ziepzöpfchen zu zeigen und sie fischt einen Zopf mit einer roten Schleife heraus.
Vorsichtig drösele ich den Zopf auf und lasse ein paar beiläufige Bemerkungen fallen über den Fluch und Segen dicker, fester und obendrein krauser Haare.
Namur ist stolz auf ihr Haar. Sie sagt das auch, aber nur so, weil sie Lust dazu hat. Das hat sie mir einmal erzählt, frei und offen.
Jetzt, während ich entwirre und neu flechte, spricht sie von Samira. Das ist ihre algerische Freundin aus der Parallelklasse. Dass Samira nun eine neue beste Freundin hätte. Nein, das sei nicht mehr sie, Namur, obwohl ihre Freundschaft mit Samira viel älter sei als die mit der Neuen.
Ich flechte weiter, schweigend, vorsichtig.

Namur erzählt, dass sie versucht hat, Samira zurückzugewinnen, als diese plötzlich nur noch Zeit mit dem anderen Mädchen verbringt. Sie sagt, sie habe sogar für eine Verabredung zwei Stunden lang in der Kälte draußen gestanden und gewartet, doch Samira sei nicht gekommen.
Sie habe ihr einen Brief geschrieben und ihr heimlich in den Turni, in die Federmappe gelegt.
Ich frage, was drin stand im Brief.
Namur überlegt einen Moment, als müsse sie erst den genauen Wortlaut erinnern, doch dann legt sie los: Liebe Samira, ich, Deine Freundin Namur aus Ghana, verstehe Dich nicht mehr. Warum findest Du mich plötzlich scheiße und kommst nicht, wenn wir uns treffen wollen? Warum sprichst Du nicht mehr mit mir? Ich bin echt so traurig. Deine Dich innigst liebende Freundin Namur aus Ghana. Sie sagt, sie habe mit Jaxon-Kreide ein rosa Herz um alles gemalt und noch ein paar Glitzersticker. Draufgeklebt, Rosen und so. Und noch ihren Lieblingskaugummi.
Ich grinse, zum Glück sieht Namur mich nicht, weil ich hinter ihr sitze. Ich wickele die rote Schleife um das Zöpfchen. Das Band ist sehr kurz, Namurs Mama kann das besser als ich, sag ich Namur und frage sie, ob sie echt ‚Deine Dich innigst liebende ‚ geschrieben hätte.
Sie nickt so euphorisch, dass mir der Zopf aus den Händen gleitet und ich noch einmal nachflechten und das Band neu binden muss.
Dann wird sie still und ihre Schultern sinken nach vorn.
Ich frage Namur, ob sie glaubt, wirklich alles nur Erdenkliche, in ihren Kräften Stehende getan hätte, um Samira zurückzugewinnen.
Nun sehe ich Namur erbeben, das Kind ist in den Grundfesten erschüttert und endlich heult sie Sturzbäche los.
Das dauert fünf Minuten, wie ein Schlagregen, dann schüttelt sie sich wie ein junger Hund, dass die Tränen nur so fliegen und schreit stolz, dass niemand auf der weiten großen Welt das Recht hätte, ihr, Namur aus Ghana, Afrika die Freundschaft abzulehnen und dass sie die neue Freundin von Samira richtig kacke fände, so eingebildet wie die wäre.
Nach diesem Gefühlsausbruch sinkt Namur wieder in sich zusammen und erstarrt wie ein Denkmal der Verschlossenheit selbst.
Ich sage ihr, dass sie alles getan hätte und mit allem wie eine Löwin gekämpft hätte um Samira. Dass eine neue Freundin erst mal ganz schön neu und spannend sei.
Namur ist nicht einverstanden mit meiner Antwort und sagt, ich wüsste überhaupt nichts über dieses Mädchen. Ich frage daraufhin, wie viel sie denn über die andere wüsste und ob sie schon mal versucht hätte, zu dritt etwas zu machen.
Ja, sagte Namur, das hätte sie auch versucht, doch das andere Mädchen sei auch Algerierin, so, wie Samira.
Ich flechte den Zopf zu Ende und überlege, was und wie ich Namur raten könne.
Sie dreht sich zu mir um und sieht mich fragend an. Ich frage sie, was ihr an Samira so gut gefiele?
Namur überlegt, einen Zeigefinger an ihr Kinn gelegt und sagt, es sei, weil Samira ihr so ähnlich sei.
Ich kenne Samira. Sie ist ein sehr stilles, schüchternes Mädchen, ernst, mit einem großen Ehrgeiz, eher vorsichtig und skeptisch.
Ich frage Namur, worin sie sich ähnlich wie Samira fühle. Namur sprudelt sofort los:
Samira fände die gleichen Songs gut wie sie, Namur.
Hat Samira dir das gesagt, dass sie die gleiche Musik gut findet wie du?
Nein, so sei es nicht gewesen, korrigiert mich Namur, vielmehr habe Samira alle Lieder gut gefunden, die Namur ihr vorspielte.
Ich will wissen, ob sie auch Samiras Musik möge?
Nö, meint Namur, darum hätte sie Samira auch alle ihre gute Musik vorgespielt und Samira hätte alles gut gefunden.
Ich will weiter wissen, ob das bei Spielen auch so gewesen sei. Ob sie auch mal nach Samiras Vorgaben miteinander gespielt hätten?
Namur verneint, meistens sei sie die mit den guten Ideen gewesen.
Ob sie mal Samira gefragt hätte, ob die Namurs Idee auch gut gefunden hätte?
Nö, sagt Namur, das sei doch nicht nötig gewesen.
Oh, oh…
kommt es vielsagend von mir.

Namur schweigt, sieht mich an.
Es vergehen zwei Minuten, dann sind es schondrei.
Schön sängen die Vögel heute, teile ich Namur freundlich mit und dass es überhaupt schönes Wetter sei, ein herrlicher Tag.
Namur sagt, ich sei komisch und stellt sich in stillem Protest vor mich hin, doch ich lächele sie einfach nur an.
Denk doch mal selber nach, sage ich ihr dann, der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.
Da lacht sie schon wieder, doch ernster und sagt, sie verstehe nicht, wie ich das meinte.

Was wünscht du dir von Samira?
Frage ich Namur.
Sie denkt eine Weile nach und sagt, dass es Zeit sei, gemeinsame.
Dass sie wieder ihre Freundin sei, wünschte sie sich.
Ich frage Namur noch einmal, ob sie wirklich glaube alles getan zu haben für Samira?
Namur bejaht.
Dann sei es gut, sage ich.
Samira habe immer mit ihr, Namur gespielt. Sie habe sogar in Kauf genommen, dass Namur immer bestimmen wollte und ihre Musik nicht gut fand, nur ihre eigene. Namurs Musik.
Und nun sei da jemand, der vielleicht Samira genauso mag wie sie ist, auch ihre Musik mag und ihre Spielvorschläge, sie vielleicht sogar bittet, dass Samira bestimmen darf.
Ich sage Namur, ich wüsste dies natürlich alles nicht, doch es könne ein Grund sein für Samiras Rückzug.
Manchmal, sage ich Namur, der ghanaischen Stolzen, ist Liebe zu innig, so dass der andere nicht mehr atmen kann, vor allem, wenn zwei so unterschiedlich sind, wie Samira und du.
Die eine ist ruhig und die andere ein Irrwisch, ein starker obendrein.
Namur hat ein Löwenherz und Löwen wollen bestimmen.
Sie fragt mich, ob sie alles kaputt gemacht habe, nun, weil sie zu löwisch war.

Ich frage Namur, wie lange sie denn mit Samira befreundet ist.
Sie rechnet mit den langen Fingern: fünf Jahre.
Ich lache laut und frage sie, worum sie sich dann sorgte?
Ich sage ihr, sie solle freundlich zu Samira sein, ihr Zeit lassen, über die neue Freundin nichts Böses sagen und abwarten wie die alten Ägypter am Nil auf die Flut.
Sie solle ihren Stolz im Herzen tragen wie ein Löwe, doch gleichzeitig bescheiden sein und anmutig wie eine Antilope.
Das ist ganz nach Namurs Geschmack, damit kann sie etwas anfangen.
Sie sagt, dass es schwer und traurig ist ohne Samira, die sie vermisst und ich rate ihr, auf andere zuzugehen.
Wenn ich keine anderen Freunde finden kann?
Namur sitzt in Notlandeposition auf der Bank und dreht Zöpfchen.
Es liegt doch an dir, ob und wie du dirFreunde findest, sage ich Namur und ziehe ihren Kopf an den Zöpfchen wieder hoch.
Du hast viel zu geben, sage ich ihr und dass ich losmüsse.
Ich frage sie, ob sie Lust hätte, einen uralten Fritzchenschulwitz zu hören.
Alle Kinder in diesem Alter sind wie gekniffen auf Witze.
Auch Namur bildet keine Ausnahme und nickt begeistert.
Ich erzähle:
Fritzchen kommt zu spät in den Unterricht.
Die Lehrerin möchte wissen, wieso er sich verspätet hat.
Fritzchen sagt:’Ich musste erst einer alten blinden Dame über die Straße helfen‘
‚Wie löblich, Fritzchen! Und das dauerte so lange?‘, fragt die Lehrerin erstaunt.
‚Ja, antwortet Fritzchen, ‚die wollte doch gar nicht über die Straße…‘

Namur braucht einen Moment, doch dann begreift sie, ich weiß nicht wieviel, sie lacht, doch mit ernsten Augen, und die Schulglocke läutet und dann springt Namur, mir noch einmal zuwinkend, davon – wie eine Antilope.